Richard Krenmaier (STYGMA IV)
STYGMA IV sind meiner Meinung nach schon seit dem Release ihres 2. Albums "Solum mente infirmis" Österreichs beste Metal-Band und anläßlich des neuesten Streiches "Phobia" nahm ich Kontakt mit Österreichs bestem Metal-Sänger Ritchie Krenmaier auf und unterhielt mich am Telefon eine gute Stunde mit ihm über STYGMA IV, Gott und die Welt.
J. S.: Kannst du mir als erstes sagen, wieso ihr schon wieder euren Namen habt ändern müssen?
R. K.: (stöhnt) Ojeojeoje... Die deutsche Band namens STIGMATA (Die Combo eines gewissen Kai Hawaii - Anm. d. Verf.) hat uns erneut geklagt, da ihr der Wechsel von STIGMATA auf STIGMATA IV nicht gereicht hat. Wir haben der Plattenfirma zwar damals gesagt, daß wir unseren Namen nur ändern würden, wenn es dann auch keine Probleme mehr geben würde. Aber die haben sich da offensichtlich nicht wirklich gut erkundigt...
J. S.: Und glaubst du, daß es jetzt dabei bleibt?
R. K.: (lange Pause) Ich hoffe es halt. Wir haben uns jetzt im Internet schlaugemacht, aber wir sind nur auf einen Konzern namens "Stygma" gestoßen, der ist in der HiFi-Branche tätig und mit dem haben wir uns auch in Verbindung gesetzt, aber nie eine Antwort erhalten. Und in dieser Sache ist eine Frist von einer Woche gegeben und eine Überschreitung als Einverständnis zu werten. Ja, und sonst hat sich bis jetzt noch niemand gemeldet. Ein deutscher Journalist, einer der ersten, der uns für "Phobia" interviewt hat, meinte zu mir, ob wir dann beim nächsten Album nur mehr "STYGY" heißen. (lacht) Eigentlich könnten wir uns fürs "Guiness Buch" anmelden, 4 verschiedene Alben unter 4 verschiedenen Bandnamen...
J. S.: Wie war denn die Stimmung bei euch wegen dieser erneuten Namensänderung?
R. K.: Na extrem klass natürlich! Wir haben aufgrunddessen von Modern Music die Europatour mit STRATOVARIUS nicht finanziert bekommen, die wir hätten spielen können. Statt uns haben dann SONATA ARCTICA gespielt. Die Tour war übrigens in ganz Europa "sold out"...
J. S.: Und wie hat sich das dann mit eurem neuen Label, Rising Sun, ergeben?
R. K.: Naja, Modern Music haben zu uns gemeint, wir sollen uns ein neues Label suchen, welches die Vorschüsse, die wir bekommen haben, zahlt. Da hat sich natürlich niemand gemeldet, außer Rising Sun. Deren Chef war höchst interessiert, konnte sich das aber nicht leisten, da er unlängst mit CRIMSON GLORY Verluste gemacht hat. Dann änderten Modern Music aber doch ihre Meinung und haben uns quasi den Vorschuß "geschenkt". Daraufhin haben wir uns sofort für Rising Sun entschieden, denn die mögen unsere Musik wirklich und haben uns einen fairen Deal angeboten. Außerdem sind wir dort nicht Nr. 15 oder so, sondern im Top-Segment dabei.
J. S.: Ok, dann laß uns über "Phobia" reden - ist es ein Konzeptalbum?
R. K.: Ja! Aber nicht im herkömmlichen Sinn, denn es haben nicht alle Tracks mit dem Thema zu tun.
J. S.: Du meinst die 3 Coverversions?
R. K.: Naja, "22 arcacia avenue" ist nur ein Bonustrack und "Gethsemane" kann man schon dazuzählen, denn da geht es ja um die Angst Jesu vor dem Tod am Kreuz. Das ist so ziemlich die verzweifeltste Nummer vom ganzen Musical.
