CHRISTIAN DEATH, LOVER OF SIN, THEATRE DES VAMPIRES & DIET OF WORMS
Graz, Orpheum
22.03.2003

Wie soll ich dieses Review am Besten beginnen??? Es war ein Trauerspiel. Nicht der Bands wegen, nein, sondern wegen der Besucherzahlen. Ich habe in meinem ganzen Leben das Orpheum noch nie so leer gesehen. Es waren vielleicht maximal 40 Leute anwesend. Ich konnt es kaum glauben... Und sowas an einem Samstag Abend und bei einer Band wie CHRISTIAN DEATH! Eine wahre Niederlage!
Nun ja, den Anfang machte eine Band namens DIET OF WORMS. Nachdem im Orpheum mehr als genug Platz war, setzte ich mich auf die Stufe vor der Bühne und ließ den Sound dieser mir noch unbekannten Band (ich weiß, Schande über mich... Aber man lernt nie aus, nicht? *g*) auf mich zukommen. Trotz mangelnder Stimmung zogen die Jungs eine geile Show ab und ich muß sagen, daß mich die Stimme sehr Sängers vollkommen vom Hocker haute. Den Sound der Amerikaner beschreibt man am besten als DURAN DURAN meets NINE INCH NAILS. Fette Drums, geile Gitarrenriffs und die Powerstimme des Sängers ergeben zusammen eine Wahnsinnsmischung. Sie spielten einen Querschnitt aus ihren 3 Alben, welcher mich schwer überzeugte. Ich ließ mich sogar nach ihrem Auftritt dazu hinreißen, mir am Merchandise-Stand eine ihrer CDs zu kaufen. Das soll was heißen. :-)
Als nächstes war die italienische Vampircombo THEATRE DES VAMPIRES am Start. Ich hatte mir von dieser Band einiges erwartet, wurden sie doch in Zeitschriften wie Orkus und Sonic Seducer in den höchsten Tönen gelobt. Leider wurden meine Vorstellungen nicht erfüllt. Man spielte einen wenig mitreißenden Set, gab sich nicht sonderlich viel Mühe, die wenigen Anwesenden in den Bann zu ziehen. Eigentlich mag ich Gothic sehr gerne, nur dieses langweilige Zeug, daß dargeboten wurde, veranlaßte mich dazu, mir mein nächstes Bier zu holen. Als "Highlight der Show" wurde nochmal schnell eine Bibel angezündet und die leichbekleidete Backing Vocals-Sängerin befummelte sich selbst mit einem Kreuz, welches - logischerweise - verkehrt herum gehalten wurde. Es lebe das Klischee! *ironischgrins*
Nach den schrecklich-(langweiligen)-en Vampiren wurde die Bühne in Nebel gehüllt, um die dritte Supportband dieses Abends anzukündigen. LOVER OF SIN, das Sideproject der CHRISTIAN DEATH-Sängerin. Die hübsche Lady trat aus dem Nebel hervor, um sich nur mit einem String Tanga, schwarzen Lackstiefeln und einem Spitzenmantel, der bei der Brust geschlossen wurde, der Audienz zu präsentieren. Bei den männlichen Besuchern stieg sichtlich die Aufmerksamkeit (oder vielleicht noch mehr??? *lol*), als sie Maitri erblickten. Vom Sound her wars ganz okay, vielleicht nicht so sehr mein Fall, aber schön dark und etwas boshaft. Meiner Meinung nach setzt sie ihre Stimme in CHRISTIAN DEATH besser ein, in ihrem Sideproject allerdings singt sie sehr tief und etwas zu monoton dahin, ohne Gefühlsregung stand sie ebenfalls auf der Bühne. Außer, man möchte die Beckenbewegungen der Dame als Show ansehn. Mich bewog dieser Anblick ein weiteres Mal, mich der Theke zu widmen. :-)
Nach drei langen Vorbands, wo für mich nur wirklich eine einzige interessant gewesen war, kamen endlich CHRISTIAN DEATH an die Reihe. Und man mag es kaum glauben, aber die spärliche Meute im Orpheum fing tatsächlich an, Stimmung zu machen! So wurde die Band johlend empfangen, man erhob sich von der sitzenden Position in die Aufrechte, um den Gig stehend und tänzelnd zu genießen. Leider mußten CHRISTIAN DEATH aufgrund von Problemen (welcher Art? Technische? Potenz? ;-) - J. S.) ihren Gig etwas verkürzen und auch die Setlist ziemlich umwerfen, jedoch ließ man sich davon nicht betrüben und gab sein Bestes. Nach dem zweiten Song wurde mal so nebenher in die Reihen gefragt, ob denn die österreichischen Fans CHRISTIAN DEATH nicht mögen würden... Tja, man erwartet sich einfach ein wenig mehr Besuch bei Urgesteinen des Musikbusiness wie diesen. Es wurden in den 45 Minuten, in denen sie spielten, eine gute Mischung aus alten und neuen Songs geboten, leider mußte man aber auf Knaller wie "Sick of love" verzichten. Auch wie das Publikum diese lautstark zu fordern anfing, wurde dem Wunsch nicht nachgekommen.
Trotz der widrigen Umstände muß ich sagen, daß es ein super Gig war, den ich sehr genossen habe. Und vor so kleinem Publikum wird man wohl nie mehr in den Genuß kommen, eine Band mit der Größe von CHRISTIAN DEATH zu sehen.

T. K.