Frank Boeijen (THE GATHERING)
C. M.: Wie läuft die "Souvenirs"-Tour und warum habt ihr entschieden, sie in zwei Teilen zu machen?
F. B.: Die Tour läuft eigentlich sehr gut, aber wir haben uns entschlossen, sie zu unterteilen, weil es einfach zu lang wäre. Es ist besser, eine Pause zu machen und dann im Juni werden wir noch Konzerte in Deutschland, Griechenland und Polen geben.
C. M.: Wie würdest du die Musik, die ihr jetzt macht, bezeichnen? Ich habe gelesen, daß Hans zu HTMAP-Zeiten das Wort "Trip Hop" kreiert hat - welches Wort würdest du jetzt nennen?
F. B.: Naja, ich würde sagen..."Trip Rock".
C. M.: Wie findet ihr es, mit Bands wie MASSIVE ATTACK verglichen zu werden? Mögt ihr es, mit ihnen verglichen zu werden, oder nicht? Einmal wurdet ihr auch mich BJÖRK oder PORTISHEAD verglichen - was denkst du darüber?
F. B.: Es ist ok, mit MASSIVE ATTACK verglichen zu werden, sie sind gute Musiker, haben eine gute Atmosphäre in ihrer Musik und wir mögen sie. Mit BJÖRK verglichen zu werden, finde ich nicht richtig, weil sie einfach eine ganz andere Musik macht, die zwar auch großartig ist, aber musikalisch haben wir nichts gemeinsam.
C. M.: Das neue Album ist für mich alles andere als "Metal". Warum habt ihr euch also PALE FOREST als Support ausgewählt? Denkt ihr, daß sie vom Stil her passen? Sie werden öfter mit euch zu Zeiten von "Nighttime birds" und "Mandylion" verglichen...
F. B.: Ich würde schon sagen, daß sie sehr gut zu uns passen. Sie machen gute, andere Musik und haben super heavy songs, sind aber nicht Gothic-mäßig. Sie sind gute Musiker und haben uns gefragt, ob sie mit auf Tour gehen können - wir haben ja gesagt.
C. M.: Wie sind die Kritiken in Bezug auf "Souvenirs"? Wie reagiern diverse Metal-Magazine auf die neue CD?
F. B.: Wir haben bis jetzt sehr gute Kritiken bekommen, auch von den Metal-Magazinen. Die Leute mögen, daß es wieder etwas Neues ist - und wir mögen das auch, weil wir mit jeder CD auch selber musikalisch ein Stück wachsen.
C. M.: Warum habt ihr euch entschieden, keine Lyrics oder Fotos auf das neue Cover zu drucken? Als ich "Souvenirs" gekauft habe, hat mich das ein bißchen gestört...
F. B.: Dafür hat es eigentlich keinen speziellen Grund gegeben. Wir haben einfach gefunden, daß Lyrics oder Fotos das Artwork des Covers, das ja sehr schön ist, zerstören würden, darum haben wir sie weggelassen. Wenn aber jemand die Lyrics lesen will, findet er sie auf der Homepage - jeder kann sie dort lesen.
C. M.: Warum habt ihr Trickster G. von ULVER für das Duett "A life all mine" ausgewählt?
F. B.: Oh, Trickster G. ist ein sehr guter Sänger, der eine sehr schöne Stimme hat. Wir haben ihm Kostproben unserer Lieder geschickt, weil er unsere Musik nicht gekannt hat. Er war beeindruckt vom neuen Album und wir hatten viel Email-Kontakt. Wir haben auch den Song über Email aufgenommen. Wir haben Trickster eigentlich nie getroffen bis jetzt.
C. M.: Bist du mit dem Sound von "Souvenirs" zufrieden? Ich finde, daß die Lead-Gitarren manchmal zu sehr im Vordergrund sind und sogar ein wenig nerven...
