Dabei hätte der Gig gar nicht schlecht begonnen. Auf das obligatorische
Orson Welles-Intro und "Manowar" folgten nämlich zwei mittelgroße
Überraschungen: Das völlig unterbewertete "Brothers of metal" und die
Indianer-Hommage "Spirit horse of the cherokee". Damit war es aber schon
Sense mit der Abwechslung! Während der restlichen Zeit beschränkten sich
MANOWAR auf das Herunterspielen ihres Standard-Repertoires à la "Kill with
power", "Sign of the hammer" oder "The gods made heavy metal": Gute bis
hervorragende, aber zweifellos zu oft gehörte Songs! Und auch vom neuen
Material kam mit "Warriors of the world united" und "Call to arms" nur
Vorhersehbares zum Einsatz.
Am bittersten war allerdings die Performance der Band selbst. Daß Scott
Columbus und Karl Logan keine großen Reden schwingen würden, war klar. Daß
aber Mastermind Joey DeMaio nur via Bass-Solo zu "seinen" Warriors sprechen
würde, hätte es früher nicht gegeben. O.K., vielleicht gingen ihm die etwas
komischen Umstände auf den ledergeschützten Sack! Zwar war die Eishalle
ziemlich gut gefüllt, zum Großteil aber mit kurzhaarigen Gästen ohne
Metal-Kluft. Und die benahmen sich dementsprechend! Außer unmittelbar vor
der Bühne sah man kaum einmal bangende Köpfe oder in die Höhe gereckte Arme.
Im Gegenteil: Die meisten standen einfach nur herum oder saßen(!)
teilnahmslos auf den Seitentribünen (du hast die vielen Sturzbesoffenen vergessen, die gar nicht mehr anders konnten - bei einem Bierpreis von umgerechnet € 1,-- für ein Halbes aberauch kein Wunder... - J. S.). Eine routinierte Band wie MANOWAR
sollte solche Seltsamkeiten aber eigentlich nicht mehr kratzen!
Und Eric Adams? Der war zwar toll bei Stimme, setzte diese aber so gut wie
nie zum Reden ein. Außer "It's fuckin' hot in here", "Now Mr. Joey DeMaio
will show you how to play the bass!" und "We will return to the Czech
Republic, good night!" war von ihm nichts zu vernehmen. Nicht ein
klitzekleines "Hi Jihlava, how are you?", nicht eine Ansage zu irgendeinem
Song! Von einem einsamen "Kings of metal"-Schrei einmal abgesehen... :-(
Aber es kam noch schlimmer, denn nach "Hail and kill" paßten sich MANOWAR
an das Geschehen im Auditorium an. Die "lauteste Band der Welt" schnappte
sich drei Sessel (Scott saß ja eh schon) und spielte Akustik-Kaffeekränzchen! "Swords in the wind", "Master of the wind" und "Courage" an einem Stück verbreiteten statt geheimnisvoller Mystik nur gepflegte Langeweile. Doch urplötzlich mutierte die Band wieder zu bösen
Metal Warriors und drosch nacheinander "Outlaw", "The power" und "House of
death" ins Publikum. Wie wärs mit ein bisserl Durchmischung, meine Herren?
Doch dazu war keine Zeit mehr: Schon dröhnte "Black wind, fire and steel"
aus dem Boxen, Joey fetzte wie üblich die Saiten von seinem Bass, und weg
waren sie. Und wenn die Karte mehr als ihre elf Euro gekostet hätte, wäre ich jetzt vermutlich endgültig angefressen gewesen.