J. S.: Und um welche Ängste dreht es sich?
R. K.: "Isolation" handelt von unserer schnellen und multimedialen Gesellschaft, wo immer mehr gearbeitet und Geld ausgegeben wird, wo der Kontakt untereinander immer mehr abnimmt - ich meine jetzt nicht den über Internet, sondern wo man sich in die Augen schaut, sich also dabei sieht. Ich finde, daß die Menschen dadurch isoliert und leichter steuerbar werden. In "Inhumanity" gehts darum, daß wir am Abend daheim am Sofa sitzen, uns die Nachrichten ansehen, wo Menschen sterben, wos um Krieg und Folterungen geht, uns danach ins Bett legen und das am nächsten Morgen schon wieder vergessen haben. Wir wollen diese Dinge eigentlich nicht sehen, aber wenn wir sie sehen, sind sie uns wurscht. "Dying" ist einer der persönlichsten Texte, darin geht es um die Verzweiflung über die immer gewalttätiger und kälter werdende Welt, die Angst vor körperlichen Schmerzen usw. In "Gethsemane" dreht es sich wie gesagt um Jesus, der erfährt, daß er für die Menschen sterben muß und sich nicht wirklich damit abfinden kann. "Ricochet" ist ein Eigenerlebnis; ich habe früher immer geträumt, daß ich falle und aufschlage - dann bin ich immer am Boden aufgewacht und war ziemlich fertig. Irgendwann hab ich eine wissenschaftliche Sendung gesehen, wo gesagt wurde, daß "Fall-Träume" beeinflußbar sind, das habe ich dann ausprobiert und es hat funktioniert. Ich bin dann immer geflogen statt gefallen. (lacht) Die Angst vorm Fallen war damit also weg. In "Madness" geht es um einen Typen, der vor lauter Streß durchdreht. "Fool IV" ist der letzte Teil der "Fool"-Geschichte und bei "Pain" gehts ums Altern, daß wir alle eigentlich ziemlich vergänglich und kurzlebig sind.
J. S.: Was hat euch zu dieser Thematik inspiriert?
R. K.: Wir schreiben immer erst die Musik und ich schreibe dann die Texte dazu. Meine Ex-Freundin ist damals überfallen worden und das hat mir sozusagen einiges zum Auflösen gegeben. Ich hab damals sogar kurzfristig überlegt, ob ich überhaupt noch weiter Musikmachen soll. Das ganze ist dann aber halbwegs glimpflich ausgegangen, soweit man bei sowas von "glimpflich" sprechen kann. Und das war der Anstoß, der mir dann die textliche Richtung vorgegeben hat.
J. S.: Wieso habt ihr gleich 3 Coverversionen aufgenommen?
R. K.: Naja, die "Jesus Christ"-Sachen sehen wir selbst nicht wirklich als Coverversionen. Das war eine ziemlich komplexe und schwierige Angelegenheit und wir sehen das eher als Interpretation, mit unseren Möglichkeiten umgesetzt. Dabei hätten wir den Song problemlos noch härter einspielen können, doch wir wollten, daß auch Leute, die sonst nichts mit Metal am Hut haben, damit was anfangen können. Wir mußten übrigens leider feststellen, daß kaum jemand aus dem Metal-Bereich mit dem Musical vertraut ist - auch nicht die Journalisten, die so in meinem Alter sind; vielleicht waren die damals zu jung oder grad SLAYER-Fans, was weiß ich...
J. S.: Da muß ich zugeben, daß ich das Musical auch nicht kenne...
R. K.: Wenns dich interessiert, schau dir zuerst den alten Film an!
J. S.: Ich könnte mir aber vorstellen, daß ihr damit einige Leute dazu bringt, sich damit zu beschäftigen.
R. K.: Hoffentlich! Schau dir mal SAVATAGE an, die sind sicher davon beeinflußt und es tauchen auch immer wieder Riffs auf, die aus dem Musical stammen. Es ist sicherlich ein sehr einflußgebendes Werk und meiner Meinung nach die beste Arbeit von Webber. Es ist irgendwie arg, daß das bis heute nicht remastered und als Video oder DVD veröffentlicht wurde, denn der Sound ist stellenweise im argen Bereich.
