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NO MERCY V
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Wels, Alter Schl8hof
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12.04.2003
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TESTAMENT, MARDUK, DEATH ANGEL, DIE APOKALYPTISCHEN REITER, PRO-PAIN, MALEVOLENT CREATION, NUCLEAR ASSAULT & DARKANE - Abwechslungsreiche Kost quer durch den metallischen Gemüsegarten bot die "No Mercy"-Festivaltour bei ihrem Gastspiel im Welser
Schl8hof. Ebenso abwechslungsreich die Qualität der
"Speisen": Manchmal ausgezeichnet, manchmal okay, manchmal etwas
eintönig. Wirklich zum Speiben war allerdings nur der vorletzte Gang:
Ein mit brauner Scheiße angerührter Schwarzwurzel-Eintopf. Pfui Deibel!
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Als DARKANE um 17.30(!) die Bühne enterten, war dieser Eklat zum
Glück noch weit entfernt. Ich hatte die Schweden zuletzt am 1999er-
Dynamo Open Air gesehen, sie als Death/Thrash-Act gespeichert und von da an
aus Augen und Ohren verloren. Umso überraschender das Wiedersehen im
Schl8hof: DARKANE spielen mittlerweile sehr melodischen Thrash Metal und
haben einen Sänger, der diese Bezeichnung auch verdient! Eine
äußerst positive Weiterentwicklung, die von den wenigen bereits Anwesenden im Schl8hof mit kräftigem Applaus honoriert wurde.
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Nur 30 Minuten Spielzeit für NUCLEAR ASSAULT sind Frevel und
Majestätsbeleidigung. Zumindest auf der Bühne war den New Yorker
Kult-Thrashern aber sowohl diese Benachteiligung als auch der miese Sound
scheißegal! Souverän dirigierten Bassist Dan Lilker (wie immer
zugekifft bis zum Lockenscheitel) und Sänger/Gitarrist John Conelly
(immer noch das kleine, rothaarige Rumpelstilzchen) das
Thrash-Festspielpublikum in den ersten Reihen. Die freuten sich unter
anderem über "a song about washing your brain" (O-Ton John
Conelly vor - no na - "Brainwashed"), den wie immer MÖTLEY
CRÜE-Blondchen Vince Neil gewidmeten "Buttfuck" sowie die
Unter-Eine Minute-Gag-Nummern "Hang the pope",
"Lesbians" und "My america". Mit Abstand die wichtigste
Nummer war allerdings der "New song" mit seinem dankenswerten
Anti-Nazi-Text. Ob die rund 20 Volltrottel im BURZUM-Fascho-Shirt wohl kapiert haben, daß auch sie gemeint waren?
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Ihr ganz persönliches Nazi-Problem haben MALEVOLENT CREATION mit dem
Rauswurf von Jason Blachowitz (welch arischer Name...) ja schon vor Jahren
erledigt. Sein Mikro-Vorgänger/Nachfolger Brett Hoffmann glänzte
allerdings primär durch Unzuverlässigkeit und Drogenmißbrauch.
Darum malträtiert nun ein Neuzugang namens Kyle Symons seine
Stimmbänder bei den Florida-Deathern. Und das gar nicht schlecht: Mit
seinem hardcore-lastigen Organ (ich meine die Stimme...) verlieh er dem
neuerdings auch ziemlich thrashigen MALEVOLENT CREATION-Sound eine
eigenständige Note. Wer allerdings das Pech hat, direkt nach einer
lebenden Legende wie NUCLEAR ASSAULT auftreten zu müssen, hats schwer.
Diese Erfahrung mußten auch "MEILVOULENT KLESCHN" im Schl8hof machen.
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Anschließend durften PRO-PAIN wieder einmal abwechselnd ihren
schnellen und ihren langsamen Metalcore-Song spielen. Und das weit über
eine halbe Stunde lang und ohne den kranken zweiten Gitarristen! Der
Springginkerl-Fraktion ganz vorne war es wurscht, traditionellere Geister
verharrten jedoch lieber zurückhaltend in den hinteren Reihen. Dort kam
lediglich bei älteren Nummern wie "Get real" oder "Make
war not love" so etwas wie Stimmung auf. Dabei wäre es für
PRO-PAIN ja so einfach gewesen: Einfach "Death on the dancefloor"
spielen, und wie vor sechs Jahren hätte der ganze Schl8hof getobt. Aber so...
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"Kalypso-Reiter", "Eukalyptus-Reiter" oder einfach nur
"Die G'störten": An Schimpfnamen über DIE
APOKALYPTISCHEN REITER mangelte es in Wels nicht. Nun, auch ich bin nicht
unbedingt ein Über-Fan der schrägen Ossi-Partie. Live hat der
Crossover aus RAMMSTEIN-Riffs, Death Metal und atmosphärischen Parts
aber durchaus seinen Reiz. Und das Wichtigste: DIE APOKALYPTISCHEN REITER
nehmen sich selbst überhaupt nicht ernst. 'Nuff said, wer eine fundiertere Kritik lesen will, sei auf Wechtis Wien-Review verwiesen.
