Michael Wagner (PLENTY SUFFERING)
PLENTY SUFFERING sind einer unserer österreichischen Hoffnungsträger im Bereich des Death/Black Metal und konnten mich mit ihrem Demo "Kill crush burn" absolut überzeugen. Daher kontaktierte ich die Band per Mail und jubelte ihnen ein paar Fragen unter, die mir Keyboarder Michael beantwortete.
A. P.: Ihr habt PLENTY SUFFERING 1997 gegründet. Erzählt mal, was sich seither getan hat bzw. ob es gravierende Veränderungen gegeben hat.
M. W.: Begonnen haben wir im April 1997 im (Jam-)Proberaum einer eher progressiven Rockband (die Jungs sind alle schon einen ganzen Zacken älter als wir) aus Markt Hartmannsdorf. Hier deshalb, weil Uli, Michi M. und ich in diesem Ort wohnen, es der einzig geeignete Raum war und wir uns mit den Jungs von SOL9 (so hieß die Band) gut verstanden haben. Wir haben im restlichen Frühjahr und Sommer bereits einige Songs zusammengestellt und freuten uns auf unseren ersten Auftritt im September 1997. Der fand in einem neugegründeten Club mit einigen lokalen Bands statt und verlief den Umständen und der Nervosität entsprechend. In den folgenden Monaten gab es mehrere Konzerte in der Umgebung (Oststeiermark), die ihren Höhepunkt in einem Supportgig der DARK FUNERAL-Tour fand. In der Zwischenzeit nahmen wir auch das erste Demo im Heimstudio unseres Freundes Fred Stengg auf. 1998-2000 haben wir jede Menge Gigs bzw. Sommerfestivals in der Steiermark, aber auch im Burgenland, Wien und OÖ absolviert. Darunter waren auch Shows mit einigen bekannteren Bands, wie AGATHODAIMON, EISREGEN, REBAELLIUN, DREAMS OF SANITY oder den FARMER BOYS. Und im Sommer 2000 haben wir dann das vorliegende Demo "Kill crush burn" aufgenommen. Im Herbst 1999 haben wir auch (nach mehreren erfolglosen Proberaumwechseln) unseren eigenen Proberaum eingerichtet, worüber wir natürlich sehr froh sind.
A. P.: Für mich wäre PLENTY SUFFERING eigentlich der Name einer typischen Death Metal-Band. Ihr mischt aber Death mit Black und Thrash Metal. Wie kam es zu dieser Mischung und was bedeutet der Bandname für euch?
M. W.: Der Bandname hat für uns keine tiefere Bedeutung. Er stammt aus den ersten Tagen unseres Bestehens. Wir haben nach einem Namen gesucht, der zu der "wilden" Musik, die wir schon damals vor hatten zu fabrizieren, passen würde. "Suffering" war dabei ein sehr naheliegender Begriff, der uns recht schnell als Teil des Bandnamens gefallen hat. Da "Suffering" alleine ein bißchen einfallslos war und es zu keinen Überschneidungen mit anderen Bands kommen sollte, suchten wir noch nach einem zweiten Begriff. Wie es dann letztendlich zu "Plenty" kam, kann ich nicht mehr genau sagen. Jedenfalls absolvierten wir unsere ersten Gigs unter diesem Namen und wollten ihn danach, da wir schon einen gewissen Bekanntheitsgrad in unserer Umgebung hatten, auch nicht mehr ändern. Unser Musikstil entwickelt sich eigentlich aus den vielen verschiedenen Metal-Variationen, die wir selbst gerne und in großem Maße hören. Wir verarbeiten auch einige Einflüsse aus dem, was wir selbst hören in unseren Songs, können aber mittlerweile sicherlich behaupten, unseren eigenen Stil gefunden zu haben. Eigentlich sind wir unserer Meinung nach eher der Death/Thrash-Ecke zuzuordnen. Der leichte Black Metal-Beigeschmack kommt sicher aus der zusätzlichen Verwendung von Keyboards und den Kreisch-Vocals unseres Sängers. Ansonsten haben wir aber mit Black Metal, auch wenn wir ihn selbst teilweise hören, eigentlich wenig am Hut.
A. P.: Erzählt uns bitte etwas über euer aktuelles Demo "Kill crush burn". Wo habt ihr es aufgenommen und wer ist bei euch fürs Songwriting verantwortlich bzw. ist es eher Teamwork?
