Mikael Stanne (DARK TRANQUILLITY)
Anläßlich ihres neuen Outputs "Damage done", der wieder etwas stärker in die Richtung des 97er-Albums "The mind’s I" tendiert, führte ich eine Interview mit Mikael Stanne, seines Zeichens Sänger der Göteborger.
E. M. P.: Hallo Mikael, warst du eigentlich 1989, als die Band gegründet wurde, auch schon dabei, oder anders ausgedrückt, bist du ein Gründungsmitglied von DARK TRANQUILLITY?
M. S.: Ja, damals standen wir alle auf Metal und hingen gemeinsam rum. Wir waren halt fünf Freunde, denen fad war und sich entschlossen, eine Band zu gründen. Wir probten dann so gut wie täglich, das ging einige Monate so. Wir fanden, daß sich das Ganze recht gut anhörte und deshalb verfolgten wir das Ganze mit Nachdruck weiter. Jedenfalls hatten wir zwei Jahre später unseren ersten Plattenvertrag. Es ging dann so von Jahr zu Jahr weiter und wurde mit der Zeit immer besser. Es ist nach wie vor eine Herausforderung und aufregend, die Musik zu machen, die uns gefällt.
E. M. P.: Warst du eigentlich mit irgendjemand von den anderen gemeinsam in der Schule?
M. S.: Ja, Niklas, Martin und ich gingen schon gemeinsam in den Kindergarten. Als wir die Band gründeten, waren wir schon über ein Jahrzehnt miteinander befreundet.
E. M. P.: Wer waren damals deine Haupteinflüsse und wen würdest du gegenwärtig nennen?
M. S.: Damals waren vor allem Thrash- und Death Metal-Bands wie KREATOR, SODOM, DESTRUCTION, MORBID ANGEL und weitere derartige Combos, genauso Speed Metal-Bands wie BLIND GUARDIAN, HELLOWEEN und so weiter. Später kamen dann ATHEIST, RUSH, DREAM THEATER und Konsorten. Mittlerweile höre ich eigentliche jegliche Art von Musik. Wieweit die allerdings in der Musik von DARK TRANQUILLITY wieder hervortreten, kann ich nicht genau sagen, allerdings sind die damaligen Einflüsse nicht mehr so markant wie früher vorhanden. Irgendwie wird sich alles, was wir hören, auch bei DARK TRANQUILLITY heraushören lassen, worin auch immer.
E. M. P.: Was hat dich eigentlich dazu bewogen, nach dem "Skydancer"-Album von der Gitarre zum Gesang zu wechseln?
M. S.: Nachdem uns unser damaliger Sänger (Anders Fridén, der damals zu CEREMONIAL OATH abwanderte, heute IN FLAMES - Anm. d. Verf.) verlassen hatte, waren wir sowieso auf der Suche nach einem neuen Frontmann, und da mir Singen immer schon mehr Spaß machte als Gitarre spielen, wechselte ich einfach auf den vakanten Posten. Ich bin wirklich ein mieser Gitarrist, also war es sicher das Beste.
E. M. P.: Spielst du eigentlich noch Gitarre?
M. S.: Mittlerweile spiele ich nur noch gelegentlich akustische Gitarre. Vor ein paar Jahre hab ich mal in einer Rockband gespielt, aber das ist auch schon lange her.
E. M. P.: Was waren eigentlich nach den Aufnahmen zu "Projector" die Gründe, dass Fredrik Johansson DARK TRANQUILLITY verließ?
M. S.: Er war in seinen Job ziemlich eingespannt, für seine Freundin mußte er auch die nötige Zeit aufbringen, was sich leider so niederschlug, daß er für die Band nicht mehr so viel Zeit hatte. Es war wirklich traurig, da Fredrik ein ausgezeichneter Gitarrist und ein großartiger Freund ist, allerdings vermochte er nicht den gleichen Enthusiasmus und Nachdruck wie wir aufzubringen. Er war halt eine traurige Sache für uns, aber wir sind nach wie vor gute Freunde.
E. M. P.: Gehen wir einmal zum neuen Output "Damage done". Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen dem neunen Machwerk und den letzten beiden Alben?
M. S.: Wir wollten einfach weiterkommen, all das verarbeiten, was wir über die Jahre gelernt hatten, bezüglich Songwriting und so weiter. Aber es ist schon irgendwie ein kleiner Schritt in unsere Anfangstage zurück bezüglich der Aggressivität und der Intensität. Es ist dieser gewisse Instinkt, den wir damals hatten und diese Art Aggression mit Melodie zu kombinieren. Ich schätz einmal, es ist ein guter Mix aus dem, was wir in der Vergangenheit gemacht haben und komplett Neuem. Ich weiß nicht genau, der Unterschied ist wahrscheinlich eine neue Ausrichtung, die Art und Weise, wie sich die Musik uns gegenüber präsentiert. Es ist halt doch irgendwie etwas anderes.
E. M. P.: Mich erinnert das neue Material zumindest phasenweise an "The mind’s I".
M. S.: Ja, das ist gut möglich, das neue Material kommt schneller auf den Punkt, es ist sicher eine Spur direkter.
E. M. P.: Was hat dich eigentlich dazu bewogen, deinen Gesangsstil wieder komplett auf deine charakteristischen, aggressiven Vocals auszulegen?
M. S.: Die Musik verlangte einfach danach. Wir schreiben immer als erstes die Musik und dann erst komme ich dazu, schreibe die Texte und passe den Gesang an. Es war halt nichts anderes da, was zu diesem Album paßte. Ich versuchte bei ein paar Parts den cleanen Gesang einzubauen, aber es harmonierte nicht so recht, also entschloß ich mich die Vocals so heavy und aggressiv wie nur möglich zu gestalten. Es hört sich wirklich gut an, obwohl es auch für uns im Endeffekt ein wenig überraschend war, aber die Marschrichtung war auf jeden Fall die richtige.
E. M. P.: Bist du eigentlich in irgendwelchen anderen Projekten oder Bands involviert?
M. S.: Nein, ich nicht. DARK TRANQUILLITY beansprucht einen Haufen Zeit und ich kann alles, was ich derzeit musikalisch machen möchte, darin verarbeiten. Ich habe keine Beweggründe, irgendetwas anderes zu machen. Ebenso die meisten anderen in der Band. Einzig Martin (Brändström, k., Anm. d. Verf.) hat nebenbei noch was laufen, er ist derzeit Keyboarder bei TIAMAT.
E. M. P.: Worin bist du eigentlich, abgesehen von Musik, interessiert?
M. S.: Ich bin ein richtiger Filmfreak. Außerdem bin ich fanatisch beim Computerspielen, das ist das, was ich größtenteils mache, und natürlich fortgehen.
E. M. P.: Kommen wir zu meiner letzten Frage, was ist dein liebster DARK TRANQUILLITY-Song vom neuen Album, und welcher allgemein?
M. S.: Beim neuen Album ist das gar nicht so leicht zu sagen, es ändert irgendwie jede Woche, aber augenblicklich würde ich wohl "Format C: for cortex" oder "Hours passed in exile" nehmen. Von den anderen Alben würde ich auf jeden Fall "Insanity’s crescendo" und natürlich "Punish my heaven" nehmen, es ist jedes Mal etwas Besonderes, diesen Song zu spielen und zu singen. Er ist einer meiner All-Time-Favorites.
Danke für das Interview! - E. M. P.