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Lassen wir uns zurückversetzen in die Zeit der Weltkriege und der Geschichte des Elias Hohlbergs lauschen, einem Judenbuben, der mit seinem Spiel auf dem Leierkasten dem Kriegsgeschehen entgegentrotzt und deswegen mit seinen Gefährten von seiner Heimatstadt Lemberg aufbrechen muss und dessen Schicksal schlußendlich im Alter von 39 Jahren vom Winter besiegelt wird. Gekonnt wie immer, setzen ANGIZIA das Stück der Musikanten rein durch musikalische Mittel so um, daß man das Gefühl bekommt, in einem Theater zu sitzen und der Vorstellung begabter Schauspielern beizuwohnen. Das Konzept des grandiosen Vorgängeralbums "Das Schachbrett des Trommelbuben Zacharias" wurde hierbei perfektioniert - so wurde das dominante Klavier durch eine Vielzahl von anderen Instrumenten ersetzt und somit ein Variationsreichtum erschaffen, wie er nur ganz selten vorkommt. Sowohl Gesang als auch Musik sind sehr aufwendig gestaltet: So wird der Part des Vokalisten von vier Personen übernommen, die sich jeweils nach der Stimmung des Stückes abwechseln, der musikalische Kopf des Kollektivs ANGIZIA, Engelke, übernimmt den Hauptteil der Vocals, Rainer Guggenberger (Sänger der Formation FREUND HEIN) steuert den Bassgesang bei, Jochen Stock setzt die Akzente mit seinem typischem, von DORNENREICH bekanntem Rezitativ und Irene Denner rundet den männlichen Gesang durch ihre fabelhafte, charakteristische Stimme ab. Auch an der musikalischen Umsetzung wurde nicht gespart - so besticht das Album durch virtuose Leistungen an jedem der eingesetzten Instrumente: mit Roland Bentz, der u.a. Mitglied des "K&K-String-Quartetts" ist, wurde ein Geiger gefunden, der es schafft, die besonderen Aspekte der Stücke zu unterstreichen und ihnen Leben einzuhauchen, ebenso Jazz-Schlagzeuger Alex Dostal, der zu diesem Stück doch besser paßt als Drummer aus dem Metalbereich, da seine filigrane Spielweise sich nahtlos in die Materie einfügt. Besonders auch die Tuba, das Akkordeon und die Klarinette tragen dazu bei, den jüdisch-russischen Flair zu unterstreichen und somit einen Grundstein beim Empfinden dieser "visuellen Welt", zu legen. Einfach ist dieses Meisterwerk wohl kaum zu beschreiben, da die ausgereifte Arbeit und die avantgardistischen Übergänge nicht in Worte zu fassen sind - dieses Erlebnis muß man selber erlebt haben. Gespannt kann man außerdem schon auf das Nachfolgewerk "Der Requiemlauscher", das eine morbid-jenseitige Fortsetzung von "39 Jahre für den Leierkastenmann" sein wird. Abgeschlossen wird das visuell-akustische Werk durch das dazugehörige, liebevoll gestaltete Artwork des Digipacks, wie bereits bei den Vorgängeralben hat Künstlerin Gabriele Böck mit ihren Gemälden das Stück künstlerisch-visuell vollendet. Zu beziehen gibt es "39 Jahre für den Leierkastenmann" über die Bandhomepage www.angizia.com.
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Und wenn Sie einmal die Straßen dreister Musikanten queren, lauschen Sie doch dem Gespielten und werfen Sie eine Münze! - D. E.
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