ROCK SHOCK III
Wien, Planet Music
12.05.2001

Leider nur an die 50 zahlenden Gäste fanden sich im beim dritten (und deshalb auch letzten) ROCKSHOCK-Festival ein, bei dem WARHAMMER, SEPTICEMIA, NEBULAR MOON, NO PRIDE, GOLGOTHA & EMPYRE auftraten. Die Gründe für das Fernbleiben der "Szene" sind mir nicht so ganz klar. Da sind ja die Vorrunden von Popodrom oder YBC besser besucht! Ein Konzertabend in privater, familiärer Atmosphäre also. Ich hab gern viel Platz und ich war ja hauptsächlich wegen der Musik da. Außerdem hatte ich schon sehr geile Bands im halbleeren Planet/Rockhaus gesehen. Gleich vorwegschicken möchte ich, daß trotz dieser Bedingungen die Stimmung im Publikum von Anfang an sehr positiv war und jede Band herzlich empfangen wurde.
EMPYRE eröffneten das Billing (IN BLACKEST VELVET haben übrigens abgesagt) und die anwesenden Zuschauer wanderten gleich mal vor zur Bühne (was ja leider eigentlich nicht die Regel ist). Auch der Mann am Mischpult ließ sich nicht lumpen und "glühte" die P.A. sofort ohne Erbarmen auf. EMPYRE servierten souverän ihren frischen Black/Death-Cocktail und konnten in Punkto Zusammenspiel, musikalischen Ideen und Kompetenz am Instrument (cooles "Sweeping"-Solo!) sehr überzeugen. Ein gelungener Opener.
Weiter gings mit NO PRIDE und ihrem etwas an MY DYING BRIDE erinnernden Gothic-Rock/Metal. Teilweise waren mir die Jungs aber dann doch wieder etwas zu poppig. Vor allem bei den stimmlichen Egotrips des Sängers und Keyboarders, glaubte ich manchmal STEVIE WONDER vor mir zu sehen. Auch vom Timing und Zusammenspiel war es nicht gerade perfekt. Dennoch, eine gelungene Abwechslung.
Die Steirer GOLGOTHA enterten als nächstes die Bühne. Gothic-Metal a la THEATER OF TRAGEDY mit "braver" Sängerin und "bösem" männlichem Gegenstück war nun angesagt. Immer wieder interessant und lustig bei solchen Bands finde ich das Verharren in eigenartigen, starren Posen während der Singpausen. Auch diesmal war es wieder witzig (eine Mischung zwischen Baum und Gekreuzigtem). Der Sound war auf einmal wieder sehr gut und auch sonst war ich von der Band, die ich hier zum ersten Mal sah, eigentlich nur positiv überrascht. Ein gelungene Performance mit guten Songs. GOLGOTHA standen an diesem Abend diversen erfolgreicheren Kollegen dieses Genres um nichts nach.
Eine eher kuriose Show lieferten anschließend die deutschen Black-Metaller NEBULAR MOON. Schon reichlich mit Alk vollgetankt (die Burschen lagen in diesem Zustand angeblich schon um 9 Uhr Früh(!) am Gehsteig vor dem Planet Music herum - J. S.), gaben sie ihre Österreich-Premiere. Irgendwie war zu diesem Zeitpunkt der Sound leider ziemlich undifferenziert und eigentlich nur mehr laut. Als sich der Keyboarder dann gegen Mitte des Sets mit den Worten "Keyboard is kaputt" sein Background-Mikro schnappte und sich weiter nach vorne stellte, gings dann wild zur Sache. Extremes Geschreie und total verwaschener Soundbrei. Zuerst war das ja noch irgendwie lustig, aber mit der Zeit nicht mehr auszuhalten (trotz in die Ohren eingeführter Zigarettenfilter). Allerdings ein Lob an die Deutschen, daß sie sich trotz mangelhafter Zuschauer und technischer Probleme nicht beirren hatten lassen, und so agierten, als ob ihnen eine gefüllte Halle zu Füßen liegen würde. (R. S.)
SEPTICEMIA legten wieder mal eine gelungene Show hin (auch, wenn das die Band anders sah), mit welcher sie ihren Status als eine der beliebtesten Wiener Underground-Bands unter Beweis stellten. Und das sind sie zurecht, denn SEPTICEMIA finden einfach die richtige Mischung aus Death-, Black- und Thrash Metal sowie aus technischem Können und Eingängigkeit. Man merkt der Band einfach die Bühnenerfahrung an, die sie mittlerweile gesammelt hat - es zahlt sich eben auch aus, vor nur 50 Maxeln aufzutreten!
Diese Maxime scheinen WARHAMMER erfunden zu haben. Die Band ist alles andere als technisch perfekt und kann auch kein besonders spektakuläres Image aufweisen, aber die Vier scheinen wahre Idealisten zu sein, denn sie legten sich für die mittlerweile nur mehr knapp 30 Fans genauso ins Zeug, wie wenn sie in Wacken vor einer vierstelligen Anzahl stehen würden. Und dem nicht genug, die Band hängte an die vereinbarten 60 Minuten noch 20(!) dran! Hut ab und DANKE an WARHAMMER, sie haben uns gezeigt, daß der Metal LEBT! Geboten wurde ein guter Querschnitt aus den bisherigen Alben der Band; der reguläre Set wurde mit "Demon´s breed", dem meiner Meinung nach besten WARHAMMER-Song, beschlossen, aber die Band kehrte dann nochmals für eine Zugabe zurück, bei der es sich um die BATHORY-Coverversion "The return of the darkness and evil" handelte. Dies war ein Gig, an den sich die wenigen Anwesenden sicherlich noch lange erinnern werden! (J. S.)

R. S. & J. S.