F. B.: Oh, das denkst du? Naja, ich bin nie 100 Prozent zufrieden, das ist eigentlich unmöglich und nicht gut, wenn man Musik macht und vorankommen möchte. Aber wir probieren immer, den Sound zu machen, der am besten zu den Songs paßt. Ja, es gibt schon einige lärmende Stellen, aber das war Absicht.
C. M.: Habt ihr auch B-Sides?
F. B.: Ja, haben wir schon, aber die werden nicht veröffentlicht werden. (Jetzt nicht, aber wahrscheinlich, falls sich die Band einmal auflösen sollte... - J. S.)
C. M.: Was war der Grund, "Black light district" zu machen? Ich finde, es ist ein sehr monotoner und eher langweiliger Song...
F. B.: Das denke ich nicht. Ich finde, dass es im Gegenteil ein sehr abwechslungsreicher Song ist. Es ist ein sehr langer Track, das stimmt, aber es passieren eine Menge Dinge, wenn man genau zuhört. Der Song ist wie ein Prozeß. Ein Grund, ihn so lang zu machen, war für uns auch, daß wir heute in einer Welt leben, die sehr "schnell" ist - die Leute haben für nichts mehr Zeit, auch nicht mehr für sich selbst. Pop-Songs sind eine sehr schnellebige Angelegenheit. Sie sind auf Heavy Rotation in den Charts und verschwinden dann auf einmal. Wir wollen hingegen songs machen, die länger bestehen und nicht langweilig werden. Der Grund, "Black light district" zu machen, war, daß wir schon 20 Songs fertig hatten und wußten, daß sich das nicht auf einer CD ausgehen würde - darum haben wir beschlossen, sie auf eine EP zu geben. Der Rest der Songs wird aber nicht veröffentlicht, wie ich vorher schon gesagt habe.
C. M.: Wie läuft eure eigene Plattenfirma Psychonaut Records? Seid ihr alle daran beteiligt und arbeitet auch selber mit?
F. B.: Ja, wir arbeiten alle mit, haben aber auch eine Frau, die immer dort arbeitet und Dinge managt - jetzt zum Beispiel, wenn wir nicht Zuhause sind. Sie hat vorwiegend die Promotion inne, kümmert sich aber auch um andere Sachen und es ist einfach notwendig, jemanden zu haben, wenn wir auf Tour sind.
C. M.: Wie gefällt dir das Touren? Seid ihr nicht manchmal schon davon gelangweilt?
F. B.: Nein, sind wir nicht, wir mögen es. Wir machen nichts anderes, es ist einfach unser Job.
C. M.: Magst du die Situation, wie sie jetzt ist? Ihr seid bekannt, aber nicht zu sehr. Würdest du nicht einmal einen "Breakthrough" haben und richtig berühmt werden wollen?
F. B.: Nein, das würde ich gar nicht wollen. Ich glaube, es ist ok, so wie es ist. Wir wollen alle gar nicht so berühmt werden wie wirkliche "Superstars". Wir sind einfach keine Superstars und werden es auch nie sein. Ich denke, das Leben eines wirklich berühmten Menschen ist nicht wirklich lustig. Es muß sehr einsam sein. Ich merke es ja auch bei uns, wenn wir auf Tour sind, leidet unser soziales Leben auch sehr darunter. Gottseidank sind wir ja mehrere Leute, also haben wir trotzdem Spaß. Wir sind auch gern mit PALE FOREST zusammen und wir trinken viel Bier. (lacht)
C. M.: Wie sieht es mit Zukunftsplänen aus?
F. B.: Naja, wir werden jetzt einmal diese Tour zu Ende bringen, dann werden wir eine Promo-Tour durch Holland machen. Im Sommer werden wir dann auf einigen Festivals spielen, wie zum Beispiel auf dem "Wave Gothic Treffen" in Leipzig, aber auch auf Festivals in Frankreich und England.
C. M.: Danke für das Interview.
C. M.