SIX FEED UNDER, OBSCENITY, DEFENDER KFS & IMPURITY
Wien, Arena
02.07.2003

Beim letzten größeren Konzert vor der Sommerpause fanden sich trotz bereits stattfindender Ferien immerhin schätzungsweise dreihundert Fans in der Arena wieder.
Als Opener agierten die Steirer IMPURITY, die, ums gleich vorweg zunehmen, mit Sicherheit nicht ihren besten Tag erwischten. Das hatte zum einen den extrem miserablen Sound, der auf der Bühne auch nicht besser gewesen sein dürfte und die dadurch resultierenden Timingschwankungen zur Folge, sodaß die Band trotz guten Materials, ambitionierter Bemühungen und auf jeden Fall vorhandener Spielfreude nicht mitzureißen oder gar zu begeistern vermochte. Schade eigentlich.
Bei den Wiener DEFENDER KFS, die nach längerer Abstinenz sich wieder einmal die Ehre gaben, wars in Punkto Sound leider auch nur marginal besser. Vor allem das Schlagzeug war verheerend abgenommen und die Gitarren im Gesamtsound auch um einiges zu leise. Die vor allem aus neuen Stücken zusammengestellte Setlist kam dadurch leider auch nicht optimal rüber, aber Stücke wie "Halls of fire" von der "The command"-CD konnte ebenso wie das neue Material (besonders positiv ist mir hier ein Track mit "... idol" in Erinnerung geblieben) unter Abstrichen des schlechten Sounds durchaus überzeugen. Ich für meinen Teil bin jedenfalls auf den nächsten Output von DEFENDER KFS schon ziemlich gespannt.
Der heimliche Headliner waren dann die Deutschen OBSCENITY, die wohl eine der dienstältesten Death Metal-Bands unseres großen Nachbarn sind. Bei ihnen hat verwunderlicherweise dann unter Berücksichtigung von ein paar kleinen Abstrichen auch der Sound gepaßt, er war eigentlich nach den vorangegangenen Leistungen der Tontechniker sogar richtig gut. Jedenfalls legten OBSCENITY gleich ordentlich los und unterstrichen gleich von Beginn an, daß sie an diesem Abend die mit Abstand brutalste Band sein würden. Frontmann Oliver Jauch ging im stimmlichen Duell mit Chris Barnes meiner Meinung nach jedenfalls als klarer Sieger von der Bühne. Und auch die instrumentale Darbietung war wirklich erstklassig, man merkte der Band immense Freude an der Sache an und hier hat von Seiten der spielerischen Performance auch alles gepaßt; verdammt tight, wie hier zu Werke gegangen wurde und bei Songs wie "Human barbecue", "Bleed for me", "The arrival" oder "Realm of the dead" konnte man einfach nichts falsch machen und ein beträchtlicher Teil der Fans wußte dies zu schätzen, wie es an den Reaktionen ersichtlich war.
Fürs erste waren jetzt einmal rund zwanzig Minuten Umbaupause angesagt, ehe SIX FEED UNDER ein halbes Jahr nach ihrem letzten Wien-Gig, der mir aufgrund ausschweifenden Alkoholkonsums nicht mehr sonderlich gut in Erinnerung ist, die Bühne der großen Arena enterten. Ich muß gestehen, daß ich das Erstwerk "Haunted" nach wie vor für das Maß aller Dinge bei SFU und die darauffolgenden Releases für zunehmend schwächer halte. Der Sound war im Großen und Ganzen auch bei den Amis, vielleicht abgesehen davon, daß die Gitarre eine Spur lauter sein hätte können, durchwegs in Ordnung, nur ist mir das Material, das sich aus einem objektiv gesehen durchaus gelungenen Mix der drei Longplayer zusammensetzte, als Beispiele seien hier nur mal "Human Target", "Animal instinct", "Bonesaw", Feasting on the blood of the insane", "Nonexistence", "Suffering in ecstasy", das AC/DC-Cover "TNT" oder das abschließende "Beneath a black sky" genannt, auf Dauer, trotz recht mitreißenden Grooves, zu monoton und gleichförmig aufgebaut. Ebenfalls befanden sich in der knapp einstündigen Setlist, soweit mir in Erinnerung, zwei neue Stücke, die ebenso wie die ebengenannten ganz unterhaltsam und vom Spielerischen her auch top umgesetzt rüberkamen, nur auf Dauer wirkte das Ganze dann doch ein wenig langweilig. Von Chris Barnes war ich ehrlich gesagt enttäuscht, einerseits wirkte er zum einen wieder mal schwerst bekifft, was er auch ganz offensichtlich war, dann kamen die dezent hip hopig-wirkenden Gesten nicht sonderlich leiwand rüber und stimmlich dürfte er seinen Zenit auch schon überschritten haben. Erstens waren seine Vocals vor allem auch bei Songs wie "Bonesaw", die auf Tonträger ziemlich brutal rüberkommen, zum einen um einiges höher und zum anderen wirkten sie auch nicht wirklich druckvoll, so wie man es von ihm von früheren Konzerten gewohnt war. Als Pluspunkt muß ich SFU attestieren, daß sie diesmal wenigstens das nervige "War is coming" nicht in die Setlist aufnahmen, "Lycanthrophy" vermißte ich hingegen schmerzlich. Insgesamt dürfts, trotz den von mir angeführten Kritikpunkten, schon ganz in Ordnung gewesen sein, was sich an den Publikumsreaktion im vorderen Drittel erkennen ließ, nur mein Fall waren sie eben noch nie so ganz, und werden sie nach diesem Konzert ganz bestimmt nicht werden.

E. M. P.