BANG YOUR HEAD!!! 2001
Balingen (D), Messegelände
29. & 30.06.2001

Endlich war es wieder soweit. Mit dem göttlichen Bang Your Head!!!-Festival war für mich wieder einmal der ersehnte Abschied aus dem Studienleben und damit der Beginn des Sommers eingetreten.
Unter Ignoranz meiner letzten Studientage sowie Prüfungen machten wir uns am Donnerstag Abend mit Sack und Pack und meinem Henker(Auto) auf den Weg. Den Kofferraum bis oben mit Flüssigwaren befüllt, auf die Rückbank den Tusslinger zwischen unsere Schlafsäcke und sonstigen Utensilien gequetscht und den Fußraum des Beifahrers mit CDs ausgefüllt, konnte es losgehn. Bereits nach gut zwei Stunden Fahrt stellte sich so langsam meine angestammte Festivalstimme ein, denn von der Vorfreude getrieben, verwandelten wir bereits bei der Anfahrt meinen Henker in ein privates Partyzelt. Nur den Tusslinger störte dies anfangs wenig, denn er verfiel aus mysteriösen Gründen bereits kurz nach der Abfahrt in ein hartnäckiges Koma, das ihn beinahe bis zum Morgengrauen bedächtig schlummern ließ.
Durch die abendliche Stunde lagen wir hervorragend im Zeitplan, bis unsere Fahrt abrupt durch einen Radikalstau bei Salzburg gestoppt wurde. In den nächsten 1 1/2 Stunden zeigte die Belegschaft vom Ö3-Verkehrsfunk, was man unter aktueller Berichterstattung versteht und untermauerte eindrucksvoll ihre Kompetenz. Denn nachdem wir bereits 20 Minuten im Stillstand verbrachten, und wir waren bei weitem nicht an der Spitze des Staus, erfolgte die erste Meldung im Radio: "Bei Salzburg 'leichte Behinderungen' aufgrund eines Unfalls." ;-) Weitere 30 Minuten später kam die Meldung: "Zähflüssiger Verkehr bei Salzburg...!" ;-)) Erst nachdem wir bereits 1 1/2 Stunden im Stau standen, gelang es den Experten zu klären, daß es sich bei Salzburg wohl doch um eine Totalsperre der Autobahn handelt... ;-)))
Nach diesem kleinen Scharmützel ging es flott weiter, bis ich höchstpersönlich für den nächsten, wirklich tragischen Zwischenfall sorgte. Mit einer ungeschickt anmutenden Bewegung meines Fußes gelang es mir tatsächlich, weiß der Metalgott wie, die Boxenkabel aus dem Radio zu fetzten. Das dies bedrohliche Bestürzung und berechtigte Selbstmordgedanken auslöste, brauch ich wohl nicht näher zu erläutern. Also, was nun? Es half alles nichts. Der Schaden mußte repariert werden. Also machten wir uns auf den Weg, die nächsten Tankstellen abzuklappern, um uns irgendwo das geeignete Werkzeug für die fällige Notoperation zu leihen. Schließlich gelang es mir, mit einem Taschenmesser die Drähte abzuisolieren und mit einem wahrlich üderdimensionierten, ölverschmierten Schraubenzieher den Rest zu erledigen. Als nach einer fast 2stündigen Musik-Pause "I wanna rock" erklang, war auch der Tusslinger wieder voll bei Kräften und so konnten wir uns nun endlich, nach dieser aufreibenden Odyssee, in die "Odyssee Of Metal" (BYH 2001) stürzen.
Als wir so um halb 6 morgens am Campinggelände eintrafen, war sofort ersichtlich, daß das Festival weiter gewachsen war und sich im Vergleich zum Vorjahr einige Tausend Metalheads mehr eingefunden hatten. Auch war das Publikum viel jünger als noch im letzten Jahr. Denn vor allem durch den Auftritt der SCORPIONS pilgerten im Vorjahr ja erstaunlich viele Metal-Urgesteine nach Balingen, um ihre Jugendidole zu erleben.
Nachdem wir unsere Guten-Morgen-Drinks zu uns genommen und unser Zelt aufgebaut hatten, war es erst mal an der Zeit, uns ein wenig einzulebe(r)n. Da dies, wie unerwartet (hehe), ein wenig ausartete, gelang es uns erst zu späterer Stunde, das Festivalgelände zu entern...
