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NAZARETH & LOVE CHILD
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Salzburg, Rockhouse
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13.12.2002
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Salzburg im Advent: Am Domplatz läuten stimmungsvoll die Glocken, die
Punschleichen beginnen sich zu häufen, in den Straßen vermischt sich zarter
Lebkuchenduft mit dem Gestank von ranzigem Bratfett. Klarer Fall, das
Christkind steht vor der Tür! Und welche Band paßt da als einzige vom Namen
her dazu? Richtig: NAZARETH! Passenderweise bekamen die Hardrock-Veteranen
auch gleich ein "Geschenk": Ein ausverkauftes Rockhouse, und das
ausgerechnet an einem Freitag, dem Dreizehnten! Der Altersschnitt lag
freilich ziemlich über 30, doch es gab auch löbliche Ausnahmen. Zum Beispiel
diese beiden 18-jährigen Mädels aus Kuchl: "Normalerweis horchen ma ja eher
CANNIBAL CORPSE, aber NAZARETH kenna ma halt von klan auf durch unsere
Papas!" Kult!
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Nach der ansässigen Cover-Band LOVE CHILD, die sich als seeehr große
BEATLES-Fans entpuppten, legten NAZARETH mit dem "Boogaloo"-Opener "Light
comes down" los. Die erste und gleichzeitig letzte (halbwegs) aktuelle
Nummer übrigens! Denn gleich darauf starteten die Schotten-Rocker mit
"Razamanaz" eine kultig-krachige Zeitreise in die Siebziger und frühen
Achtziger. Klar, daß ihnen das nur musikalisch gelungen ist! Rein optisch
konnten nämlich vor allem die verbliebenen Gründungsmitglieder Dan
McCafferty (v., in Würde ergraut) und Pete Agnew (b., Glatze und fast mehr breit als hoch) ihr fortgeschrittenes Alter kaum verheimlichen.
Aber sie nahmens alle mit Humor! So ulkte der Frontmann vor "Bad boy" breit
grinsend ins Mikrofon: "The next song is about sex! Well, I remember..." ;-)
Nun, ein Organ funktioniert bei ihm auf jeden Fall noch: Seine
unvergleichliche Rasiermesserstimme nämlich! Besonders bei Balladen wie
"Dream on" oder "Heart's grown cold" wurde klar, daß ein Dan McCafferty
chartsüchtige Altersgenossen wie einen gewissen Joe Cover, äääh Cocker,
spielend von der Bühne blasen würde!
Ganz der stolze Papa war hingegen Basser Pete Agnew. Nach dem Herztod von
Original-Trommler Darrell Sweet (R.I.P.) auf der letzten Tour saß nämlich
erstmals sein Sohnemann Lee hinter dem Drumkit. Eine gelungene Entscheidung:
Klein-Agnew ist seinem Vater nämlich nicht nur wie aus dem Gesicht gerissen
(nur daß er ungefähr die Hälfte wiegt und noch Haare am Kopf trägt),
sondern hat den Geist von NAZARETH voll in sich aufgesogen. Selbst wenn er
als Drummer oder Background-Vokalist eigentlich Pause hatte, wetzte er auf
seinem Hocker herum wie der Zappelphilipp und sang jede Zeile mit.
Lees energiegeladenes Schlagzeugspiel kam denn auch bei härteren Nummern wie
"Hair of the dog" (mit dem genialen Refrain "Now you're messin' with a - a
son of a bitch") oder "This flight tonight" (der Song, der mich einst zum
NAZARETH-Fan machte) am besten zur Geltung. Letztere Nummer war es auch, die
den regulären Set beendete. Doch ein ausverkauftes Rockhouse läßt sich
nicht ohne Zugaben abspeisen! Folgerichtig wurden Dan, Pete & Co. lautstark
auf die Bühne zurückgebrüllt, wo sie zunächst den "Beggar's day" ausriefen.
Und dann kam endlich die sehnlichst erwartete Göttergabe, die nicht nur mich
zum Schmelzen brachte: Das unsterbliche, traumhafte, wunderschöne "Love
hurts", bei dem Dan noch einmal alle Register seiner Reibeisen-Stimmbänder
zog. Nach knapp über eineinhalb Stunden räumten NAZARETH schließlich die
Bühne - und ließen nach ihrem Klassegig eigentlich nur eine Frage offen:
Wann kommt das nächste Studioalbum? Denn schließlich hat "Boogaloo" auch
schon wieder fünf Jahre auf dem Buckel!
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