J. S.: Also, mir ist es schon einige Male passiert, daß ich eine CD gehört habe, die durch ein Musical, eine Sage oder ähnliches inspiriert wurde und ich mir dann das Buch gekauft oder den Film angesehen habe.
R. K.: Das ist auch gut so! Wie gesagt, "Jesus Christ Superstar" ist wirklich sehenswert. Ich hab das damals schon in der Schule gesehen, dann bei meiner Mutter, es hat mir schon immer gefallen und ich wollte schon immer was in die Richtung machen. Eigentlich wollte ich das schon auf der "Solum mente infirmis" haben, aber es hat sich halt erst jetzt ergeben. Ich hab einmal gehört, daß Jon Schaffer und Hansi Kürsch den "Jesus Christ" interpretieren wollen, und da haben wir uns gedacht, wir machen das jetzt, denn dann müssen die uns das erst einmal nachmachen. (lacht) Und wie gesagt, wir wollten unsere Version gar nicht so auf "Metal" machen. Die Songs werden eigentlich vom Bass getragen.
J. S.: Wäre es nicht reizvoll für euch, gleich das ganze Musical zu "covern"?
R. K.: Das ist schwierig, weil darin soviele Rollen enthalten sind. Jesus, Judas, Maria Magdalena, die sehr wichtig ist... Das heißt, man braucht Leute, die gesangstechnisch in der Lage sind, diese Rollen entsprechend umzusetzen. Das Stück wird eigentlich jedes Jahr neu aufgeführt und es gibt bis jetzt keine Version, die von den Stimmen her an den Film herankommt. Das liegt daran, daß im Film unglaublich gute Leute singen - die seltsamerweise fast alle in der Versenkung verschwunden sind und von denen man nichts mehr gehört hat. Ach ja, Ian Gillan hat in London auch einmal den Jesus in "Jesus Christ Superstar" gesungen, bevor er DEEP PURPLE gemacht hat. Wenn du dir beide Versionen anhörst, wirst du einen gewaltigen Unterschied bemerken. Die Theateraufführung ist vom Sound her besser, aber Gillan hat den Jesus etwas zu suderantenhaft angelegt. (lacht) Das Musical ist auf jeden Fall musikalisch sehr wertvoll.
J. S.: Und wieso habt ihr gerade "22 arcacia avenue" gecovert?
R. K.: Aus ganz logischen Gründen. Erstens haben MAIDEN das Stück seit 1984 nicht mehr live gespielt und zweitens ist es ein Song, der auf "Number of the beast" irgendwie nie entsprechend gewürdigt wurde. Wir haben die Nummer auch schon in Griechenland gespielt, denn dort ist es immer lässig, als Opener einen Coversong zu haben. Bei der ersten Tour war das übrigens "Heaven and hell" von BLACK SABBATH und auf der zweiten eben "22 arcacia avenue". Ja, und der zweite ist, daß uns ein italienischer Journalist gesagt hat, daß wir den Song unbedingt draufpacken sollen, denn dann verkauft sich die Scheibe in Italien sicher gut, denn die Italiener sind die größten MAIDEN-Fans überhaupt. Und so haben wirs halt draufgetan. (lacht) Wir waren uns zuerst nicht sicher, aber es wäre schade drum gewesen, denn durch die zweite Stimme, die Keyboards und die Gitarrenstimmung ist es eine ganz nette Interpretation geworden, finde ich.
J. S.: Ich finde, das Stück ist ein recht interessanter Gegensatz zum restlichen Album, weil die Gitarre viel mehr im Vordergrund steht.