Freitag

TIERRA SANTA, SOLITUDE AETURNUS, BRAINSTORM, KAMELOT, VICIOUS RUMOURS - Durch diverse andere Aktivitäten (Zum besseren Verständnis: Damit sind sicher Dinge wie Briefmarkensammeln, Beten, Sockenflicken oder Kuchenbacken gemeint - J. S.) war es mir leider nicht möglich, den Auftritten dieser Bands beizuwohnen... :-(

Den Gig von KREATOR erwartete ich mit gemischten Gefühlen. Einerseits hat mir diese Band so viele schöne Stunden bereitet und mich mehrmals in den Himmel und zurück begleitet, andererseits waren ihre letzten Live-Auftritte einfach nur grottenschlecht und wohl eher als Betthupferl geeignet. Nachdem ich allerdings den guten Mille nur 2 Stunden vor dem Gig sturzbesoffen durch den Backstagebereich wandeln sah, keimte erstmals Hoffung in mir auf, das KREATOR diese Durststrecke überwunden haben und bereit zu großen Taten sind. Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Mit "Terrorzone" wurde der alte Einstiegs-Song gewählt und als Draufgabe gleich noch "Phobia" und "Extreme aggressions" in die Menge geknallt. Danach stellten KREATOR mit "Servant in heaven, king in hell" einen Song des neuen Albums vor. Und dieser krachte einfach nur ins Unermessliche. Spätestens jetzt war mir klar, daß ich hier einen denkwürdigen Auftritt der Thrash-Ikonen miterleben durfte. In weiterer Folge durfte die anwesende Menge noch Granaten wie "People of the lie", "Renewal", "Pleasure to kill", "Leave this world behind" und "Tormentor" belauschen. Als dann auch noch die "Flag of hate" gehisst wurde, stand die Meute kurz vor der endgültigen Ekstase! Wo man hinsah, waren nur radikal bangende, vor Freude in Tränen versinkende oder einfach nur andächtig staunende Fans zu erblicken. Am Ende verschwand die Band nahezu in einer riesigen braunen Rauchwolke. Geil. KREATOR is back! Das ist das einhellige Urteil, das nach dieser fantastischen "Comeback-Show" getroffen wurde. Wenn die Band weiterhin so agiert, werden KREATOR in Rekordzeit verlorene Sympathien zurückgewonnen haben. Und der neue Song verstärkt die Vorfreude auf das Album immens.
Nach der grandiosen KREATOR-Show mußten wir erst mal eine kleine Auszeit nehmen und zwecks Stärkung zum Zelt wandeln, weshalb ich leider nicht dem ganzen ARMORED SAINT-Gig beiwohnen konnte. Doch schon auf dem Weg zurück zum Festivalgelände war es möglich, den Triumphzug der Amis zu verfolgen. Und dem frenetischen Jubel der Fans, welcher wohl bis in die Nachbarstadt zu hören war, kann eigentlich nicht mehr viel hinzugefügt werden. AROMRED SAINT stellten erneut ihre absolute Klasse unter Beweis und mit Songs wie "March of the saint" "Den of thieves". "Pay dirt" oder "After me, the flood" vollzogen sie ebenso einen Triumphzug sondergleichen. Yeah!
Während dem Auftritt der Urgesteine URIAH HEEP legten wir eine kleine Pause ein, um etwas zu beißen und Energie für die Headliner zu sammeln. Nach den Reaktionen der Fans zu urteilen, dürfte die Combo um Mick Box allerdings eine ordentliche Show abgeliefert haben, die den Fans durchaus eingeheizt hat.
Mit viel Spannung wurde der Auftritt der Co-Headliner SAVATAGE erwartet. Die große Frage war, wie sich die "Neuen" im Line Up, vor allem Sänger Damond Jiniya, schlagen werden. Der neue Sänger macht seinen Job meiner Meinung nach ganz passabel, wenngleich er auch seinen Vorgänger bei weitem nicht ersetzen kann. Hinzu kommt noch, daß er optisch einfach nicht so recht zu SAVATAGE passen will. Doch der größte Knackpunkt ist momentan der Mountain King himself. Denn der immer dicker Werdende hat seine besten Tage doch schon lange überschritten und speziell seine Gesangsleistung läßt mittlerweile doch mächtig zu wünschen übrig. Doch trotzdem boten SAVATAGE eine hervorragende Show. Die Mängel im stimmlichen Bereich machten sie mit einer energiegeladenen Performance und einer genialen Setlist wett. Und so war es alles in allem ein starker Gig, der vor allem die Lust auf die folgenden JUDAS PRIEST noch weiter steigerte.
