|
|
SAXON, BRAINSTORM & TANQUERAY
|
|
Salzburg, Rockhouse
|
|
04.04.2003
|
 |
|
"SAXON kommen ins Rockhouse!" Alleine auf Grund dieser Nachricht
war für mich der Freitag mit den zwei Vierern seit Wochen fix verplant
gewesen. Und dann spielte mit BRAINSTORM auch noch eine der besten modernen
Power Metal-Bands überhaupt im Vorprogramm der NWOBHM-Legende! Keine
Frage: Dieses geniale Kombination durfte man sich als Liebhaber
klassisch-harter Klänge nicht entgehen lassen. Mit 450 Metalheads war das Rockhouse dann auch bis auf den letzten Platz ausverkauft.
|
|
Noch nicht einmal die Hälfte davon stand beim Auftritt der Salzburger
TANQERAY vor der Bühne. Wer schon da war, hörte eine gute halbe
Stunde lang teils thrashigen, teils folkigen, mit Viola-Gefiedel unterlegten
Metal. Als Anheizer nicht übel, aber doch noch etwas unroutiniert: Das
Instumentalstück zu Beginn war viel zu lang und das Schlagzeug
insgesamt viel zu laut. Das "Schleichts eich, mir woin SAXON
seng!"-Gegröle einiger verwirrter Prolos hatten sich TANQUERAY
aber dann doch nicht verdient. Wenn ihr stänkern wollts, dann schleichts euch doch ihr! Und zwar in die nächste Bauerndisco!
|
|
Zum Glück aber löste sich dieses Problem bald von selbst:
"Wenn es jemals einen perfekten Einheizer gegeben hat, dann waren es
BRAINSTORM anno 1998 vor ICED EARTH." Was ich in meinem "Metus
mortis"-Review über den ersten Rockhouse-Gig der Deutschen
geschrieben hatte, galt ohne Einschränkung auch dreieinhalb Jahre
später. Alles war wieder da: Die knackigen, sehr amerikanischen
Arschtritt-Riffs von Milan Loncaric und Thorsten Ihlenfeld, das präzise
"Bassieren" von Andreas Mailänder und das wuchtige Power-Drumming von Dieter Bernert. Nur Sänger Andy B. Franck war damals noch nicht dabei gewesen. Doch dieser entpuppte sich live nicht nur als einer der besten, sondern auch sympathischsten deutschen Metal-Sänger überhaupt. Zuerst kühlte er das in jeder Pause wie verrückt "BRAINSTORM, BRAINSTORM!" brüllende Publikum mit mehreren
"Schschsch" ab. Dann stellte er sich hin, begann in die Hände zu klatschen und sagte: "So, jetzt kriegt ihr einen von mir!" Worauf er natürlich noch euphorischere Reaktionen als nach den ausschließlich exzellenten Songs erntete!
In punkto Setlist konzentierten sich BRAINSTORM natürlich auf "Metus mortis"-Kracher wie "Blind suffering" oder "Under lights", ergänzt durch gelegentliche "Ambiguity"-Einsprengsel wie etwa das indisch angehauchte "Maharaja Palace". Warum aber fand das "Unholy"-Werk, mit dem die Band 1998 so abgeräumt hatte, gar keine Berücksichtigung? Und warum brachten BRAINSTORM nur ganz wenige wirklich schnelle Nackenbrecher zum Einsatz? Fragen, die sich auf Grund der trotzdem famosen Performance des Power-Quintetts eigentlich erübrigten. Die Meute sah es genauso und wollte BRAINSTORM auch nach der Zugabe "Meet me in the dark" nicht von der Bühne lassen. But the best was yet to come...