R. K.: Das stimmt. Das ist ja einer der Hauptkritikpunkte der Journalisten...
J. S.: Womit wir beim Sound wären...
R. K.: Richtig...
J. S.: Ihr seid ja damit ganz zufrieden, was man so lesen konnte...
R. K.: Zufrieden... Es ist bei einer Band wie uns so, daß man immer auf der Suche ist. Noch dazu verfügen wir über einen der besten Bassisten im Metal überhaupt und der will natürlich auch, daß man ihn hört. Auf der "Court..." hatten wir eine typische Metal-Produktion mit brüllend lauten Gitarren - und der Bass ist weg. Das Problem ist jetzt, daß der Bass bei uns eigentlich den Sound bestimmt und die Suche nach dem Bass hat dazu geführt, daß die Produktion so transparent geworden ist. Man kann eigentlich über das ganze Album hinweg jedes Instrument verfolgen. Und das ist uns wichtig, denn das war bei den alten Klassikern von MAIDEN oder SABBATH genauso, da ist der Druck dann gekommen, wenn man die Anlage ein wenig aufgedreht hat. Und denselben Effekt gibts bei "Phobia" - z.B. im Auto bei extremer Lautstärke wirkt das Album sogar extrem hart. Und das ist ein wenig mißverstanden worden, z.B. das Rock Hard hat von einer "Billigproduktion" geschrieben, was ich etwas unfair finde, denn wenn man sich oft anhört, was die "Platte des Monats" für einen Sound hat... Wir wollten einfach, daß das Album zeitlos klingt, wie wir überhaupt generell versuchen, zeitlos zu klingen. Wir haben halt einen Tick für diese alten Sachen, MAIDEN, SABBATH, DIO und wir wollten, daß man alle Instrumente hört. Es stimmt schon, die Gitarren waren auf der "Court..." lauter und deswegen wirkt "Phobia" kommerzieller. Es ist ein extrem schmaler Grat, auf dem man sich da bewegt, aber irgendwo muß man dann eine Entscheidung treffen. Ich finde halt, auf einer CD muß man alles hören können, was gespielt wird und der Sound ist dann Geschmackssache.
J. S.: Also, ich persönlich finde nicht, daß es "kommerzieller" klingt, sondern eher, daß ihr dadurch ein bißchen in die Prog Rock-Richtung abgedriftet seid, alte RUSH und so.
R. K.: Ja, das ist ein sehr großer Einfluß der anderen drei Mitglieder, die drehen völlig durch deswegen. Und das war schon so, bevor wir uns kannten - das heißt, ich hab RUSH eigentlich erst durch sie kennengelernt. (lacht) Also das mag durchaus sein! Auf der "Big heat" waren wir teilweise auch sehr RUSH-ig unterwegs. Wir wollten eigentlich ein Album für den Power Metal-Fan machen, aber es freut mich, wenn wer die RUSH-Einflüsse heraushört. Ich hab also nichts dagegen, wenn du uns RUSH vorwirfst, da wehre ich mich nicht. (lacht)
J. S.: Und jetzt wieder eine "Supa-Frage", wo siehst du die Unterschiede zwischen "Phobia" und den Vorgängern?
R. K.: Das ist keine "Supa-Frage", das ist gar nicht schlecht. "Phobia" ist der Stand der Band vor ungefähr einem Jahr, mehr als einem Jahr sogar. Und wir wollen immer den aktuellen Stand der Band auf die jeweilige CD bringen - kompositorisch, musikalisch, produktionstechnisch. Und es ist sicher so, daß die "Solum..." das progressivste Album war, das wir jemals gemacht haben. Wir haben dann auf der Tour mit VIRGIN STEELE bemerkt, daß die Fanreaktionen bei den straighteren Sachen besser waren, da können sie besser mitgehen. Daraufhin haben wir "Court..." gemacht, was meiner Meinung nach ein lupenreines Metal-Album ist, welches ziemlich hart ist. Und mangels Tourresonanz hat sich "Phobia" ergeben. Außerdem geht das bei uns nicht so leicht wie bei anderen Bands, daß wir zweimal das gleiche Album machen. Es war einfach ein weiterer Schritt, das Power Metal-Publikum zu erreichen, denn dadurch, daß wir doch eine relativ eigenständige Band sind, haben wir eine ziemlich versprengte Klientel, STYGMA IV-Fans sitzen quasi in allen Lagern. Ja, der Unterschied ist auch, daß es songorientierter und etwas weniger progressiv wie die "Court..." ist. Wie gesagt, es war einfach nur ein weiterer Schritt - der große Schritt steht euch ja noch bevor. (lacht) Wir sind gerade dabei, ihn zu machen.