Nun endlich, zu nächtlicher Stunde, ging der Vorhang für JUDAS PRIEST auf. Und was diese auf Lager hatten, konnte sich sehen lassen. Mit der erwarteten "Best Of"-Show wälzten sie über das Publikum hinweg. "Metal gods", "Painkiller", "Breaking the law", "Victim of changes",... Zum Abschluß gaben JUDAS PRIEST sogar noch "United" zum Besten. Und dieser Song sollte uns noch die ganze lang Nacht im Partyzelt und sonst wo begleiten... Nur absolute Hammersongs waren am Start. Mit "Machine man" und "One on one" wurden auch 2 neue Stücke gebracht, die zwar sofort von einem leichten Stimmungseinbruch begleitet waren, der jedoch beim nächsten Song sofort vergessen war. Alles in allem kann man sagen, daß JUDAS PRIEST einfach genial waren und einen wunderbaren Abschluß für diesen Freitag bildeten. Auch die Gesangsleistung von Ripper Owens, der in ein oberpeinliches Glitzerhemd (Oscar "Kleiderständer" Dronjak läßt grüßen) gehüllt war, war einfach nur göttlich und ließ den alten Rob Halford sofort vergessen. Doch genau hier setzt nun mein Kritikpunkt an. Denn gerade diese Gesangsleistung war es, die mich stutzig machte. Noch kurz vor der Show zog ich mir die "Live meltdown 98" rein. Und kurz darauf glaubte ich dieselbe wiederzuhören. Einfach jeder Ton, jede Ansage etc. wurde vom Ripper absolut identisch wiedergegeben! Da stellt sich nun die Frage: Sind JUDAS PRIEST oder der Ripper so einfalls- und ideenlos, daß sie dieselbe Liveshow bis ins letzte Detail einproben und nacht für Nacht, Jahr für Jahr dieselbe Show samt denselben Ansagen herunterspulen oder ist hier Halbplayback im Spiel? Es ist doch sehr eigenartig, wenn ich im Publikum stehe und auf die Sekunde genau völlig identisch jedes einzelne Wort mitsprechen und vorhersagen kann... Oder nicht?
Den Freitag Abend ließ ich zusammen mit dem Tusslinger somewhere on the Partygelände und mit ausreichend Verpflegung ausklingen. Zu diesem Abend bleibt nur zu sagen: KULT!!! Ich werde nie vergessen, wie wir eingehängt quer durch das gesamte Gelände heimtorkelten, wobei wir lauthals Bob Marley-Songs zum Besten gaben. Vor allem der gute alte "Buffalo soldier" hatte es uns angetan. Und in unserem Schlepptau kroch so manch wunderliche Gestalt, die in uns die letzte Hoffnung sah, noch weiterzufeiern... KULT!!!
Samstag

Während der ersten beiden Bands, COURAGOUS und EIDOLON, die eigentlich nur als Muntermacher fungierten, da sie zu einer absolut unchristlichen Zeit an den Start mußten, gönnte ich mir gerade mal meine morgentliche Flasche Wodka, um erst mal auf Touren zu kommen.

Mit der hessischen Power Metal-Combo SQUEALER war bereits zu radikal früher Stunde der erste Fixpunkt für mich am Start. Denn SQUEALER gehen live wirklich mehr als ordentlich ab. Trotz der energiegeladenen Show gelingt es Sänger Henner immer wieder, das Programm mit blöden Sprüchen aufzulockern. Der Höhepunkt der Show war wieder einmal bei dem genialen "Friends for life" erreicht. Leider nur hatten sich zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht allzu viele Banger auf das Gelände verloren, denn SQUEALER sind für mich wirklich die optimale Band, um früh aus den Federn zu kommen.
Dann ging es erstmal auf die Metal Börse und zum Mittagessen (GULASCH mit BIER. Was sonst?).
