Freddie Eugene (TERRA FIRMA)
Die vier Schweden von TERRA FIRMA veröffentlichen ihre zweite Platte "Harms way". Gitarrist und Songwriter Freddie Eugene soll am Telefon sein Werk promoten. In diesem Job etwas unerfahren, taut er erst im Laufe des Gespräches auf. Welche Musik machen die eigentlich? Lest selbst.
D. D. J.: Was habt ihr nach Veröffentlichung eures Debuts die letzten drei Jahre so gemacht?
F. E.: Wir waren zwei Mal auf Europa-Tour, wo wir 99 mit CATHEDRAL auch in Wien spielten. Irgendwann hatten wir das sinnlose Herumsitzen und darauf warten, ob uns eine Tour angeboten wird satt und wir fingen an, neues Material zu schreiben. Dazwischen nahmen wir zwei Cover-Versionen auf, eine von JETHRO TULL auf der 7 Inch-Picture Disc, "Spiral guru", und einen Song von MOTÖRHEAD für einen Tribute-Sampler.
D. D. J.: Du schreibst zusammen mit dem Bassisten Nico Moosebach alle Songs.
F. E.: Das meiste entsteht bei mir zu Hause und im Proberaum fügt Nico eventuell Ideen dazu. Sänger Lord Chritus (zeitweiliger ST. VITUS-Frontman) ist für die Lyrics zuständig. Ich finde seine Texte genial, man muß sie öfters lesen, um sie verstehen zu können, denn jedes Mal wirst du neue Feinheiten entdecken. Er macht sich wirklich Gedanken und nimmt sich sehr viel Zeit, um Überdurchschnittliches zu Papier zu bringen. Ich freu mich auf den Tag, an dem er ein Buch schreiben wird.
D. D. J.: Wie sind die Reaktionen auf "Harms way"?
F. E.: Nur positiv, keine Beschwerden bis jetzt. Im Metal Hammer landeten wir im Mai auf Platz vier. Dieses Mal hatten wir genügend Zeit zum Aufnehmen und wir machten alles selbst nach eigenen Vorstellungen, was natürlich viel befriedigender ist. Wir schrieben die Songs "Threefivenine" und "Open season" sogar erst im Studio. Beim ersten Album rannten dauernd viele Leute herum und mischten sich in alles ein. Nico ist ein sehr guter Engineer und half bei den Aufnahmen der beiden letzten ENTOMBED-Scheiben.
D. D. J.: Arbeitest du gern im Studio?
F. E.: Nein, überhaupt nicht. Obwohl es diesmal richtig Spaß machte, weil wir viele neue Dinge ausprobierten. Wir nahmen nicht nur Instrumente auf, auch Geräusche, wo ich nicht einmal die englische Übersetzung dafür weiß. Wenn du das Album aufmerksam durchhörst, wirst du verschiedenste Sounds im Hintergrund hören, aber keine Syntheziser.
D. D. J.: Die Platte beginnt ungewöhnlich mit dem tollen Instrumental "Freebassing", das auch ein überlanges Intro sein könnte.
F. E.: Wir wollen uns von anderen Bands unterscheiden, obwohl es ein Risiko ist, weil viele bei einer neuen Scheibe grad mal die erste Nummer hören, aber fuck them, wir schreiben keine Hitmusik.
D. D. J.: Ihr habt eurer Werk wieder selbst produziert.
F. E.: Ja, diesmal waren wir wirklich die Produzenten, am Debut steht es nur so dort, weil eben, wie gesagt, zu viele Menschen sich wichtig machen wollten, und der Einfachheit halber haben wir den Bandnamen hingeschrieben.
D. D. J.: TERRA FIRMA kommt aus dem Lateinischen und bedeutet?
F. E.: Fester Boden. Wenn du zum Beispiel im Flugzeug sitzt, hast du keinen festen Boden unter den Füßen, erst wieder nach der Landung kannst du auf hartem Grund gehen. Oder beim Schwimmen sind die Beine auch frei, wenn du an Land kommst, hast du wieder "terra firma" unter deinen Sohlen.
D. D. J.: Was macht dich kreativ?
F. E.: Weiß nicht, die Riffs entstehen einfach in meinem Kopf, wann immer und wo auch immer, das kann ich nicht beeinflussen. Früher war ich faul, aber seitdem ich einen Computer und gute Aufnahmegeräte für meine Gitarre habe, arbeite ich viel konzentrierter. Ich spiele nebenbei auch in einer Punk- und Death Metal-Band.