J. S.: Ah ja, das wäre dann eigentlich die Abschlußfrage gewesen...
R. K.: Ok, dann machen wir das zum Schluß.
J. S.: Was mich schon immer interessiert hat - wer von euch spielt denn die Keyboards ein?
R. K.: Das macht der Günter, unser Gitarrist. Früher hat das die Freundin von unserem Bassisten Ali gemacht, aber da sie jetzt nicht mehr seine Freundin ist... (lacht) Wir wissen noch nicht, wer das auf der nächsten CD machen wird. Es sind programmierte Keys, die haben wir auch live dabei. Die Piano-Sachen werden von einem Klavierspieler gespielt, weil das einfach runder klingt.
J. S.: Wieso nehmt ihr euch eigentlich keinen fixen Keyboarder? Das hat mich schon immer gewundert...
R. K.: Ja, das hat mich auch gewundert... Das Problem ist, das was wir an Keyboards haben, ist einem Keyboarder zuwenig. Denn die meisten wollen ja dann auch solieren. Bei uns sind die Keys eher atmosphärisch, sie legen gewissermaßen einen Teppich; einen Song, von dem ich sagen könnte, die Keys stünden im Vordergrund, haben wir gar nicht.
J. S.: Verstehe... Aber wer weiß, wie das dann mit einem fixen Keyboarder klingen würde?
R. K.: Schlechter. Ein Keyboarder kann nur schlechter als ein Sequenzer sein. Bei uns müssen alle nach den Keys spielen, die von unserem Schlagzeuger per Sequenzer abgerufen werden. Also keine Samples, wie bei anderen Bands.
J. S.: Achsooo, und ich dachte immer, das wären Samples...
R. K.: Nein, das wär ja einfach, ein Knopfdruck, und die Samples fahren ab. Bei uns funktioniert das mit Klick. Deswegen gibts bei uns auch keine Timingschwankungen.
J. S.: Und deswegen hat der Herb Kopfhörer auf...
R. K.: Ganz genau. Damit er den Klick hört. Er hat auch alles andere drauf, Gitarre, Bass - bis auf den Gesang, den will er nicht. (lacht) Das heißt, er braucht keine Monitore, was auch kein Nachteil ist. Es ist also eher schwieriger, mit Sequenzer zu arbeiten als mit Samples. Denn wenn man dabei das Timing nicht halten kann, ist die Musik woanders wie das Keyboard und das wird dann extremst peinlich...
J. S.: Wessen Idee war das Cover? Es erinnert mich übrigens etwas an "Shining".
R. K.: Du bist schon der Vierte... Ja, das Cover haben wir selber gemacht, also meine jetzige Freundin hat das fotografiert. Wir hatten vorher einige andere Sachen, die aber mehr in die Gothic-Abteilung gingen und die sich mit dem Thema "Tod" befaßten. Das war der Plattenfirma aber alles zu "doomig". Wir waren schon am Verzweifeln, aber dann ist bei der Fotosession fürs Album, die bei einer Fabrik in der Nähe von Braunau stattfand, auch ein Foto entstanden, wo ich mich als Kasperl in einen Stahlkäfig gestellt habe. (lacht) Eigentlich wollte ich nicht am Cover sein, aber da das Foto allen extrem gut gefallen hat, hab ich mich halt überreden lassen... Gekostet hats auch nichts, denn das Foto haben wir ja selber gemacht.
