MANOWAR
Zlin (Tschechei), Sport Hall Novesta
01.06.2002

MANOWAR beehrten Anfang Juni unseren Kontinent anläßlich einer Handvoll Festival-Gigs, u.a. in Budapest, Mailand und Schweden. Die Kings Of Metal absolvierten zusätzlich noch drei Einzelgigs, einen in Slowenien und zwei in Tschechien. Geplant hatten Lord Elk und ich eigentlich, beide tschechischen Gigs zu besuchen, dazu ist es aber dann leider doch nicht gekommen (aber dazu später mehr).
Aber Zlin war auf jeden Fall eine Reise wert. Von Wien bei zügiger Fahrweise und Nichtvorhandensein von Staus, Baustellen etc. in gut 2 1/2 Stunden zu erreichen. Witzigerweise verfuhren wir uns auf österreichischem Bundesgebiet an die fünf Mal und in Tschechien fanden wir auf Anhieb nach Zlin und noch dazu befand sich die Location gleich am Ortsanfang. Dort fanden wir linksseitig eine mittelgroße Sporthalle vor, vor deren Eingänge sich schon eine ansehnliche Menschenmasse drängte. Allerdings machte uns stutzig, daß die Leute eigentlich großteils "unmetallisch" - also kurze Haare und "normale" Kleidung - aussahen. Aber ein Einheimischer bestätigte uns dann, am gewünschten Ort zu sein.

Leider war der MANOWAR-Gig um 21.05 Uhr schon im Gange, denn schon von weitem schallte uns "Kill with power" entgegen. Sehr ärgerlich, denn schuld an unserer Verspätung war eine ziemlich frustrierende, ca. 20-minütige Parkplatzsuche, die uns dann noch einen ca. 10-minütigen Fußweg bescherte. Verwunderlich ist auch, was mit den beiden tschechischen Vorbands - SCIENCE FICTION und DOGMA - passiert ist; eine sehr lange Spielzeit können die nicht gehabt haben...

Eine angenehme Überraschung erwartete uns dafür aber beim Einlaß: Ganze 400 tschechische Kronen pro Kopf und Nase nahm man uns ab; das sind umgerechnet nicht mehr als knappe 13 Euro!!! Wobei anzumerken ist, daß sich der Ordner das Geld wohl in die eigene Tasche gesteckt und uns unter der Hand reingelassen hat, da der Gig ausverkauft war, wie später auf der MANOWAR-Homepage zu lesen war. Die dort angeführten 3500 Besucher halte ich aber für übertrieben, 1500 bis 2000 sind für mich realistischer.

MANOWAR spielten gerade die Single des neuen Albums, "Warriors of the world united", als wir uns Richtung erste Reihe vorkämpften. Dabei fiel uns schon das äußerst angenehme tschechische Publikum auf, hier gabs kein blödes Drängeln, Zehensteigen oder ähnliches. Vorne angekommen, verkündete Eric Adams gerade "now Joey DeMaio will show you how to play bass", worauf natürlich ein Bass-Solo folgte. Dieses entpuppte sich als knapp zehnminütiges (typisch...) Konglomerat aus den verschiedenen Soli, die sich der MANOWAR-Chef im Laufe der Bandkarriere aus den Fingern geleiert hat, abgeschlossen durch "Flight of the bumblebee", und zwar so schnell, wie ich es überhaupt noch nie zuvor (dies war mein achter MANOWAR-Gig) miterleben durfte.

Leider haben sich die tschechischen Veranstalter mit der P.A. und überhaupt der Bühne nicht grad mit Ruhm bekleckert. Erstere verfügte zwar über recht stattliche Dimensionen - wenn man von den Verhältnissen für "normale" Bands ausgehen würde, aber an diesem Abend und bei MANOWAR führte dies dazu, daß dies wohl der "leiseste" Gig war, den ich je von der Band gehört hatte. Und was die "Bühne" angeht, so verdiente dieses kniehohe Etwas wohl kaum diese Bezeichnung und sorgte dafür, daß man von den auf ihr agierenden Musikern nur die Köpfe zu sehen bekam...

Auch Karl Logan hatte seinen Solo-Part; dies gab uns Anlaß zur Hoffnung, daß die Kings heute mit einem extralangen, Classix-gespickten Gig im 2 1/2-Stunden-Format - wie das die Band ja bei der 98er-Tour praktizierte - verwöhnen würde. Dies wurde aber bitter enttäuscht, denn mit Classix wars nix, denn mehr als eine Standard-Setlist war das nicht, die da (übrigens fast ohne Ansagen) runtergespult wurde: "Heart of steel", "Fighting the world", "Kings of metal", "Sign of the hammer", "Hail and kill" und "The power", das übrigens nahtlos in "House of death" vom neuen Album überging, welches beim tschechischen Publikum anscheinend noch nicht bekannt ist (obwohl die Scheibe am Montag dieser Woche weltweit erschien) und die Fans witzigerweise beim Refrain den von "The power" weitersangen. ;-) Und schon nach ca. 65 Minuten verließ die Band nach dem obligatorischen Schlußpunkt "Black wind, fire and steel" (ohne, daß DeMaio die Bassaiten zerriß) unwiderruflich die Bühne. Ca. 2/3 des Publikum konnte dies einfach nicht fassen und verblieb noch bis 15 Minuten nach dem "The crown and the ring"-Outro wie angewurzelt in der Halle stehen. Aber der Gig war vorbei und MANOWAR zu diesem Zeitpunkt sicher schon auf dem Weg nach Pilsen, wo am nächsten Tag der zweite Tschechien-Gig stattfinden sollte...

Von der Performance her war der Auftritt aber mehr als ok, die Band agierte keinesfalls lustlos und spielerisch gabs sowieso nix zu bemängeln. Trotzdem war die kurze Spielzeit ein gewichtiger Grund für uns, uns die ca. 450 km nach Pilsen zu sparen und lieber die Heimreise anzutreten. Es bleibt nur zu hoffen, daß die Band nicht wieder zu ihren Kurz-Gigs zurückkehrt, die sie noch bis vor 1997 praktiziert hat...

J. S.