SAVATAGE, BLAZE & VICIOUS RUMORS
Graz, Orpheum
03.02.2002

Da ich am Vortag in Wien die offensichtlich wiedererstarkten VICIOUS RUMORS bis auf einen Song versäumte und SAVATAGE in Bestform waren, beschloß ich, mich auch nach Graz zu begeben und dem metallischen Treiben ein zweites Mal beizuwohnen.
Und schon alleine wegen der US Metal-Götter lohnte sich der Trip in die Hauptstadt der grünen Mark. Ohne Intro legten VICIOUS RUMORS mit "Digital dictator" los - man bedenke die Ironie: erst 2002 darf ich den Song das erste Mal live hören... Den ganzen 30-minütigen Gig kann man eigentlich nur als eine VR-Best Of-Show, speziell für mich zugeschnitten, bezeichnen, denn die Band spielte fast alle meiner Lieblingssongs und dafür LIEBE ICH SIE ABGÖTTISCH! Irrwitzige Uptempo-Fetzer wie "You only live twice" oder "On the edge" (wie in Wien der Abschluß); gnadenlose Midtempo-Stampfer in Form von "Don´t wait for me" und "Abandoned" (wie sie eben nur VICIOUS RUMORS zustandebringen, seufz...); und eine Perle wie das von wieder-Sänger Brian O´Conner irrtümlich als "Lady took a chance" - in dem Moment blieb mir das Herz stehen, denn DER Song wäre zu schön gewesen! - angesagte "Down to the temple". Der einfach unverwüstliche Geoff Thorpe hat hier meiner Meinung nach das beste Line Up seit dem tragischen Tod von Carl "The Ace" Albert beisammen: Charismatische Typen wie Ira Black (ex-HEATHEN, g.) mit seiner "unter-Arsch-lang"-Matte und Bassist Cornbread (cooles Pseudonym!), dazu mit Dan Lawson einen Drummer, der sein Kit mindestens ebenso verprügelt wie anno dazumals Larry Howe - und nicht zu vergessen Brian O´Conner, der nach dem Rausschmiß von Morgan Thorne wieder bei VR das Mikro schwingt. Auf der 97er-Tour mit BLIND GUARDIAN hab ich den Typen wegen seines viel zu hardcore-mäßigen Outfits und Auftretens GEHASST, aber JETZT ist er großartig und bringt die Songs fast wie ein Carl Albert rüber, unglaublich. Eigentlich stünde VICIOUS RUMORS ja der 2. Platz im Billing statt des eher schwachen BLAZE zu, aber in dieser Form ist mit VR auf jeden Fall wieder zu rechnen! (J. S.)
Nach den, wie ich hörte, hervorragenden VICIOUS RUMORS (Ich war leider durch das SAVATAGE-Interview verhindert) mußten BLAZE erst einmal zeigen, ob sie disen Level halten können. Und eines sah man sofort: Daß BLAZE hier absolut gewillt waren, dem Publikum eine wirklich energiegeladene und mitreißende Show zu liefern. Denn was die Band, allen voran Sänger Blaze Bayley, der aufgrund seiner verrückten Live-Performance auf der Tour von allen nur noch "Monkey Man" genannt wird, auf der Bühne abzogen, war wirklich einmalig. So hüpfte, sprang und rannte er ständig von einem Ende der Bühne zum anderen. Wie wild wurde gestikuliert und in alle Himmelsrichtungen geboxt und getreten. Selten habe ich jemanden einen solch psychopathischen Blick in die Menge werfen sehen. All diese Ausbrüche des hyperaktiven Energiebündels fanden schließlich ihren Höhepunkt, als der Gute die Bühnenkonstruktion erklomm und einen ganzen Song halb stehend, halb hängend in luftiger Höhe dahinträllerte. Doch abgesehen von diesem doch recht fragwürdigen, zwischen Begeisterung und Peinlichkeit schwankenden Stageacting boten BLAZE eine durchaus ansprechende Show. Mit Killer-Songs wie "Silicon messiah", "The launch" oder "Ghost in the machine" brachte er die Stimmung zum Kochen. Dazu kam noch das die Stücke der neuen Scheibe live um ein vielfaches härter und aggressiver kommen als auf der CD. Und so konnte man auch mit "Kill and destroy", "The tenth dimension" oder "Nothing will stop me" gehörig punkten. Zusätzlich hat der gute Blaze noch die Songs aus der IRON MAIDEN-Ära im petto. "Man on the edge" und "Futureal" zählten unbestritten zu den absoluten Höhepunkten der Show. So war ich wirklich zufrieden mit dem Auftritt, als die Bühne nun endlich frei für die Headliner SAVATAGE war. Und eines ist sicher: Dieses "kranke" Stageacting werd ich so schnell nicht wieder vergessen. KULT! (J. K.)
Und nicht nur wegen VICIOUS RUMORS hat sich die Reise nach Graz gelohnt, sondern auch wegen des Headliners. SAVATAGE konnten nämlich auf ihre ohnehin schon sehr geniale Wien-Show noch eins drauflegen! Die Setlist war die gleiche wie am Tag zuvor (siehe Bericht), bis auf "Morphine child" und einem zweiten Song (der mir leider entfallen ist), die aufgrund des behördlich festgelegten Konzertendes von 23 Uhr im Orpheum weggelassen werden mußten. Ich bin wirklich dankbar, hier dabeigewesen zu sein. Der Grund dafür heißt Damond Jiniya, denn diesem wurden in Graz mehr Freiheiten als in Wien gelassen, was sich als weiser Entschluß herausstellte. "This is the time" sang Jiniya mit solcher Inbrunst und Leidenschaft, daß ich um meine Fassung ringen mußte - eine Sternstunde! Hier offenbarten sich auch die vollen Qualitäten des neuen Mannes, denn man muß es einmal schaffen, die Gesangslinien des einen Sängers besser zu singen und dem anderen Sänger, gemessen an dessem bester Phase Mitte/Ende der 80er, zumindest ebenbürtig zu sein. Phänomenal. Spätestens bei der nächsten Tour wird keiner mehr Zak Stevens (ohne jetzt dessen Können und Verdienste um die Band schmälern zu wollen!) vermissen. Hinzu kam die einmalige Orpheum-Atmosphäre, die für eine theatralisch-orchestrale Band wie SAVATAGE einfach wie geschaffen ist. An diesen Gig werde ich mich noch sehr lange erinnern, weil es einer der besten war, den ich je gesehen habe. Und auf das nächste SAVA-Studioalbum, das in dieser Besetzung eingespielt wird, dürfen wir schon gespannt sein! (J. S.)

J. K. & J. S.