J. S.: Wie schauts mit dem Touren aus?
R. K.: Ganz schlecht. "Phobia" ist für uns eigentlich nur ein "Comeback-Album". Wir spielen nur das Wacken Open Air und freuen uns, daß wir auf die Hauptbühne dürfen, nachdem es zuerst hieß, wir würden im Zelt spielen.
J. S.: Naja, die Stimmung wäre aber wahrscheinlich im Zelt besser...
R. K.: Es geht da weniger um die Stimmung, denn wenn man nur eine Show spielt, sollte man schauen, daß man soviele Leute wie möglich erreicht. Wir haben außerdem das Glück, daß die Tontechniker, die uns schon auf der VIRGIN STEELE-Tour so gut betreut haben, beide dort sind und wir dadurch wahrscheinlich einen guten Sound haben werden. Und das ist toll, denn normalerweise hauts mit dem Sound auf Festivals nicht so hin, wenn man von einem Fremden gemischt wird. Und bei uns ist das zudem noch eine sehr komplexe Gschicht.
J. S.: Hättet ihr nicht schon einmal in Wacken spielen sollen?
R. K.: Ja, aber das haben wir absagen müssen, weil sich unser Drummer operieren lassen mußte. Er hat schon die ganze VIRGIN STEELE-Tour mit gerissenem Meniskus gespielt, den er sich 2 Tage vor der Tour gerissen hat. Und da hilft nicht einmal mehr die moderne Medizin... Das arge ist, daß wir mit einigen Fans geredet haben, die rauffahren wollten, weil endlich eine einheimische Band spielt und dann mußte ich ihnen sagen, daß wir leider absagen mußten.
J. S.: Was war denn eigentlich eure beste Tour?
R. K.: Die lange. Obwohl von der Behandlung her sind Sachen mit zwei Bands natürlich lockerer. Mit STRATOVARIUS wars super, mit BLIND GUARDIAN... Es war auch am Schluß mit VIRGIN STEELE super, am Anfang wars halt etwas schwierig, bis wir uns behauptet hatten.
J. S.: Ja, ich hab da einiges gehört, daß ihr keinen Soundcheck bekommen habt und daß ihr überhaupt schlecht behandelt worden seid.
R. K.: Ja, aber wir haben es ihnen meistens eh zurückgezahlt, indem wir den besten Sound hatten. Der Tontechniker, den die mithatten, war nämlich eine Vollpfeife. (lacht) Wie gesagt, am Schluß wars echt lässig. David DeFeis hat mir gesagt, daß sie noch nie einen Support hatten, der es ihnen so schwergemacht hat. Und ich denke, das ist ein Kompliment. Und für uns als Band war das extrem wichtig, denn wenn man 6 Wochen auf Tour ist, weiß man, ob man es miteinander aushält oder nicht. Und es hat funktioniert! Das war zwar sonst kein gutes Jahr, aber vorbei ist vorbei, die neue CD ist heraußen und das ist das wichtigste. Die Resonanzen sind auch gut bis sehr gut - was will man mehr?
J. S.: Wie hat es sich ergeben, daß du auf dem letzten DEMOLITION-Album bei "Scared" mitgesungen hast?
R. K.: Wir haben einmal in Markt Allhau gespielt, 1999 war das, und DEMOLITION haben dort auch gespielt. Ja, und ich hab ein paar Biere und sonstiges konsumiert, war äh ein wenig angeheitert und wie mich der Thomas (Pippersteiner, Gitarrist - Anm. d. Verf.) gefragt habe, ob ich nicht einmal was mit ihnen machen wolle, hab ich natürlich ja gesagt - weißt eh, wie das ist. (lacht) Ja, und plötzlich ruft er mich an... Und da ich ein Mensch bin, der tut, was er gesagt hat, hab ich die Nummer eingesungen.
