ANNIHILATOR, NEVERMORE, SOILWORK, RAWHEAD REXX & DEMOLITION
Wien, Planet Music
24.03.2001

Power Metal total, aber mit Finesse war an diesem Abend im Planet Music angesagt - und mit SOILWORK wurde dieses Power Package durch eine sehr vielversprechende Band aus dem Extrem-Sektor ergänzt, die man im Auge behalten sollte.
Endlich konnten DEMOLITION wieder einen Support bei einem Package ergattern, welches ihnen wieder besser zu Gesicht stand als letztes Jahr bei DIO, wo nicht wenige im Publikum einen äh etwas überfahrenen Eindruck obgleich der viel heftigeren Musik als die des Headliners machten. Die Wiener legten einen ihrer gewohnt routinierten, spielfreudigen Sets hin, bei dem es im Großen und Ganzen wieder nur eine Sache - eigentlich dieselbe wie bei allen ihrer Auftritte - zu bemängeln gab: Den Sound. Nehmt Euch endlich einen eigenen Mixer, bitte... (J. S.)
Ich gehe nun schon seit ca. 13 Jahre auf Metal-Gigs und in diesen 13 Jahren hat sich für mich eine quasi eherne Gesetzmäßigkeit herauskristallisiert: Jede Band klingt live härter wie auf Tonträger. Bei RAWHEAD REXX wars wundersamerweise umgekehrt. Die 4 Deutschen hatte ich von ihrem kürzlich erschienenen Debut härter in Erinnerung. Sachen gibts... RAWHEAD REXX legten aber einen soliden Gig hin, keine Frage, denn spieltechnisch und soundmäßig gabs nichts zum Aussetzen. Und mit VICIOUS RUMORS-artigen Fetzern wie "Town of skulls" konnte man sicher einige neue Fans gewinnen. Nur eines: Leute, muß das Gepose wirklich sein, habt ihr das notwendig? (J. S.)
Endlich war es soweit, die Schweden SOILWORK gaben an diesem Abend ihr erstes Gastspiel in Wien und sie konnten einen Großteil des Publikums auf ihre Seite reißen. Ich fieberte dem Auftritt der in Helsingborg ansässigen Band schon seit der Bestätigung diese Gigs entgegen und wurde, abgesehen von der Spielzeit, auch nicht enttäuscht. Als Opener wählte man den Titeltrack des zweiten Albums, "Chainheart machine", der, um es gleich vorwegzunehmen, das schnellste Stück des ganzen Abends war. Soundmäßig hätte es zwar etwas besser sein können, aber die Schweden ließen sich davon nicht beeindrucken und zockten bei einer sehr guten Lichtshow einen hervorragenden Set herunter. Das zweite Stück dieses Abends war dann "The analyst" vom Ende Februar erschienen Drittwerk "A predator's portrait". Weiter gings dann mit "Millionflame", "Needlefeast" und "Final fatal force", bei denen das Gitarristenduo Peter Wichers/Ola Frenning ein ums andere Mal mit begnadeten Soli zu begeistern wußten. Die Stimmung im Publikum war ebenfalls dementsprechend. Als vorletzten Song wählte man den "Hit" der Band "Like the average stalker" (ebenfalls vom neuen Machwerk), ehe man den wahrlich gelungenen Set mit "Room no 99", übrigens dem Abschlußtrack vom "The chainheart machine"-Album, beendete. Einziger Wehrmutstropfen war die schon oben angesprochene viel zu kurze Spielzeit, und ich vermißte für meinen Teil Songs wie "Possessing the angels", "Spirits of the future Sun", "The aardvark trail" "Grand failure anthem", "Shadowchild", "Structure Divine" und und und....., aber für so einen Set bedarf es wohl einer Headlinertour, die hoffentlich nicht lange auf sich warten lassen wird. (E. M. P.)
Ich habe NEVERMORE nun schon x-mal gesehen und muß sagen, so tight aufeinander eingespielt hab ich sie bis jetzt noch nie gesehen. Und das trotz des Engagements eines Tourgitarristen. Dieser, ein gewisser Curran Murphy, legte sich übrigens ins Zeug, als wäre er fix in der Band und kein "Söldner". Über Drummer Van Williams braucht man eigentlich sowieso keine Worte mehr verlieren, er verdrosch sein Kit wie immer nach Strich und Faden, aber gleichzeitig technisch enorm versiert. Der Sound ließ auch kaum Wünsche offen: Transparent und druckvoll. Ein Traumgig also? Mitnichten. Es gab da nämlich zwei Sachen, die einem die Begeisterungsstürme vergällte. Das erste ist eine mittlerweile leider altbekannte Tatsache auf NEVERMORE-Gigs: Die Band spielt keine alten Songs mehr. Soll heißen: Nichts vom Debut, nichts von der Vorgängerband SANCTUARY (was mir persönlich eigentlich egal war, denn NEVERMORE haben selber genug gute Songs). An diesem Abend war es aber so schlimm, daß man ab jetzt wohl das "Politics of ecstacy"-Album schon als "alt" bezeichnen muß (ist wohlgemerkt erst die vor-vorletzte Scheibe!), schafften es davon doch nur 2(!) Songs in die Setlist! Und zum anderen war Sänger Warrel Dane merklich "angeheitert" (Hilfsausdruck) und so mußten die gottgleichen Gesangsnuancen in den Studioversionen von Songs wie "Seven tongues of god" live leider unter den Tisch fallen, da der Herr offensichtlich nicht mehr dazu fähig war. (J. S.)
Auf ANNIHILATOR war ich dann sehr gespannt, stand doch die Österreich-Premiere mit dem neuen Sänger Joe Comeau (ex-OVERKILL-Gitarrist) auf dem Programm, dessen enorm vielseitiger Gesang auf dem neuen Album "Carnival diablos" einiges für die Live-Gigs versprach. Mr. Comeau konnte dann auch überzeugen, denn er vermochte die älteren Songs, die von all den anderen Sängern eingesungen wurden, sehr authentisch wiederzugeben, ganz gleich, ob dies nun ein Randy Rampage ("Alice in hell", "Bloodbath"), ein Aaron Randall ("Set the world on fire"), ein Coburn Pharr ("Never, neverland", "Phantasmagoria" - JAAAAAAA!!!) oder Jeff Waters selber ("King of the kill", "Refresh the demon") war. Joe kam desweiteren auch durch seine symphatische, lockere Art gut beim Publikum an. Bleibt zu hoffen, daß dies endlich die schon längst überfällige Dauerlösung für den bis jetzt immer als Schleudersitz bekanntgewesenen ANNIHILATOR-Sängerposten ist. Bis auf Jeff Waters, der in gewohnt grimassenschneidender und zungenzeigender Weise den Gute-Laune-Maniac heraushängen ließ und so ganz nebenbei ein Killerriff nach dem anderen in unnachahmlicher Weise aus dem Ärmel schüttelte, fiel der Rest der Band demgegenüber leider leicht ab, denn leider begnügte sich dieser mit solidem Handwerk, anstatt es ihrem Gitarristen oder Sänger gleichzutun. Dies war aber eher nebensächlich, da der Sound zufriedenstellend und auch die Setlist (siehe oben) sehr korrekt, ja wenn nicht sogar ein Best Of-Programm war. ANNIHILATOR sind nach wie vor eine der besten Live-Bands auf dem Speed/Power Metal-Sektor und bleiben uns hoffentlich noch lange erhalten. (J. S.)

J.S. & E.M.P.