EDENBRIDGE & VISIONS OF ATLANTIS
Linz, Posthof
07.05.2003

Mit EDENBRIDGE scheint es auch in ihrer Heimat langsam, aber stetig aufwärts zu gehen: Immerhin etwa 200 Fans fanden an diesem heißen Mai-Abend den Weg in den Linzer Posthof, um sich erstmalig mit Songs des aktuellen Klassealbums "Aphelion" verwöhnen zu lassen (bei der "Arcana"-Präsentation Ende 2001 waren lediglich rund 100 Nasen anwesend gewesen). Als Support hatten sich die Steirer VISIONS OF ATLANTIS angekündigt.
Doch wie schon knapp über einen Monat vorher bei KING SIZE (vor GOTTHARD) verhinderten widrige Umstände den Auftritt einer heimischen Vorgruppe. Als Kurzzeit-RESURRECTION-Mitarbeiter Tom auf die Bühne trat und sich für das Nicht-Auftreten von VISIONS OF ATLANTIS entschuldigte, war ihm die Frustration ins Gesicht geschrieben. "Unser Keyboarder is einfach net kommen. Des wird Konsequenzen haben!" vertraute mir danach im vertraulichen Gespräch an.
Mit einer Panne startete leider auch der Auftritt von EDENBRIDGE. Lanvall, Sabine, Andreas, Roland und Gast-Basser Michael (VISIONS OF ATLANTIS) mutierten nämlich nach den ersten Takten des "Aphelion"-Openers "The undiscovered land" unfreiwillig zu Pantomimen: Urplötzlich war nämlich auf der Bühne der Strom ausgefallen. "Na des fangt ja guat an", seufzte Sängerin Sabine und setzte nach: "Aber auf eine schlechte Generalprobe folgt ein guter Auftritt!" Und sie sollte zum Glück Recht behalten...

...denn die neuen Songs klangen live genau so vielversprechend wie auf Konserve. Insbesondere bei den schleppenden (Halb)balladen "The final curtain" und "As far as eyes can see" kam die mehr als kerngesunde Stimme der hauptberuflichen Krankenschwester besonders zur Geltung. Schade nur, daß die wohl beste Metal-Band, die Linz je hatte (und was ist mit LEGACY OF HATE?! - J. S.), auf das überlange Meisterwerk "Red ball in blue sky" verzichtete. Aber das lag vermutlich daran, daß niemand auf die Schnelle Co-Sänger D.C. Cooper (SILENT FORCE) nach Linz einfliegen oder mit seiner eigenen Stimme ersetzen konnte.

Dafür trumpften EDENBRIDGE allerdings mit dem zehnminütigen Titeltrack des Vorgängerwerkes auf: "Arcana" erwies sich nicht nur als ideale Spielwiese für Zaubergitarrist Lanvall, sondern auch als würdiger Abschluss eines routiniert und professionell wirkenden, rund eineinhalbstündigen Gigs (für den Stromausfall war schließlich nicht die Band verantwortlich!). Kein Wunder, daß das Publikum nicht locker ließ und seine Lokalhelden für zwei Zugaben auf die Bühne zurück brüllte. Die erste davon hatte allerdings nicht viel mit dem Plattenfirmen-Etikett "Angelic bombastic rock" zu tun: Das schnelle "Starlight reverie" stieß live (genau so wie übrigens auch "Suspirira") fast schon in Power Metal-Dimensionen vor und sorgte im Publikum für heftiges Headbangen.

Erfreulich war auch, daß EDENBRIDGE nicht auf ihr erstes Album "Sunrise in eden" (2000) vergessen haben. Neben "Holy fire" und "Forever shine on" wußte einmal mehr die Indianer-Saga "Cheyenne spirit" (als zweite und letzte Zugabe) zu begeistern. Doch wie lange noch? "Die Nummer entwickelt sich schön langsam zu unserem persönlichen Smoke on the water", meinte Bandkopf Lanvall nach dem Gig leicht genervt. Was in mir sofort das belustigende Bild eines weißhaarigen Arne Stockhammer entstehen ließ, der wie DEEP PURPLE auch noch mit über 50 die Bühnen dieser Welt betourt... Aber Spaß beiseite: Noch schreiben wir 2003, und EDENBRIDGE haben ein tolles neues Album mit einem guten Live-Gig vorgestellt. Und diesmal war "Cheyenne spirit" ja auch noch mit dabei...

P. Z.