J. S.: Ich finde, das Ganze ist sehr gut geworden, überhaupt der Kontrast zwischen euren Stimmen.
R. K.: Ja, ich finde auch, daß es gut geworden ist und DEMOLITION sind auch zufrieden, das ist das wichtigste. Vor allem kann ich mich damit identifizieren, denn ich komme eigentlich aus der Richtung.
J. S.: Habt ihr eigentlich vor, mal einen Gig gemeinsam zu spielen?
R. K.: Vorhaben schon, aber du weißt ja, wie das in Österreich so ist... Zu einem österreichischen Package kommt heutzutage doch keine Sau. Wie der Günter noch bei U8 war, konnten die auf Headlinertour gehen und hatten 200 Leute pro Abend. Ich weiß nicht, ob das konkret ist, aber ich habe gehört, daß es eine NO BROS-Reunion geben soll und da MÜSSEN wir natürlich mitspielen. (lacht) Bei so einer Tour als Opener könnten wir endlich einmal den österreichischen Markt abdecken. Wobei wir mit Österreich eigentlich eh schon abgeschlossen haben. Hier ist es leider so, daß man zuerst in Deutschland oder so erfolgreich sein muß, daß man beachtet wird. Aber taugen würds uns schon, wenn wirs zuerst in Österreich schaffen würden. Aber das wirds nicht spielen - wir hängen hier bei 400 - 500 verkaufte Einheiten. Und das halte ich für eine Frechheit, denn soviel haben wir in Frankreich ohne Label und ohne Werbung verkauft.
J. S.: Du spielst ja auch in einer Coverband, kannst du mir darüber was erzählen?
R. K.: Wir spielen z.B. diese Woche dreimal; Innsbruck, Kitzbühel und Wels - in der Boschhalle, was ich mit STYGMA IV wahrscheinlich nie schaffen werde. (lacht) Die Band heißt DELLA STREET, so heißt die Sekretärin vom Perry Mason, falls du dich wunderst, was das heißt. (lacht) Das war die Idee unseres Gitarristen. Wir haben auch eine Homepage, www.della-street.com, genauso, wie es von STYGMA IV auch eine gibt, www.stygmaiv.com.
J. S.: Und welche Richtung spielt ihr?
R. K.: Rock, Funk, Soul.
J. S.: Nix Metal?
R. K.: Ja, schon auch, wir spielen z.B. von MAIDEN "Number of the beast" und "Wasted years", von DEEP PURPLE spielen wir was,... Es geht also von ABBA bis MAIDEN, kann man sagen.
J. S.: Spielen da irgendwelche bekannten Leute mit? Oder die man kennen sollte?
R. K.: Vielleicht sagt dir unser Drummer Viktor Ivanowitsch was, der spielt auch bei EVENFALL. Melis Cakic, unser Bassist, hat die letzte EVENFALL eingespielt. Und unser Gitarrist, Michael Hackl, hat vorher bei MIND GALLERY gespielt. Also alles altgediente Rocker. (lacht) Wir spielen relativ viel und von dem lebe ich, mehr oder weniger.
J. S.: Gibts von DELLA STREET auch CDs?
R. K.: Ja, wir wollen einen Live-Mitschnitt rausbringen, den es dann auch über Internet und auf den Konzerten zum kaufen geben wird. Denn die Veranstalter, die uns nicht kennen, wollen eine CD haben.
J. S.: Ok, und von was leben die vier STYGMA IV-Musiker?
R. K.: Ich bin bei der Post, noch bei der Post, denn dieses Kapitel wird wahrscheinlich bald beendet sein; der Günter ist Gitarrenlehrer, der Herb ist Taxler und der Ali... Der lebt von der Hand in den Mund, Gelegenheitsjobs usw.