Mit SIX FEET UNDER war nun jene Band am Start, die einfach nicht auf dieses Festival passen wollte. Gerade dieses Jahr waren außer SIX FEET UNDER eigentlich nur traditionelle Bands am Start. So fiel es Chris Barnes und seinen Mannen auch ziemlich schwer, hier wirklich Stimmung in den - größtenteils staunenden - Haufen zu bringen. Zwar legten SIX FEET UNDER ohne Zweifel wie immer einen genialen Gig hin, doch waren sie einfach fehl am Platz. Auch wenn die wenigen anwesenden Hartwurst-Fans an Songs wie "War is coming" oder "Feasting on the blood of the insane" nicht satthören konnten und in den ersten Reihen auch gehörig Radau machten, war das natürlich nur ein kleiner Teil der anwesenden Fans. Auch wäre es wohl etwas schmerzhafter, wenn auf dem Balinger Asphaltboden standesgemäß radikal abgefeiert werden würde. SIX FEET UNDER sind auf jedem Fall eine geniale Live-Band, doch benötigen sie einfach das passende Umfeld, um richtig zur Geltung zu kommen. So würde ich den Machern des BYH auch vorschlagen, in Zukunft entweder zumindest 3-4 wirklich harte Bands an den Start zu schicken oder gar keine.
Der erblondete Gitarrenvirtuose zeigte sich diesmal mit seiner Band in außerordentlich guter Stimmung und heizte von Beginn an mit Songs wie "Fool fool", "Carousel", "Casbah" usw. ordentlich ein. Zu meiner großen Erleichterung verzichtete der Meister diesmal auf zu ausgedehnte Soli und eine übertriebene Selbstinszenierung. So konnten auch seine Musiker immer wieder durch witzige Duelle in den Vordergrund treten (z.B. mit dem Keyboard unter dem Arm einmal quer über die Bühne und zurück...). Auch der hervorragende Sänger Johnny Gioeli, der sich mittlerweile perfekt in die Band integriert hat, den Sound prägt und definiert, hatte einen super Tag erwischt und zeigte sich von seiner besten Seite. AXEL RUDI PELL boten wirklich eine hervorragende Show und überzeugten von der ersten bis zur letzten Sekunde. So, wie sie mich vor 2 Jahren in Wacken gelangweilt haben, so stark präsentierten sie sich diesmal auf dem BYH.
Bei Dave Mustaine und Co. konnte man ja in den letzten Jahren nie so genau wissen, was einem erwartet. Zeichneten sich MEGADETH ja vor allem durch sehr schwankende Leistungen aus. Doch an diesem Tag konnten MEGADETH vollends überzeugen. Voll motiviert und mit sichtlich Spaß an der Sache schleuderten sie ein Highlight nach dem anderen in die Menge. Man mag über die Sangeskünste eines gewissen Herrn Mustaine streiten können, allerdings muß man die Genialität der Songs älteren Datums anerkennen. Und die Setlist konnte wirklich überzeugen. Von "Holy wars" über "Symphony of destruction", "In my darkest hour" und dem abschließenden "Peace sells" standen fast nur Hymnen auf dem Programm. Voller Spielfreude und mit purer Präzision vorgetragen, brachten sie die Menge regelrecht zum Ausflippen. Auch wenn MEGADETH schon seit langem nichts anständiges mehr auf den Markt gebracht haben, live sind sie noch immer eine Macht. Super Gig!
Den Auftritt der Finnen wollte ich mir an diesem Tag einfach nicht geben, da ich sie in letzter Zeit so oft live begutachten durfte und sie einfach immer nur das gleiche bringen. Bei dieser Band ist meiner Meinung nach einfach die Luft draußen. Den Kommentaren der Anwesenden zufolge habe ich auch nichts verpaßt, da STRATOVARIUS nicht mehr als ihre Standardshow abspulten und kaum über den Status "fad" hinauskamen.
