Mårten Hagström (MESHUGGAH)
Anläßlich des neuesten Outputs "Nothing" führte ich ein Interview mit Gitarrist Mårten Hagström, welcher mich pünktlich um 19 Uhr anrief.
E. M. P.: Hallo Mårten, erzähle mir erst einmal über die Geschichte von MESHUGGAH, soweit du darüber Auskunft geben kannst.
M. H.: Ich kam erst Ende 1992, Anfang 1993 in die Band, kurz vor den Aufnahmen zur "None"-EP. Davor, 1991, veröffentlichte die Band ihr erstes Album "Contradictions collapse" über Nuclear Blast. Jens (Kidman, damals noch v. & g.) und Fredrik (Thordendal, g.) haben schon davor in einigen Bands zusammengespielt. Jedenfalls, bevor das Debütalbum veröffentlicht wurde, kam auch Tomas (Haake, d.) zu MESHUGGAH, mit dem ich bis dahin gemeinsam in einer Band spielte. Es ging dann halt so weiter, daß wir 1993 dann "None", 1995 "Destroy erase improve", 1998 "Chaosphere" und heuer "Nothing" veröffentlichten.
E. M. P.: Kannst du mir vielleicht sagen, was der Name MESHUGGAH bedeutet?
M. H.: Es ist jiddisch und bedeutet soviel wie verrückt.
E. M. P.: Ich habe schon mit einem Freund herumgerätselt, was das Wort heißen könnte, da bei uns der Begriff "meschugge" teilweise auch noch verwendet wird.
M. H.: Wirklich? Ich hab gar nicht gewußt, daß dieses Wort anderswo auch noch existiert. Wir haben einige jüdische Bekannte in den Vereinigten Staaten, vor allem in New York, die es auch, allerdings eher im Slang, verwenden. Ich hab wirklich nicht gewußt, daß dieses Wort auch in Österreich geläufig ist.
E. M. P.: Was würdest du als eure Haupteinflüsse nennen?
M. H.: Unsere Einflüsse, die wir in MESHUGGAH einbringen, haben größtenteils keinen musikalischen Ursprung. Wir verarbeiten hier vielmehr die Eindrücke, die uns Bücher, Filme und so weiter vermitteln.
E. M. P.: Worum geht es eigentlich in den Texten?
M. H.: Tomas ist für einen Großteil der Texte verantwortlich, lediglich die Lyrics zu einem Song auf "Nothing" sind aus meiner Feder. Das gleiche war auch bei "Chaosphere" der Fall.
E. M. P.: Welcher Text stammt von dir?
M. H.: Die Lyrics zu "Nebulous" stammen von mir. Die Texte auf diesem Album sind ebenso wir auf den vorangegangenen so ausgelegt, daß der Hörer seine eigene Interpretation dazu finden muß. Der Grundkontext beim neuen Album ist allgemein das menschliche Wesen mit all seinen Ausschweifungen. Ich würde sagen, unsere Musik und unsere Texte gehen Hand in Hand mit dem Konzept, welches hinter MESHUGGAH steht.
E. M. P.: Was sind deiner Ansicht nach die Hauptunterschiede zwischen "Chaosphere" und "Nothing"? Meiner Meinung nach wirkt das neue Material, als ob ihr einen Gang zurückgeschaltet habt, vielleicht sogar ein wenig in Richtung "Destroy erase improve"?
M. H.: Ich würde das Ganze eher so sehen, daß wir gleichzeitig eine Schritt nach vor und zurück gemacht haben; das mag zwar etwas verwirrend klingen, aber im Grunde ist dieses Album viel komplexer als "Chaosphere", der Unterschied ist aber, daß das Material auf "Chaosphere" ziemlich schnell war, wohingegen das neue Material um vieles langsamer und vielschichtiger ist, was es vielleicht zugänglicher erscheinen läßt. "Chaosphere" war in sich genommen um vieles intensiver, aber auf keinen Fall technischer oder gar dem neuen Material voraus. Ich kann das Ganze vielleicht am besten so erklären: Wenn wir das "Nothing"-Material genauso schnell wie die "Chaosphere"-Stücke spielen würden, würde wohl jeder verrückt werden.
E. M. P.: Auf "Nothing" habt ihr ja erstmals achtsaitige Gitarren in Verwendung. Wie kamt ihr überhaupt zu der Idee, diese Gitarren anfertigen zu lassen?
M. H.: Ich weiß nicht mehr genau, wann es war, aber wir scherzten eines Tages herum, daß es doch eine coole Idee wäre, ein Album nur mit Bässen und ohne Gitarren aufzunehmen. Wir haben es allerdings nie wirklich versucht. Jedenfalls trafen wir eines Tages diesen Typen, der die achtsaitigen Gitarren baute und er meinte zu uns, daß wir sie doch einmal antesten sollten. Wir bekamen Prototypen und probierten sie und es war unglaublich, es war so nahe an dem dran wohin wir, als wir so herumscherzten, wollten. So kam es dazu.
E. M. P.: Was für eine Stimmung habt ihr eigentlich auf "Nothing" verwendet?
M. H.: Die tiefen Saiten haben wir mit Flat gestimmt. Überhaupt hat sich die Herangehensweise beim Songwriting auf der Achtsaiter grundlegend verändert. Auf einer achtsaitigen Gitarre kannst du keine herkömmlichen Powerchord-Riffs mehr spielen, im Gegensatz zu einem Siebensaiter. Du spielst auf diesem Instrument vor allem mit einer Saite, es läßt sich wahrscheinlich am ehesten mit Bass spielen vergleichen. Wir haben bei jedem Song eine etwas andere Stimmung verwendet, allerdings ist die Standardstimmung F-Flat.
E. M. P.: Und wie funktioniert das Ganze live?
M. H.: Wir wechseln einfach die Gitarren zwischen den Songs. Einige der älteren Stücke haben sich darauf als ziemlich einfach zu spielen herausgestellt. Die Maßerung ist allerdings ziemlich groß, wodurch wir bemerkten, daß es ziemlich schwer ist, die Stimmung zu halten. Aber ums ehrlich zu sagen, als wir auf dem Ozzfest in den Staaten spielten, verwendeten wir die Achsaiter noch nicht und spielten auch noch keine neuen Songs, da eben alle Stücke vom neuen Album auf jenem Instrument basieren und wir noch nicht genug zur Verfügung hatten. In zwei Wochen werden wir allerdings mit TOOL auf US-Tour gehen und die neuen Songs auch live spielen.
E. M. P.: Tour ist ein gutes Stichwort. Ist eigentlich eine Europa-Tour in Planung?
M. H.: Wir werden schauen, daß wir sobald wie möglich auch eine Europa-Tour absolvieren werden, allerdings sind wir jetzt dann ab dem zweiten Oktober für acht Wochen gemeinsam mit TOOL auf Tour. Wir werden dann erst Anfang Dezember aus den Staaten zurückkehren und erst einmal ein paar Wochen Pause bis nach die Weihnachtsfeiertage einlegen, bevor wir wieder mit dem Proben des neuen Materials anfangen werden. Mit einer Europa-Tour sollte es dann so im März was werden.
E. M. P.: In Österreich habt ihr euch ja auch schon Ewigkeiten nicht mehr blicken lassen, ich glaub das letzte Mal wars im Frühjahr 1996, gemeinsam mit HYPOCRISY.
M. H.: So lang ist das schon her! Ich hoffe jedenfalls, dass wir es diesmal schaffen, auch nach Österreich zu kommen.
E. M. P.: Danke für das Interview!
E. M. P.