M. W.: Aufgenommen haben wir das Demo mit einfachsten Mitteln in unserem Proberaum. Produzenten gab es auch keinen, die meisten technischen Einstellungen wurden von unserem Gitarristen Uli gemacht, der gelegentlich von Fred Stengg (wie schon erwähnt ein Freund von uns, der unser erstes Demo produziert hat) unterstützt wurde. Auch der Mix wurde von Uli auf einem normalen PC gemacht. Fürs Songwriting sind eigentlich alle verantwortlich, die Hauptbestandteile kommen aber sicherlich von den beiden Gitarristen Uli und Markus und von unserem Drummer Michi. Die vielen, sehr unterschiedlichen Drumparts gestalten das Ganze noch um einiges variabler. Die drei stellen meistens die Grundriffs und -melodien sowie die Songstruktur zusammen und die anderen orientieren sich dann, natürlich auch mit gegenseitiger Unterstützung, daran.
A. P.: Wovon handeln eure Texte und woher bezieht ihr die Inspiration für die Lyrics?
M. W.: Die Inspirationen kommen von Mario. Sie handeln in der Regel von Tod und Zerstörung, haben aber auf keinen Fall satanische oder politische Hintergründe. Meist sind es Kurzgeschichten, die sich in einer Phantasiewelt abspielen.
A. P.: Seid ihr mit der Produktion zufrieden? Meiner Ansicht nach ist das Demo wirklich gelungen.
M. W.: Eigentlich sind wir ziemlich stolz auf den bei unseren Aufnahmen erzielten Sound. Er kommt zwar mit High Tech Studio-Produkten nicht ganz mit, aber daß es im Proberaum aufgenommen wurde, hat uns nicht jeder geglaubt.
A. P.: Was bedeutet das Coverartwork und von wem stammt es?
M. W.: Bedeutung hat es eigentlich keine tiefere. Alex designed gerne mit seinem PC herum und dabei entstehen öfter solche Strukturen. Die vorliegende Struktur hat uns einfach besonders gut gefallen, und da wir nicht irgendein billiges Foto für unser Coverartwork verwenden wollten, haben wir uns eben dafür entschieden. Das Bandlogo stammt von Christopher Szpajdel, das Emblem in der Mitte des Covers von Alex.
A. P.: Wie waren die Reaktionen auf "Kill Crush Burn"? Habt ihr das Demo auch an Plattenfirmen geschickt und vielleicht schon Antworten erhalten?
M. W.: Die Reaktionen von Fans wie Magazinen waren eigentlich durchwegs positiv, oft sogar sehr gut. Verschickt haben wir es hauptsächlich an Magazine (sowohl Internet als auch Papier) im In- und Ausland. An Plattenfirmen wurden keine Kopien verschickt. Zuerst wollten wir eigentlich die Reaktionen der "Presse" abwarten, um unser Werk dann auch entsprechend beworben (mit Verweisen auf die Reviews) an Labels zu schicken. Mittlerweile ist es aber so, daß wir derzeit einfach zu wenig Zeit haben, uns mit dem Thema "Vertrag bei einem Label" wirklich auseinanderzusetzen. Die dabei entstehenden Zeitaufwendungen und auch Verpflichtungen sind meist nicht unerheblich. Derzeit (das kann sich natürlich bald wieder ändern) wollen wir deshalb eher keine aktive Labelpolitik betreiben und uns nicht energisch um einen Vertrag kümmern. Allerdings wären wir bei einem guten Angebot sicher nicht abgeneigt.
A. P.: Ihr habt ja schon mit einigen bekannten Bands Gigs gespielt. Wie ist es dazu gekommen?
M. W.: Wir zählen in unserer Umgebung, gemeinsam mit einigen befreundeten Bands, sicher zu den größeren und bekannteren Acts. Das erleichtert die Sache doch einigermaßen und die Veranstalter kommen auf uns zu. Nebenbei bringen wir auch immer eine Menge Freunde bzw. Fans mit, was klarerweise auch im Sinne der Veranstalter ist.
A. P.: Was war der bisher bedeutendste Gig für euch bzw. was war definitiv der mieseste Auftritt und warum?
M. W.: Der bedeutendste Gig? Eigentlich gibt es den nicht so wirklich. Erwähnen könnte man vielleicht unseren ersten großen Auftritt mit internationaler Beteiligung. Das war als Support von DARK FUNERAL, ENTHRONED und LIAR OF GOLGOTHA im Grazer Theatro Anfang 1998. Ansonsten haben fast alle Konzerte einen besonderen Stellenwert. Kommt immer darauf an, von welcher Seite man es sieht. Der mieseste Auftritt war (neben unserem Debüt) sicher das Desaster im Februar 2000 im OHO als Vorgruppe von REBAELLIUN. Dort ist wirklich alles passiert, was während eines Auftrittes nicht passieren sollte. Dementsprechend schlecht ist auch unser bisher einziges Livereview ausgefallen, das in einer eurer letztjährigen Ausgaben gestanden ist - Bitte nicht nachlesen!!!
