CANNIBAL CORPSE, MARDUK, DARK FUNERAL, NILE, KRISIUN & VOMITORY
Wien, Arena
21.12.2001

Alle Jahre wieder... Der Antichristmas erfreut sich schon seit einigen Planetenumläufen gleichbleibender Beliebtheit. Bandmäßig hat man zwar den Eindruck, als würden mehr oder weniger immer dieselben kommen, aber der Masse scheint das egal zu sein, denn an diesem Abend fanden sich wieder mal geschätzte 900 Fans in der Arena ein.
Als erste Band enterten an diesem Abend die Schweden VOMITORY die Bühne, und das in doch etwas eigenwilliger Besetzung. Sänger/Bassist Erik Rundquist konnte aus irgendeinem Grund, den zwar Gitarrist Urban Gustafson nannte, den ich aber nicht verstand, auftreten, und so spielte man gerade mal drei Songs in reinen Instrumentalversionen. Sehr strange!
Mein persönlich Headliner mußte dann bereits als zweite Band auf die Bühne, nämlich die Brasilianer KRISIUN, die an diesem Abend einmal mehr unschlagbar waren. Von der ersten Sekunde an hatten die Carmago/Kolesne-Brüder das Publikum fest im Griff und unterstrichen ein ums andere mal ihre wirklich einzigartige Fähigkeiten an ihren Instrumenten. Besonders hervor stach dabei, so wie immer, Gitarrist Moysès, dem bezüglich Geschwindigkeit und Technik niemand das Wasser reichen kann. Die Songauswahl war für die etwa vierzig Minuten Spielzeit mit lauter eigenen Klassikern wie "Conquerors of armageddon", "Kings of killing", "Ageless venomous" oder "Hatred inherit" vollgepackt. Danach war aus meiner Sicht trotz NILE der Abend eigentlich schon gelaufen. (E. M. P.)
NILE überraschten mit neuem Frontmann, der zwar schon längere Zeit in der Band sein soll, dies dürfte aber irgendwie an mir vorübergegangen sein. Jon Vesano heißt der Mann, der hier ein schweres Erbe antreten muß, denn mit dem ausgestiegenen Chief Spires hat die Band ja eine charismatische Persönlichkeit verloren. Aber der Neue machte seine Sache sehr gut, aber auch anders, da er über eine völlig andere Ausstrahlung verfügt. Vesano kommt eher als "Tier am Bass" rüber, der Gute bearbeitete seinen Fünfsaiter wie ein Berserker und ließ dabei - wenn er nicht gerade Gesangsparts zu absolvieren hatte - seine Arschlang-Matte dauerpropellern. Auch stimmlich gibts Unterschiede, aber Vesano verfügt über ein ebenso brutales Organ wie Spires. Ich habe ein gutes Gefühl, daß NILE hier einen gleichwertigen Ersatz gefunden haben. Die Amis verzichteten ganz im Gegensatz zu ihrer Headlinertour im Frühjahr weitestgehend auf die ägyptologischen Samples, was den Sound natürlich ärmer machte. Aber es ist anzunehmen, daß dies nicht freiwillig geschah, sondern eher mit dem straffen Zeitplan, der auf einer Tour mit sovielen Bands einzuhalten ist, zu tun hatte und einer Band im unteren Teil des Billings keine Extrawürste zugesteht. (J. S.)
DARK FUNERAL konnten nach so einem Gig eigentlich nur enttäuschen, und sie taten das leider auf ganzer Linie. Der Sound war im Grunde genommen mehr als beschissen und auch bei der Performance sah man den Schweden irgendwie an, daß sie das am nächsten Tag folgende abschließende Konzert dieser Tour nicht mehr erwarten konnten. Daran änderten auch Songs wie "The dawn no more rises", "Ravenna strigoi mortii" oder "Diabolis interium" nichts. Schade! (E. M. P.)
Wie oft beehren uns MARDUK eigentlich noch? Das nimmt schon fast MORBID ANGEL-Ausmaße an. Dementsprechend langweilten mich die Schweden eher - und auch gesamtgesehen gabs vom Publikum bei früheren Auftritten schon mal bessere Reaktionen. Und jetzt kommt wieder mal mein üblicher Kritikpunkt, nämlich daß MARDUK wieder mal zuwenig Abwechslung in ihrem Set hatten und die meiste Zeit abwechslungslos dahinbolzten. Dabei verfügt man seit dem letzten Album über einige Midtempotracks, die hier sicher auflockernd wirken würden. Aber bitte...
CANNIBAL CORPSE hat man wenigstens schon seit 1 1/2 Jahren nicht mehr in Wien gesehen. Was soll ich großartig über diese Band schreiben? Meiner Meinung nach war dies ein sehr guter Auftritt, die Band war permanent in Bewegung, der Sound war gut und die Song-Klassiker waren auch anwesend. Alles in allem waren die Floridianer sicher der würdige Headliner, denn mit soviel Routine und Lässigkeit schüttelte an diesem Abend keine andere Band ihre Songs aus dem Handgelenk.
Der Gesamteindruck des Abends ist durchaus positiv, aber den Tourverantwortlichen sei dennoch ans Herz gelegt, doch beim nächsten Mal bei der Bandauswahl nicht so sehr auf Nummer sicher zu gehen... (J. S)

E.M.P. & J.S.