|
|
Es kam zunächst in Form von dunkelviolettem Licht und unheilvollem
Donnergrollen vom Band. Dann ein mächtiges Aufröhren von Paul
Quinns E-Gitarre, und schon legten SAXON mit "Heavy metal thunder"
los. Genauso gut hätte Biff Byford aber auch "Heavy metal
sauna" singen können: In den folgenden zwei Stunden erlebte ich
nämlich den schweißtreibendsten Gig meines bisherigen
Metaller-Daseins. An diesem Abend paßte einfach alles! Die Band spielte
sich in einen wahren Rausch, das Publikum ging bis in die hinteren Reihen
mit, und jeder hatte einfach mächtig viel Spaß. Was machte da
schon die geschwollene Nase, die mir mein Vordermann versehentlich im
"Motorcycle man"-Moshpit bescherte? ;-)
Bescherung war zum Glück auch bei SAXON angesagt! Zusätzlich zu
einer Menge Klassiker plus zwei tollen aktuellen Songs ("Killing
ground" und die KING CRIMSON-Bandhymne "Court of the crimson
king") zauberten die Briten auch einige vergessene Juwelen aus ihrer
Bandgeschichte hervor. Darunter auch zwei aus der in punkto SAXON als
"kommerziell" verschrienen zweiten Achtziger-Hälfte:
"Broken heroes" von "Innocence is no excuse" (1985) und
"Battle cry" von Rock the nations (1986). Aber auch "Still
fit to boogie" vom selbstbetitelten Debüt (1979) sowie das
ergreifende "Requiem (we will remember)" von 1990 waren garantiert
schon seit drei Ewigkeiten mehr auf keiner SAXON-Setlist zu finden!
Eine weitere Überraschung, nämlich "The eagle has
landed", nahm Biff zum Anlaß für eine augenzwinkernde
Entschuldigung: "I'm sorry that we weren't able to bring the eagle with
us this evening. But either the door was too small, or his balls were too
big!" Für Nostalgiker, die SAXON unbedingt noch einmal mit der
legendären Adler-Bühnendekoration erleben wollen, hatte der
Frontmann aber eine gute Nachricht: "We're goin' to headline the Vienna
Metalfest in August WITH the eagle!" Aber wo wird er dort seine Eier
hinlegen? ;-) Wie auch immer: Musikalisch landete der Adler in Salzburg
jedenfalls einwandfrei!
Dafür sorgten natürlich auch die zahlreichen Klassiker, ohne die
ein SAXON-Konzert nur eine halbe Sache wäre. Egal ob mehr als 20
("20.000 feet", "Princess of the night"), knapp
über zehn ("Solid ball of rock") oder erst wenige Jahre alt
("The thin red line", "Metalhead"): Jeder Song fuhr
sofort in die Glieder und brachte einen automatisch zum Bangen. Besonders
hatte es dem Publikum jedoch der "Crusader" angetan. Einige
Unverbesserliche forderten doch glatt in jeder Pause die Kreuzfahrer-Hymne
von 1984! Was Biff schulterzuckend zur Frage verleitete: "Why do the
people always want to hear this fuckin' war songs?" Knapp vor Schluß
durften die "Warriors of england" dann aber doch ihr Blut im Sand
des Morgenlandes vergießen. Irgendwie befremdlich angesichts der
Tatsache, daß das zur Zeit im Irak wirklich passiert...
Sei es, wie es sei: Klugerweise verkniff sich Biff jeden eindeutigen
Kommentar pro oder kontra Krieg. Und auch wenn es bandintern vielleicht
Diskussionen darüber geben dürfte (schließlich ist Drummer
Fritz Randow Deutscher): Musikalisch präsentierten sich Biff, Quinn,
Randow, Doug Scarrat (g.) und Nibbs Carter (b.) in Salzburg als Einheit. Und
belohnten das euphorische Rockhouse-Publikum am Ende sogar noch mit drei
Zugaben: "Denim and leather", "Wheels of steel" und
"Strong arm of the law". Nach diesem unschlagbaren Titelsong-Trio
war mir endgültig klar, daß ich soeben einen der schönsten Konzertabende meines Lebens erlebt hatte!
|
|