ANGEL DUST - "Of human bondage"
Century Media/NSM
Als ANGEL DUST 1998 nach zehnjähriger Pause ihr plattentechnisches Comeback feierten, mußten sie teilweise herbe Kritik einstecken. Zu wenig hart, zu melodisch und teilweise zu progressiv sei "Border of reality" geraten, meinten nicht wenige Altfans. Kein Wunder, spielten die Dortmunder doch auf ihren ersten beiden Werken lupenreinen Speed/Thrash-Metal. Nun, die oben genannten Kritikpunkte gehören spätestens seit dem 2000er-Werk "Enlighten the darkness" der Vergangenheit an. Hart sind ANGEL DUST zweifelsohne (wieder) geworden, allerdings auf eine ganz andere Weise als in den Achtzigern. Auf "Of human bondage" donnern wieder einmal jede Menge wuchtige Midtempo-Walzen mit tiefgestimmtem Stakkato-Riffing durch die Gehörgänge (hört Euch den eröffnenden Quasi-Titeltrack an, und Ihr wißt, was ich meine!). Dazu Dirk Thurischs unvergleichliche mittelhohe Vocals, die diesmal um einiges aggressiver klingen, und Steven Banx virtuose Keyboard-Spielereien - und fertig ist der typische ANGEL DUST-Sound. Da und dort (z.B. bei "Inhuman") sind zwar einige NEVERMORE-Parallelen nicht zu leugnen, was aber durchaus als Kompliment gemeint ist. Abgerundet wird das Riffgewitter namens "Of human bondage" von zwei langsameren, atmosphärischen Tracks sowie einer genialen Coverversion der SEAL/ADAMSKI-Nummer "Killer", die schon im gitarrenfreien Original ein Fetzgroover allererster Güte war.
Hart, klischeefrei und trotzdem melodiös, so muß moderner Power Metal klingen! - P. Z.