MANOWAR
Jihlava (Tschechien), Eishalle
02.11.2002

Da kämpft man sich bei strömendem Regen stundenlang durch Weinviertel und Südmähren, zuckelt ewig hinter teuflisch langsamen Sonntagsfahrern her (Kennzeichen: "MI-666AM"), muß sich von übereifrigen Tschechen-Zöllnern verhören lassen... Und dann? Dann quälen sich MANOWAR in der Iglauer Eissporthalle mühsam auf eineinhalb Stunden Spielzeit, vergessen auf die Begrüßung und geben sich auch sonst maulfaul bis dorthinaus. Hoch geschätzte "Kings of metal": So behandelt man seine "Warriors of the world" auf keinen Fall!
Dabei hätte der Gig gar nicht schlecht begonnen. Auf das obligatorische Orson Welles-Intro und "Manowar" folgten nämlich zwei mittelgroße Überraschungen: Das völlig unterbewertete "Brothers of metal" und die Indianer-Hommage "Spirit horse of the cherokee". Damit war es aber schon Sense mit der Abwechslung! Während der restlichen Zeit beschränkten sich MANOWAR auf das Herunterspielen ihres Standard-Repertoires à la "Kill with power", "Sign of the hammer" oder "The gods made heavy metal": Gute bis hervorragende, aber zweifellos zu oft gehörte Songs! Und auch vom neuen Material kam mit "Warriors of the world united" und "Call to arms" nur Vorhersehbares zum Einsatz.

Am bittersten war allerdings die Performance der Band selbst. Daß Scott Columbus und Karl Logan keine großen Reden schwingen würden, war klar. Daß aber Mastermind Joey DeMaio nur via Bass-Solo zu "seinen" Warriors sprechen würde, hätte es früher nicht gegeben. O.K., vielleicht gingen ihm die etwas komischen Umstände auf den ledergeschützten Sack! Zwar war die Eishalle ziemlich gut gefüllt, zum Großteil aber mit kurzhaarigen Gästen ohne Metal-Kluft. Und die benahmen sich dementsprechend! Außer unmittelbar vor der Bühne sah man kaum einmal bangende Köpfe oder in die Höhe gereckte Arme. Im Gegenteil: Die meisten standen einfach nur herum oder saßen(!) teilnahmslos auf den Seitentribünen (du hast die vielen Sturzbesoffenen vergessen, die gar nicht mehr anders konnten - bei einem Bierpreis von umgerechnet € 1,-- für ein Halbes aberauch kein Wunder... - J. S.). Eine routinierte Band wie MANOWAR sollte solche Seltsamkeiten aber eigentlich nicht mehr kratzen!

Und Eric Adams? Der war zwar toll bei Stimme, setzte diese aber so gut wie nie zum Reden ein. Außer "It's fuckin' hot in here", "Now Mr. Joey DeMaio will show you how to play the bass!" und "We will return to the Czech Republic, good night!" war von ihm nichts zu vernehmen. Nicht ein klitzekleines "Hi Jihlava, how are you?", nicht eine Ansage zu irgendeinem Song! Von einem einsamen "Kings of metal"-Schrei einmal abgesehen... :-(

Aber es kam noch schlimmer, denn nach "Hail and kill" paßten sich MANOWAR an das Geschehen im Auditorium an. Die "lauteste Band der Welt" schnappte sich drei Sessel (Scott saß ja eh schon) und spielte Akustik-Kaffeekränzchen! "Swords in the wind", "Master of the wind" und "Courage" an einem Stück verbreiteten statt geheimnisvoller Mystik nur gepflegte Langeweile. Doch urplötzlich mutierte die Band wieder zu bösen Metal Warriors und drosch nacheinander "Outlaw", "The power" und "House of death" ins Publikum. Wie wärs mit ein bisserl Durchmischung, meine Herren? Doch dazu war keine Zeit mehr: Schon dröhnte "Black wind, fire and steel" aus dem Boxen, Joey fetzte wie üblich die Saiten von seinem Bass, und weg waren sie. Und wenn die Karte mehr als ihre elf Euro gekostet hätte, wäre ich jetzt vermutlich endgültig angefressen gewesen.

P. Z.