NECROPHOBIC, IMPIOUS & MAR
Wien, Planet Music
08.01.2003

Dieses Konzert war das erste nach der Weihnachtspause, also war ich über den doch recht mageren Besuch von schätzungsweise hundert bis hundertzwanzig Zuschauern doch ein wenig überrascht, wo dies doch immerhin das erste Konzert der schwedischen Kultband NECROPHOBIC überhaupt in Österreich war. Weiters konnten die aus Luleå stammenden SATARIEL leider nicht spielen, da deren Sänger Pär Johansson mit einer Kopfverletzung im Krankenhaus lag.
Den Anfang machten an diesem Abend die Wiener MAR, die mich mit ihrer im Sommer erschienenen CD "To the beat of a cold heart" überzeugen konnten, wobei das Ganze live noch eine Spur metallischer rüberkam als auf Tonträger. MAR punkteten vor allem mit sehr tightem Zusammenspiel, bei dem die beiden Gitarristen mit ihren ein wenig an JUDAS PRIEST oder IRON MAIDEN angelehnten Twin-Leads, beziehungsweise Melodien, bei einem für lokale Opener sensationellen Sound zu überzeugen wußten. Das einzige, was mir bei MAR nicht so gefiel, war der Gesang, der mich mit der Zeit doch ein wenig nervte, ist allerdings wohl eher Geschmackssache. Insgesamt auf jeden Fall eine sehr souveräne Vorstellung dieser Wiener Band.
Nun wären an und für sich SATARIEL an der Reihe gewesen, die allerdings aus weiter oben angeführten Gründen nicht auftreten konnten, deshalb enterten so gegen viertel zehn bereits IMPIOUS die Bühne, und sie konnten auf voller Linie überzeugen. Nach dem Intro des letzten Longplayers "The killer" wurde das Gemetzel mit "Burn the cross" sogleich eröffnet. Besonders beeindruckend war hierbei von Beginn and die Performance des gerade einmal achtzehnjährigen Schlagzeugers Mikke Norén, der neben einer technisch einwandfreien Vorstellung auch noch bangte, was das Zeug hielt. Schon nach dem ersten Song war klar, daß IMPIOUS keine Gefangenen machen würden, sie ließen einfach mit viel zu viel Spielfreude solche Kracher wie "Terrorgod", "The deathsquad", "Dimension hell" oder "Extreme pestilence" los und präsentierten dem Publikum, in dem sichs übrigens auch sämtlich Mitglieder von SATARIEL und NECROPHOBIC ordentlich in den vorderen Reihen gaben (auch der mit einer Kopfverletzung im Krankenhaus liegende SATARIEL-Sänger? - J. S.), eine höchst energiegeladene Show, bei der der vom Bass an die Gitarre gewechselte Robin Sjörquist immer wieder mit eindrucksvollen Leads brillierte und sich Sänger Martin Åkesson als ausgezeichneter Fronter präsentierte. Danach war zum Glück noch nicht Schluß, denn aufgrund des SATARIEL-Ausfalls konnten IMPIOUS zum Abschluß noch für eine Zugabe auf die Bühne kommen und dem leider viel zu mager erschienenen Publikum mit "Live wire" ein sehr gelungenes MÖTLEY CRÜE-Cover präsentieren.
Nach einer etwas längeren Umbaupause war es dann endlich soweit, die schwedische Kult-Band NECROPHOBIC betrat erstmals eine österreichische Bühne und bewies dem Publikum, warum sie im Underground einen derartig ausgezeichneten Status besitzen. Den Auftakt machte dieses Mal, ebenso wie bereits am W:O:A der Opener des letzten Werks "Bloodhymns", "Taste the black". Und auch hier waren die anderen Bands, IMPIOUS und SATARIEL in den vordersten Reihen vertreten und bangten was das Zeug hielt. Da dürfte sich der schwedisch Dreierpack untereinander wohl auch ausgezeichnet verstanden haben. Jedenfalls ließen die Stockholmer dann mit beispielsweise "Into armageddon", "Dreams shall flesh", "Bloodthirst" oder "Frozen empire" einen Kracher nach dem anderen vom Stapel, und dementsprechend entfachte auch das Publikum eine Stimmung, wie ich sie oft genug bei weitaus besser besuchten Konzerten nicht erlebte. Besonders Fronter Tobbe Sidegård und Sebastian Ramstedt legten sich ordentlich ins Zeug, wobei beim Leadgitarristen hier wohl eindeutig klar wurde, daß seine Tätowierung am Bauch, wo schlicht Metal steht, einfach Programm ist. Zwischendurch gabs noch "Act of rebellion", "Demonic" und "Mourningsoul", ehe endlich das lange geforderte "Nailing the holy one" vom 97er-Output "Darkside" der hungrigen Meute entgegengeschleudert wurde. Als Zugabe wurde dann noch das obligatorische "The nocturnal silence" intoniert, ehe sich NECROPHOBIC mit meinem absoluten Fave "The third of arrivals" zu noch einer weiteren Zugabe, die laut Bandaussage erstmals auf dieser Tour gespielt wurde, nach gut fünfundsiebzig Minuten vom Wiener Publikum verabschiedeten.
Fazit: Ein an und für sich wirklich ausgezeichneter Konzertabend, der lediglich zwei Wermutstropfen hatte. Zum einen, und auch weitaus mehr ins Gewicht fallenden, den Ausfall von SATARIEL und zum anderen den sehr schwachen Besuch.

E. M. P.