A. P.: Glaubt ihr, daß es Bands aus Österreich schwerer haben als z.B. aus Deutschland oder natürlich Skandinavien und wenn ja, warum?
M. W.: Auf jeden Fall! Besonders Bands aus Skandinavien werden meist zuerst als "eine Band aus Schweden/Norwegen/ Finnland" und nicht nach ihrem Stil und ihrer Qualität angekündigt bzw. bewertet. Eine Band aus Österreich? Naja, was is des schon...
A. P.: Wie würdet ihr die momentane österreichische Szene beurteilen und seid ihr der Meinung, daß in Österreich jetzt wieder mehr Aufbruchsstimmung in Bezug auf Metal herrscht?
M. W.: Die österreichische Szene können wir nicht so genau beurteilen, die steirische Szene da schon eher. Bei uns in der grünen Mark läuft es derzeit wirklich gut in der Metal-Szene. Es gibt einige wirklich gute Acts, die es auch in größerem Stil zu etwas bringen könnten (u.a. DARKFALL, DESTINY, BLACK PROPHECY, AUTUMN CLAN, ASMODEUS). Nebenbei haben einige steirische Bands gemeinsam im letzten Herbst eine Vereinigung gegründet, die sich "Styrian Metal Club" (SMC) nennt. Diese Plattform soll es den dazugehörenden Bands ermöglichen, Erfahrungen auszutauschen oder gemeinsam Konzerte zu organisieren. Weiters ist eine eigene Homepage, www.styrianmetalclub.com im Aufbau und ein Sampler ist in Planung. Bei monatlichen gemeinsamen Treffen diskutieren wir die weitere Vorgangsweise und haben auch jede Menge Spaß dabei. Wie es im Rest von Österreich läuft, können wir nicht so genau beurteilen. Nach den Inhalten eures Forums zu schließen, scheint es aber zumindest in Vienna gröbere Ungereimtheiten zu geben.
A. P.: Wie steht ihr eigentlich zum Thema Politik und versucht ihr auch, in irgendeiner Form eine politische Message unters Volk zu bringen?
M. W.: Wie jeder von uns persönlich zur Politik steht, hat mit unserer musikalischen Tätigkeit nichts zu tun. Jedenfalls halten wir jegliche politische (und auch sonstige) Messages von unserer Musik fern. Wir versuchen eigentlich nur die Musik zu machen, die uns gefällt, den Fans gute Konzerte zu liefern und den Orthopäden dieses Landes zu mehr Reichtum zu verhelfen. (KULT-Statement - Anmerkung der Verfasserin)
A. P.: Woher bezieht ihr eure Inspiration für Texte bzw. Musik? Habt ihr irgendwelche Idole oder Lieblingsbands?
M. W.: Wie schon erwähnt, sind einige Einflüsse unserer Lieblingsbands auch in unserer Musik zu finden. Lieblingsbands gibt es viele und die Liste derer ändert sich aufgrund des großen Angebots auch ständig. Wobei jeder natürlich seine Alltime-Faves hat.
A. P.: Was macht ihr im alltäglichen Leben neben der Musik?
M. W.: Saufn! - Äh ja, das auch. Sonst sind wir mit unseren Berufen ziemlich eingedeckt. Alex, Uli und Michi W. arbeiten im EDV-Bereich (leider viel zuviel), Markus ist beruflich ständig im Ausland unterwegs, Michi M. derzeit Student und Mario darf unserem Staat ein Jahr lang hilfreich zur Seite stehen. Daß dabei leider viel zu wenig Zeit für die Musik und fürs Proben bleibt, ist traurig, aber wahr. Die Frage sollte also eher lauten "Wann macht ihr neben dem alltäglichen Leben Musik?"
A. P.: Wie schauen eure nächsten Pläne aus und was darf man in Zukunft von euch erwarten?
M. W.: Für 2001 erhoffen wir uns ein paar weitere Auftritte und vor allem, daß wir trotz des derzeit herrschenden beruflichen Streß noch ein bißchen zum Proben und Songschreiben kommen (derzeit kaum möglich). Nebenbei sind wir gerade dabei, eine Homepage zu machen - was aber noch einige Zeit dauern kann - und uns im SMC zu engagieren.
Riesendank für das ausführliche Interview von meiner Seite und ich kann Euch nur raten, so schnell wie möglich einem Liveauftritt von PLENTY SUFFERING Eure Aufmerksamkeit zu widmen, die Jungs verstehen ihr Handwerk und die Songs sind ein Ohrenschmaus! - A. P.