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Ganz ohne Vorwarnung folgte einer der besten Gigs meiner bisherigen
Metaller-Karriere. Dass DEATH ANGEL auf Konserve erstklassig sind, war mir
zwar schon lange bekannt. Daß die fünf Cousins von den Philippinen
aber 13 Jahre(!) nach ihrem letzten Studiowerk "Act III" live
derart aufdrehen würden, hätte sich wohl niemand erträumt.
Die reformierte ehemalige "Metal-Boygroup" präsentierte sich
im Schl8hof, als wäre sie nie weg gewesen: Einmal pfeilschnell
thrashend, dann wieder funkig groovend tobte sich das Gitarrenduo Rob
Cavestany und Gus Pepa auf dem nahtlosen Rhythmus-Teppich ihrer Cousins
Dennis Pepa (b.) und Andy Galeon (d.) aus. Purer Spaß an der Freude
also, der einmal "The organization", ein andermal "Welcome to
the third floor" und dann wieder völlig unpassend
"Bored" hieß. Denn Langeweile hatte während des
gesamten DEATH ANGEL-Auftrittes auch im Schl8hof-Publikum keinen Platz.
Dafür sorgte auch und vor allem Sänger/Mädchenschwarm Mark
Osegueda: Nicht nur mit seinem erstklassigen Gesang, sondern auch durch sein
Plädoyer für die Einheit der bekanntlich seit den Neunzigern
stilistisch zersplitterten Metalszene. Dazu passend (im übertragenen
Sinne natürlich) der Schluß-Song "Kill as one". Bei dieser
Nummer waren selbst in den hintersten Reihen die Fäuste in die
Höhe gereckt! Darum, Mark, Rob, Gus, Dennis, Andy: Ihr seid alle erst Anfang 30! Ich flehe euch auf Knien an: Macht bitte weiter!
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"Warschauer Aufstand der polnischen Widerstandsbewegung von deutschen
Truppen zerschlagen (1. August bis 3. Oktober)". Das steht im
Ploetz-Nachschlagewerk "Weltgeschichte auf einen Blick", wenn man
das Jahr 1944 aufschlägt. Nun trägt ein Gitarrist einer Black
Metal-Band ein T-Shirt mit der Aufschrift "Warschau 1944". Was
schließen wir daraus? Richtig, er identifiziert sich voll und ganz mit
dieser Nazi-Untat. Und wahrscheinlich nicht nur mit dieser, sondern mit der
gesamten Adolfschen Mörderbagage. Und wahrscheinlich nicht nur dieser
Gitarrist, sondern gleich die ganze Band. Und die rund 20 Volltrottel im
BURZUM-Fascho-Shirt können mehr als eine Stunde lang bei garantiert
rein arischem Schwarzgeknüppel vom Vierten Reich träumen... Warum,
zum Henker, dürfen geistige Irrlichter wie MARDUK ungestraft heimische Metal-Stages besudeln?
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Nach einer elendiglich langen Umbaupause (wahrscheinlich dauerte es so
lange, die ganze braune Scheiße von der Bühne zu wischen) durften
endlich TESTAMENT passend vor der Karwoche ihre Wiederauferstehung feiern.
Ob Chuck Billy nun den Krebs gänzlich besiegt hat, wissen wir nicht.
Doch es gibt wohl keinen, der dem sympathischen Indianer-Hünen nicht
die vollständige Genesung wünschen würde! Zumal er zum
Glück meistens seinen alten Gesangsstil zelebrierte, anstatt sich als
Death Metal-Grunzer zum Affen zu machen. In punkto Setlist konzentrierten
TESTAMENT neben einigen Songs vom immer noch aktuellen "The
gathering"-Werk vor allem auf die Klassiker der ersten beiden Alben.
"Over the wall", "Burnt offerings", "Disciples of
the watch" und vor allem "Into the pit" haben auch nach 16
bzw. 15 Jahren nichts von ihrer Durchschlagskraft verloren und weckten
zahlreiche müde Thrasher aus ihrer Lethargie. Schade nur, daß
TESTAMENT wegen der Verzögerung (welcher? - J. S.) nur mehr eine Zugabe spielen durften.
Leider aber bestanden Eric Peterson & Co. auf der "Low"-Nummer
"Dog faced gods", obwohl wir doch alle sooo gerne "Alone in
the dark" gestanden wären... Aber genug des Suderns: Auch so haben
TESTAMENT den wechselvollen "No Mercy"-Marathon würdig abgeschlossen.
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