|
|
ICED EARTH
|
|
Wien, Planet Music
|
|
09.02.2002
|
 |
|
150 Minuten lange Show, alle Klassiker, keine Vorbands - das waren die Schlagworte, mit denen ICED EARTH diese Tour bestritten. Von einer Bekannten, die zwei Tage zuvor dem Salzburg-Gig beiwohnte, hörte ich dann von ständig wechselnden Bühnenaufbauten und einer tollen Pyroshow. Aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt...
|
|
Um 20.30 Uhr sollte Beginn sein, wirklich soweit war es aber erst eine gute Stunde später. Die Planet Music-Leinwand wurde eingezogen und der Blick auf das Bühnenbild wurde frei. Dies bestand aus Gemälde-ähnlichen Backdrops, auf denen ca. die Hälfte der Charaktere des "Horror show"-Albums dargestellt waren. Das vom Publikum lauthals mitgesungene "2 minutes to midnight" von IRON MAIDEN verklang und ICED EARTH betraten die Bühne. Sofort fiel die etwas seltsame Bühnenaufteilung ins Auge: Matthew Barlow, James McDonaugh und Larry Tarnowski mußten sich auf der rechten Bühnenseite zusammendrängen und Bandkopf Jon Schaffer beanspruchte die ganze linke Hälfte für sich. Ein weiteres Indiz, daß der Mann mittlerweile offensichtlich nicht mehr ganz am Boden ist...
Erster Song war "Burning times", jetzt schon ca. 4 Jahre lang der Show-Opener - könnte man sich nicht schön langsam was anderes einfallen lassen? Aber der erste Teil des Abends, der sich aus "Dark saga"- und "Something wicked comes this way"-Material zusammensetzte, ließ ansonsten keine weiteren Kritikpunkte aufkommen. Es kamen Standards wie "Dark saga", "I died for you" (natürlich), "Stand alone" und der "Something wicked"-Trilogie zum Zug, aber mit "The hunter", "Watching over me" und der "The suffering"-Trilogie vom "Dark saga"-Album wurden Songs zum Besten gegeben, die in den vergangenen Jahren nicht unbedingt Teil der ICED EARTH-Livesets waren. Die Band zeigte sich in recht guter Verfassung und der Sound war annehmbar.
Dann folgten ca. 15 Minuten Pause, in der das Bühnenbild aber nicht verändert wurde und Akt II begann. Hier gabs NUR Tracks des aktuellen "Horror show"-Albums zu hören, wobei man zugute halten muß, daß die Band hier eine recht gute Auswahl getroffen hat. "Wolf", "Damien", "Jack", Jekyll & Hyde", "Dracula" (leider) und "Frankenstein", bei welchem die tollen Schaffer-Vocals leider ziemlich untergingen. Dann verließ die Band die Bühne und kehrte für genau EINE Zugabe wieder zurück: "Iced Earth". Nach zwei Stunden - die 15-minütige Pause mit eingerechnet! - war also schon Schluß. Das Bühnenbild wurde den ganzen Abend lang beibehalten. Pyroshow? Fehlanzeige. Aber ICED EARTH sind doch eine fanfreundliche Band, die für so eine beschnittene Performance nicht den vollen Eintrittspreis verlangt, oder? Falsch gedacht.
In der Mitte des ersten Teiles gab Jon Schaffer eine Erklärung ab, was zu der Verzögerung geführt hätte: Am Tag zuvor in Budapest seien der Merchandiser und der Pyrotechniker zu Unrecht festgenommen worden, diese wurden dann per Kaution ausgelöst, der Tourtroß hätte aber auf die Beiden warten müssen. Was ich jetzt nicht verstehe: Die Band kam lt. Planet Music um 17.30 Uhr an, hatte also volle drei Stunden für die Vorbereitungen (Bühnenaufbau, Soundcheck usw.) Zeit, da es ja keine Vorbands gab - und trotzdem diese Verzögerung? Von der Pyroshow, den wechselnden Bühnenbildern und letzten halben Stunde, die dem Publikum vorenthalten wurde, ganz zu schweigen. Haben wir es hier mit satten, unflexiblen Rockstars zu tun? Traurig. Wer die Band 1997 mit NEVERMORE oder gar Anfang der 90er mit BLIND GUARDIAN gesehen hat, sollte den Vergleich kennen und wissen, was ich meine.
|
|