ANNIHILATOR, NEVERMORE & SOILWORK
Innsbruck, Hafen
19.03.2001

Was für ein Abend! Was für Gruppen! Beeindruckt, mächtig beeindruckt verließ ich gegen halb eins den Hafen. Es ist schwer zu beschreiben, welche dunklen Kräfte diesen Abend meinen Verstand verwirrt haben, aber ich werde diese qualvolle und mühsame Bürde auf mich nehmen.
Angefangen hat alles mit SOILWORK aus Schweden. Ihre Mischung aus Power Thrash und FEAR FACTORY kam bei den zahlreichen Fans gut an und sie dankten der Band mit verdientem Applaus. Mir persönlich gings zwar etwas zu sehr in Richtung X-Over, aber den anderen gefiel es.
NEVERMORE waren eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits war Sänger Dane erkältet und konnte stimmlich wenig bieten, wofür er sich beim Publikum auch entschuldigte (das hätte er in Wien auch tun sollen - J. S.). Andererseits brachte der Fünfer aus Seattle ein derartiges Power Metal-Brett, daß es 95% der Anwesenden die Birne abriß! Mit unglaublicher Spielfreude und Begeisterung brachten sie alte und neue Hits. Unterstützt von einem imposanten Sound lieferten sie einen technisch beeindruckenden Auftritt, der sämtlichen Fans lange in Erinnerung bleiben wird.
Damit ihr es alle wißt: Metal führt zum Selbstmord! Neun von zehn aller anwesenden Gitarristen haben sich nach dem Auftritt von ANNIHILATOR die Kugel gegeben, das ist sicher! Was für ein Auftritt! Was für Songs! So energiereiche Bands hab ich selten gesehen. Alle wußten, daß es sehr schwer sein würde, an diesem Abend NEVERMORE zu toppen, aber schon vom ersten Riff an stand der Sieger bereits fest. Ich kann es einfach nicht beschreiben. Fast schien es mir so, als wären ANNIHILATOR die brasilianische Nationalmannschaft und sie würden gegen Liechtenstein spielen, so locker und dennoch so perfekt war ihr Auftritt. Allen voran muß man wie schon bei hunderten von vorherigen Konzerten wieder den Meister, Jeff Waters himself, hervorheben, denn sein Gitarrenspiel übertraf einfach alles. Er spielte so energisch, so leidenschaftlich, so begeistert mit seinem Instrument, daß ich fast dachte, die Gitarre sei die natürliche Fortsetzung seines Armes. Wahnsinn! Die Zeit schien beinahe stehenzubleiben und ANNIHILATOR schafften es, in ihrem rund zweistündigen Set ihre Klassiker aus allen Schaffensepochen zu präsentieren. Mit dem neuen Sänger Joe Comeau haben sie übrigens genau ins Schwarze getroffen, denn der Junge bewies äußerst gute stimmliche Qualitäten. Ganz klar eines der besten Konzerte, das ich je gesehen hab.

S. R.