Endlich war es soweit! Dee "fucking" Snider enterte mit seiner Begleitband und A. J. Pero vom Original-SISTER-Line Up an den Drums die Bühne, um den ultimativen Orkan loszutreten. Die Wirkung, die dieser Mann entfacht, ist einfach unbeschreiblich. Von der ersten Sekunde an, mit den ersten Worten, besitzt er die Kontrolle über das Publikum. Man ist ihm ergeben! Und das mit Recht! Diese Energie, diese unbändige Kraft und Ausdruckstärke, die in diesem Mann steckt. Dazu noch seine Stimme und vor allem die göttlichen TWISTED SISTER-Songs im Gepäck. Das sind nur einige der Qualitäten, die Dee Snider ausmachen. Doch wirklich beschreiben kann man dieses Phänomen nicht. Und es ist ein Phänomen. Mit dem obligatorischen Opener "What you don´t know" eröffnete der Meister den Gig und ließ einen Kracher dem anderen folgen und brachte die Menge zum Toben, zum Ausrasten, zur absoluten Ekstase! "I wanna rock", "Under the blade" oder "The kids are back", um nur ein paar der Göttergaben zu nennen, die uns präsentiert wurden, bereiteten die Menge häppchenweise auf den finalen Wahnsinn vor. Als "We´re not gonna take it" angestimmt wurde, glaubte man, die Welt würde zusammenbrechen. Und das nicht nur in Anbetracht der ankommenden und mehr als nur bedrohlich wirkenden Gewitterwolken. Denn der frenetische Jubel, die Begeisterungsstürme, die ins schier unglaubliche abdrifteten, kannten einfach kein Ende mehr. Und so wurde es dem guten Dee Snider auch fast unmöglich gemacht, den Song zu beenden. Wieder und wieder wurde der Refrain wiederholt und es war doch nicht Schluß! Wahnsinn! Als Dee Snider sich schließlich als Gott versuchte und die drohende Katastrophe in Form des angekündigten Hagelgewitters verfluchte und warnte, war es dann doch zuviel! Kurz darauf öffneten sich die Schleusen... Doch wer dachte, daß dieser Wahnsinns-Wolkenbruch (nach 10 - 15 Minuten Regen standen wir gute 5 cm tief im Wasser), der über uns hereinfiel, irgendetwas an der Stimmung änderte, der irrte sich. Nein, die Jubelstürme wurden sogar noch heftiger. So lieferte uns der Allmächtige noch "The price" und "SMF", bevor schließlich Schluß war. Die Stimmung, die gegen Ende dieses Gigs herrschte, ich versuche sie zu beschreiben, obwohl es unmöglich ist, glich der nahenden Apokalypse. 15.000 absolut weggetretene, ekstatische Fans standen, sprangen oder knieten und beteten in einem Meer aus Lichtern - zusätzlich zur Lightshow von der Bühne kamen Hunderte Blitze sowie ein Feuerwerk zum Abschluß des Festivals - und Geräuschen! Noch nie zu vor habe ich in meinem Leben etwas ähnliches erlebt. Auch nach Ende des Konzerts blieben die meisten der Fans noch Ewigkeiten vor der Bühne und feierten weiter. Die Fans sprangen, durchnäßt bis auf die Knochen, umher, umarmten sich und jubelten. Manche standen einfach nur regungslos da, um erst einmal zu verarbeiten, was sie da soeben erlebt hatten. Irgendwo dazwischen lag mein Zustand. Nachdem ich schon das halbe Konzert irgendwelchen anderen Fans in den Armen gelegen bin, vor lauter Freude konnte ich, als es aus war, gar nicht recht fassen, was hier soeben abgegangen ist. Ich wußte nicht so recht, ob ich vor Freude weinen sollte oder einfach nur schreien oder was auch immer. Das war unbestritten das beste Konzert meines Lebens, sogar noch vor dem ultimativen MANOWAR-Gig 98 in Graz. Einfach nur genial! TWISTED "fuckin" SISTER!!! Und mir ist es scheißegal, ob TWISTED SISTER jemals wieder in Originalbesetzung auftreten werden oder nicht, solange dieser Mann weitermacht und noch länger solche Gigs abliefert. Und danke auch dem Wettergott, oder war es vielleicht Dee Snider höchstpersönlich, der den Regen rief? Denn dieser Wolkenbruch machte aus diesem Wahnsinnsgig erst dieses unglaubliche Erlebnis, das ich bestimmt niemals vergessen werde...
Nachdem wir uns wieder einigermaßen gefaßt hatten, machten wir uns auf dem Weg Richtung Campingplatz, nicht jedoch, ohne im legendären Balinger Tunnel mit einigen anderen Mitstreitern eine spontane Choreinlage zu starten, die wohl in die Festivalgeschichte einging! Denn nachdem wir als kleine Gruppe begannen, in dieser atemberaubenden Tunnelakustik den Refrain von "We´re not gonna take it" zu singen, schlossen sich uns nach und nach weitere Partytiger an, bis schließlich nahezu der ganze Tunnel voll mit "We´re not gonna take it"-singenden Metalheads war. Und wieder kamen weitere und brachten Bier und sonstige Verpflegung oder ersetzten andere, die gegangen waren. Nach mehr als einer Stunde beschlossen wir nun doch zum Zelt zu gehen, um uns umzuziehen. Als wir auf dem Weg ins Partyzelt wieder zum Tunnel kamen (2 Stunden nach Beginn), verließen gerade die letzten unserer Mitstreiter den Tunnel und machten sich auf den Weg zum McDonalds, bei dem diese Aktion ihre Fortführung finden sollte. Ich sage nur: Hätte der gute Dee Snider diese Szenen beobachten können, ich denke, er hätte sich auf der Stelle umgebracht, denn schöner kann es wohl nicht mehr werden. YEAH! That´s Metal! Und auch der Rest des Abends war natürlich nur mehr genial. Wahnsinn. BYH, ich komme wieder und wieder und wieder...
