BELPHEGOR - "Lucifer incestus"
Napalm/NSM
Österreichs Aushängeschild in punkto brutalem Death/Black Metal offenbart uns hier mit Album Nummer vier ein absolutes Meisterwerk, das auf den Namen "Lucifer incestus" hört. Hier wurde einfach alles, was von den bisherigen drei Veröffentlichungen der Salzburger bekannt war, zusammengefaßt, um daraus ein neues blasphemisches Werk für die Ewigkeit zu schaffen. Angefangen schon beim deutlich verbesserten Sound, der zwar anfänglich für BELPHEGOR-Verhältnisse etwas gewöhnungsbedürftig anmuten mag, aber nach kurzer Einhörphase perfekt zu den Hymnen an den Gehörnten passen. "The goatchrist" eröffnet nach einem halbminütigen Intro den Reigen und zeigt BELPHEGOR in bekannten Gefilden in der Grauzone zwischen Ami-Death und schwedischem Highspeed-Black Metal, das Ganze aber eben noch einmal um das gewisse Etwas schneller, technischer und gnadenloser. "Diaboli birtus in lumbar est" streift Death Metal-Gefilde nur marginal und würde auch Bands wie SETHERIAL oder DARK FUNERAL mehr als nur gut zu Gesicht stehen, wobei dann aber doch die spezielle BELPHEGOR-Note den Song weit genug von den Schweden abhebt. "Demonic staccato erection" geht wohl als der technischste Track auf "Lucifer incestus" durch, gelegentlich erinnert er mich an "Lust perishes a thirst for blood", und weshalb sich im Titel das Wort Stakkato findet, wird nach dem Hören einem auch recht schnell klar. "Paradise regained" tendiert wieder eindeutig gegen Schweden und dort vor allem in Richtung INFERNAL, die Nummer ist einfach nur gnadenloser Black Metal in Reinkultur. Die große Überraschung auf dem Viertwerk stellt dann "Fukk the blood of Christ" dar, immerhin agierten die Salzburger seit der Veröffentlichung des Debütalbums seither nie mehr in derart, wohlgemerkt für ihre Verhältnisse, gemäßigten Geschwindigkeitsgefilden. Ein bißchen klingt Track Nummero sechs wie ein Bastard aus MORBID ANGEL Marke "Blessed are the sick", vermischt mit IMMOLATION und das ganz dann im typischen BELPHEGOR-Style intoniert. Vor allem live fahrt "Fukk the blood of Christ" ungemein. Was mit dem darauffolgenden Titeltrack "Lucifer Incestus" entfacht wird, ist nur mehr gnadenlos, Tempo 260, und das zwei Minuten vierzig lang. Der bis dato wohl extremste Song, der von BELPHEGOR je auf Tonträger gebannt wurde. "The sin-hellfucked" zeigt die Band dann wieder ähnlich geartet wie beim eigentlichen Opener "The goatchrist", wobei hier bei den teils exzessiven Soli vor allem das Gitarristen-Duo Helmuth/Sigurd sich als das wohl beste im heimischen Death/Black-Sektor präsentiert. Den Abschluß bildet dann "Fleischrequiem 69", bei dem für BELPHEGOR eher untypisch auch akustischen Gitarren und ein teilweise fast schon cleaner Gesang eingesetzt werden. Was in der Endabrechnung vor allem auffällt ist, daß hier in jeglicher Hinsicht alles ein wenig weiter ausgelotet wurde, nicht nur in Punkto Geschwindigkeit, sondern auch bezüglich verschiedener Stilistiken, die aber im Endprodukt zu hundert Prozent als BELPHEGOR ausmachbar sind. Als Bonus gibts auf der Digipack-Edition übrigens noch einen Video-Clip zum Titeltrack, der gewohnt blasphemisch, aber doch um Quantensprünge professioneller als jener zu "Vomit upon the cross" umgesetzt wurde.
E. M. P.