D. D. J.: Welche Musik hörst du privat?
F. E.: Nur Heavy Metal: IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, BLACK SABBATH, RUSH, SLAYER, bißchen Todesmetall, echten Punk wie die SEX PISTOLS, GBH und so, ich höre sogar manchmal Jazz, wenn er fetzig rüberkommt.
D. D. J.: Hast du musikalische Idole und wer brachte dich dazu, Gitarre zu spielen?
F. E.: Die erste Band, die ich bewußt in den späten Siebzigern hörte, waren KISS. Als 1983 METALLICAs "Kill `em all" rauskam, die erste SLAYER und EXODUS, da war ich gerade zwölf Jahre alt und von da an wollte ich diese Art Musik spielen. Ein großes Vorbild für jeden in der Band ist Cliff Burton, der verstorbene METALLICA-Bassist. Beim Proben spielen wir oft sein langes Bass-Solo mit vier Instrumenten, das wir vielleicht mal aufnehmen werden .
D. D. J.: Das Labelinfo bezeichnet euch als Stoner Rock-Band. Stimmst du zu?
F. E.: Nein, wir sind eine Hard Rock-/Heavy Metal-Band, vielleicht haben wir ähnliche Einflüsse. Die meisten klingen eh wie KYUSS, ich sehe uns irgendwo dazwischen, wir wollen uns definitiv von anderen unterscheiden.
D. D. J.: Wird Chritus´ Stimme immer noch mit der von Ozzy verglichen?
F. E.: Leider ja, aber wenn du oft und genau zuhörst, merkst du den Unterschied. Auch meine Freunde haben das so gesehen, aber jetzt meinen sie "wie konnte ich das nur sagen", so viel Ähnlichkeit ist da auch wieder nicht.
D. D. J.: Erkläre mir den Albumtitel "Harms way". Es gibt viele Arten, jemanden oder etwas zu verletzen.
F. E.: Das war Nicos Idee. Er sah das im Fersehen und dachte, das klingt gut, das nehmen wir. Ich finde es seltsam, daß keine englischsprachige Band diesen Titel vorher verwendet hat, weil er ziemlich bedeutungsvoll klingt.
D. D. J.: Habt ihr ein gemeinsames Ziel vor Augen?
F. E.: Ja, wir wollen Millionen von Platten verkaufen. Außerdem soll das Album auch in den Staaten erscheinen, damit wir dort auf Tour gehen können. Ich fühle mich wohl mit dem, was ich mache und bin mit meinem Leben zufrieden. Nur sollten wir viel öfter touren, das ist mein Wunsch.
D. D. J.: Wo lebst du und wie sieht die Szene dort aus?
F. E.: Ich wohne mitten in Stockholm. Es gibt hier unzählige Bands jedweder Musikrichtung, aber kaum Auftrittsmöglichkeiten. Außerdem haben wir dieses strenge Gesetz, daß Jugendliche unter 18 in den Clubs keinen Eintritt haben, weil sie keinen Alkohol trinken dürfen und das minimiert natürlich das Publikum .
D. D. J.: Was war der Höhepunkt eurer Laufbahn bisher?
F. E.: Eigentlich dieses Album, weil ich total damit zufrieden bin. Mit UNLEASHED (vier Alben lang) haben wir mehr Platten verkauft und waren auch drei Mal in Amerika, aber ich war nicht wirklich glücklich. Mit TERRA FIRMA fühle ich mich sehr wohl und bin stolz darauf, was wir geleistet haben.
D. D. J.: Wo habt ihr mit UNLEASHED die erfolgreichsten Konzerte gespielt?
F. E.: Eindeutig in Mexico, wo uns die Fans schon am Flughafen erwarteten, uns Geschenke überreichten und bei den Shows unvorstellbar ausflippten. Landschaftlich hat mich am meisten bisher der Anblick des Grand Canyon fasziniert.
D. D. J.: Auf eurem Cover ist ein Mensch, vielleicht ein außerirdisches Wesen mit Aura-ähnlicher Ausstrahlung zu sehen.
F. E.: Ein Freund von uns hat das gemacht. Wir hatten ein anderes zur Auswahl, das uns sehr gefallen hat, aber das sah nicht metalmäßig aus und war lang nicht so auffallend.
D. D. J.: Wann beginnt die Tour zum Album?
F. E.: Es gibt noch keine konkreten Pläne, doch wir hoffen im Herbst als Opener für eine große Band unterwegs zu sein.
D. D. J.