Das böse Erwachen folgte bereits zu früher Stunde. Mit gehöriger Katerstimmung und einem mehr als flauen Gefühl im Bauch machten wir uns daran, unsere Zelte abzubrechen. Nach einem ausgiebigen Frühstück bei McDonalds ging es heimwärts. Mit im Gepäck hatten wir den guten alten Mike, der schon zu E-Zeiten kleine Kinder als Schülerlotse erschreckte... :-) Woran wir vorerst nicht dachten, war der just an diesem Wochenende laufende Wirtschaftsgipfel in Salzburg und die damit verbundenen Grenzkontrollen. Folglich durften wir eine feine Zeit im Stau verbringen, bevor wir, wie könnte es anders sein, zur genaueren Kontrolle an die Seite gewunken wurden. Der Spaß nahm seinen Anfang, als der Hatsch nach seinem Führerschein gefragt wurde, den er nicht einmal bei sich trug. Mit viel Glück und Geschick gelang es uns, die Gendarmen diesen Wunsch wieder vergessen zu machen. So richtig Leben in die Sache kam jedoch erst bei der Aufforderung, den Kofferraum zu öffnen... Denn dieses Chaos, massig leere Doppler-Flaschen und Bierdosen, dazwischen einen Schlafsack gequetscht etc., rang auch dem Grenzpersonal ein Lächeln ab. Nachdem wir alles wieder eingeräumt und verstaut hatten, ging es erst mal ans Eingemachte. Die Frage, woher wir denn kommen und womit wir unseren alles andere als hervorragenden Zustand erklären konnten, war schnell geklärt und in weiterer Folge stand eine peinlichst genaue Untersuchung von Mikes Kutte am Plan... Hatte es zuerst den Anschein, als würde man so manch Drogenkram darin finden wollen, stellte sich heraus, daß die Jungs nur an den Aufklebern interessiert waren, da ein Freund von ihm auch so etwas hat. Doch den absoluten Vogel schoß schließlich der gute Hatsch ab, indem er eine der Einsatzkräfte fragte, nach welchen Kriterien man denn jene auswählt, die genaueren Kontrollen unterzogen werden. Denn diese Frage kam der netten Dame äußerst ungelegen. So druckste sie erst ein wenig herum: "Wissts eh, Familien und Pensionisten werden durchgelassen, wir wählen eben eher Jugendliche und, und... Ah wos, ihr wissts eh, solche Leit wie eich hoit!" *ggg* KULT! Wie auch immer, weiter gings. Doch nicht weit. denn an der Österreichischen Grenze erwartete uns natürlich dasselbe Spiel. Wäre ich anfangs aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit beinahe weitergefahren, als man mich aufhielt, so werd ich nie den Gesichtsausdruck des Grenzgendarmen vergessen, als er mich erbost zum Anhalten brachte und ich ihm dann durch das geöffnete Fenster mit meiner unvergeßlichen Festivalstimme ein "freundliches" "guten Morgen" entgegengrunzte... Es folgte dieselbe Prozedur. Kofferraum auf, schockierte Blicke usw. Nach ausgiebiger Kontrolle der Personalien etc. ging es dann schließlich weiter. Doch war damit noch nicht genug, da wir den guten Mike nach Salzburg bringen sollten, von wo aus er mit dem Zug weiterreisen wollte. Erneut ein kurzer Zwischenstop aufgrund der Polizei: "Wo wollt ihr denn hin?" "Ja, nach Salzburg." "Wohin nach Salzburg?" "Ja, zum Bahnhof." "Aha zum Bahnhof!" (Dort fand die Demonstration statt!) Hehe! Ich kann mir schon gut vorstellen, wie sie den lieben kleinen Mike festnehmen, da er an der gewalttätigen Demo teilnahm, obwohl er eigentlich nur seinen Zug erreichen wollte...

J. K.