Mit einer Panne startete leider auch der Auftritt von EDENBRIDGE. Lanvall,
Sabine, Andreas, Roland und Gast-Basser Michael (VISIONS OF ATLANTIS)
mutierten nämlich nach den ersten Takten des
"Aphelion"-Openers "The undiscovered land" unfreiwillig
zu Pantomimen: Urplötzlich war nämlich auf der Bühne der
Strom ausgefallen. "Na des fangt ja guat an", seufzte
Sängerin Sabine und setzte nach: "Aber auf eine schlechte
Generalprobe folgt ein guter Auftritt!" Und sie sollte zum Glück
Recht behalten...
...denn die neuen Songs klangen live genau so vielversprechend wie auf
Konserve. Insbesondere bei den schleppenden (Halb)balladen "The final
curtain" und "As far as eyes can see" kam die mehr als
kerngesunde Stimme der hauptberuflichen Krankenschwester besonders zur
Geltung. Schade nur, daß die wohl beste Metal-Band, die Linz je hatte (und was ist mit LEGACY OF HATE?! - J. S.), auf das überlange Meisterwerk "Red ball in blue sky" verzichtete. Aber das lag vermutlich daran, daß niemand auf die Schnelle Co-Sänger
D.C. Cooper (SILENT FORCE) nach Linz einfliegen oder mit seiner eigenen
Stimme ersetzen konnte.
Dafür trumpften EDENBRIDGE allerdings mit dem zehnminütigen
Titeltrack des Vorgängerwerkes auf: "Arcana" erwies sich
nicht nur als ideale Spielwiese für Zaubergitarrist Lanvall, sondern
auch als würdiger Abschluss eines routiniert und professionell
wirkenden, rund eineinhalbstündigen Gigs (für den Stromausfall war
schließlich nicht die Band verantwortlich!). Kein Wunder, daß das
Publikum nicht locker ließ und seine Lokalhelden für zwei Zugaben
auf die Bühne zurück brüllte. Die erste davon hatte
allerdings nicht viel mit dem Plattenfirmen-Etikett "Angelic bombastic
rock" zu tun: Das schnelle "Starlight reverie" stieß
live (genau so wie übrigens auch "Suspirira") fast schon in
Power Metal-Dimensionen vor und sorgte im Publikum für heftiges
Headbangen.
Erfreulich war auch, daß EDENBRIDGE nicht auf ihr erstes Album
"Sunrise in eden" (2000) vergessen haben. Neben "Holy
fire" und "Forever shine on" wußte einmal mehr die
Indianer-Saga "Cheyenne spirit" (als zweite und letzte Zugabe) zu
begeistern. Doch wie lange noch? "Die Nummer entwickelt sich schön
langsam zu unserem persönlichen Smoke on the water", meinte
Bandkopf Lanvall nach dem Gig leicht genervt. Was in mir sofort das
belustigende Bild eines weißhaarigen Arne Stockhammer entstehen
ließ, der wie DEEP PURPLE auch noch mit über 50 die Bühnen
dieser Welt betourt... Aber Spaß beiseite: Noch schreiben wir 2003,
und EDENBRIDGE haben ein tolles neues Album mit einem guten Live-Gig
vorgestellt. Und diesmal war "Cheyenne spirit" ja auch noch mit dabei...