J. S.: Ihr spielt ja jetzt schon über 7 Jahre in derselben Besetzung...
R. K.: ...die anderen spielen eigentlich ohne mich schon 11 Jahre in derselben Besetzung.
J. S.: Aha - woran glaubst du, liegt es, daß das in diesem relativ kurzlebigen Business so lange hält?
R. K.: Ich glaube, weil wir nicht mehr die Jüngsten sind, da halten sich z.B. Egoprobleme eher in Grenzen. Und zum anderen, weil wir nicht aufeinanderpicken, wie das viele junge Bands tun. Nicht zuletzt wegen der räumlichen Distanz, ich bin ja aus Wels und die anderen 3 aus Salzburg. Wenn wir uns treffen, dann meist nur zum Arbeiten, gearbeitet wird je nach Bedarf und dann setze ich mich ins Auto! Privat sehen wir uns auch nur hin und wieder, also nicht jedes Wochenende. Bei uns hat auch jeder seine Aufgabe in der Band, jeder ist gleich wichtig. Jeder Besetzungswechsel würde bei uns quasi die Musik verändern. Wenn wir den Drummer austauschen würden, würden wir anders klingen, beim Bassisten und beim Gitarristen wärs noch ärger und beim Sänger wärs ganz aus. )lacht). Eigentlich ist bei uns jeder unersetzbar. Und ich glaube, daß die drei anderen die besten Leute sind, die es in Österreich im Metal-Bereich gibt.
J. S.: Ok, nun die letzte Frage - was können wir in Zukunft von euch erwarten?
R. K.: Viel. (lacht) 13 oder 14 Songs sind schon fertig, darunter ein 16-Minüter namens "The sacred man", auf den wir besonders stolz sind. Diesmal covern wir kein Musical, diesmal haben wir quasi selber eins gemacht, ein kleines sozusagen. Ich bin extremst happy mit dem Material, es wird wahrscheinlich eine Mischung aus der "Court..." und der "Solum..." werden.
J. S.: Also wieder härter?
R. K.: Naja, du kannst dir vorstellen, daß die Kritik am Sound den Günter sehr getroffen hat und die Gitarren werden diesmal wieder krachen. Überhaupt wird es eine sehr bombastische Produktion werden, denn anscheinend muß man alles extremst plakativ aufblasen, bis es die Leute in gewissen Nationen kapieren. (lacht) Wir werden ziemlich viel daheim aufnehmen, nur das Mischen und das Schlagzeug werden wir im Studio erledigen. Es wird teilweise wieder progressiver werden und die letzten Nummern, die wir geschrieben haben, werden wieder härter. Und da es ja angeblich schon möglich ist, 80 Minuten auf eine CD zu pressen, wird es ein langes Album werden, sicher über 70 Minuten.
J. S.: Und wann wird das Ganze erscheinen?
R. K.: Schätzungsweise im Frühjahr, im November wirds fertig sein. Wir haben übrigens schon mit der Plattenfirma abgeklärt, daß wir für dieses Album eine Tour brauchen. In der Zwischenzeit wirds auf unserer Homepage jedes Monat einen unveröffentlichten Song als MP3 geben, das sollte ein ganz guter Anreiz für die Fans sein, hinzuschauen. Denn ich glaube nicht, daß das viele Bands machen und sowas erzeugt eine gewisse Bindung. Außerdem ist es um die Songs schade, z.B. "Terror" hätte auch ganz gut auf "Phobia" gepaßt. Und die Fans können sich das dann brennen, wenn sie 10 Songs oder so zusammenhaben, das sollte dann eine ganz nette CD ergeben. Wir haben Demo-Sachen, wir haben von der "Solum..." noch vier extrem lange Bonus-Tracks - denn das wäre eigentlich eine Doppel-CD geworden -, Live-Sachen in einer guten Bootleg-Qualität, aber trotzdem hörbar; uns wird das Material bis zum nächsten Release sicher nicht ausgehen.
J. S.: Das halte ich für eine tolle Aktion! Vielen Dank für das Interview! - J. S.