THEATRE OF TRAGEDY, ENTWINE & RAM-ZET
Salzburg, Rockhouse
04.05.2002

Punkt 20.30 betraten die Norweger RAM-ZET den heiligen Boden des Rockhouses in Salzburg, um vor leider nur ca. 40 Leuten ihren Gig zu spielen. Da ich zuvor noch nie irgendetwas von RAM-ZET gehört hatte, war ich schon ziemlich gespannt, was die Band zu bieten hatte und als es los ging, war ich positiv überrascht von den Klängen der Band. Neben den üblichen Hauptinstrumenten, die zu einer Metal-Band so gehören, fand man zusätzlich eine Geigerin und eine Flötenspielerin, was zu den Melodien sehr gut harmonierte. Nach einem längeren, wirklich hörenswertem Intro kam der Sänger an die Reihe; mit einem Rock bekleidet, barfüßig auf der Bühne stehend, gröhlte er ins Mikro, aber leider mit einem wirklich sehr hohen Gegröhle, das die ganzen Songs ruinierte. Es ist sicherlich eine Frage des Geschmacks, aber meinen traf es nicht und so bevorzugte ich es lieber, auf ein Bier ins Riff zu gehen, anstatt mir den Gig fertig anzuschauen.
Die nächste Band des Abends sollte ENTWINE sein. Als die 6 Finnen die Stage betraten, waren auch schon wesentlich mehr Zuhörer anwesend. Wer ENTWINE schon von den CDs kannte und mochte, so wie ich, wurde sicherlich nicht seiner Erwartungen beraubt. Die 5 Jungs und das Mädel rockten die Bühne und boten eine Show nicht nur fürs Ohr, sondern auch fürs Auge und die Art und Weise, wie mit dem Publikum gespielt wurde, schien ziemlich gut bei der Audience anzukommen. Diese bekamen eine gute Mischung aus dem aktuellen Album "Time of despair" und dem Vorgänger "Gone" zu hören. Als meine persönlichen Highlights der Show empfand ich "Silence is killing me" und "Snow white suicide", welche zwei absolut geniale Live-Nummern sind. Ein außerdem erstaunlicher Aspekt war die Reinheit des Gigs, da es, obwohl einige der Bandmitglieder offensichtlich unter starkem Alkohol-Einfluss standen, keinerlei Patzer oder Verspieler gab. Also abschließend bleibt nur noch, diese Band an alle Liebhaber des melodischen Gothic Metals weiterzuempfehlen, denn sie werden sicher nicht enttäuscht werden.
THEATRE OF TRAGEDY sollten der krönende Abschluß des Abends werden, versagten aber leider in dieser Rolle. Die Norweger rund um Liv Kristin sind vom alten Stil leider vollkommen abgekommen und arbeiten, so wie es scheint, verstärkt mit elektronischen Elementen. Auch die Vocal-Parts sind nicht mehr das, was sie einmal waren, da aus Raymonds Gegröhle mehr ein Gesang geworden ist, was schade ist, weil meiner Meinung nach gerade gerade die Mischung aus Raymonds harten Parts und Livs lieblichen Gesang THEATRE OF TRAGEDY so hörenswert machte. Auch die Setlist ließ zu Wünschen übrig, da auf die Klassiker wie "Tanz der Schatten" (was desöfteren vom Publikum lautstark gefordert wurde) oder "Der Spiegel" verzichtet wurde und dafür fast ausschließlich Songs der beiden letzten Alben zum Einsatz kamen. Der Show an sich fehlte auch jede Bewegung, da die Norweger den Gig doch eher regungslos abhielten. Das einzige, was mich dazu brachte, den Gig zum Ende zu sehen, war die Hoffnung, daß vielleicht doch noch der eine oder andere ältere Song gespielt wurde, was aber leider nicht geschah. Was man aber allerdings hoch anrechnen muß, ist die Tatsache, daß man keinen einzigen Patzer oder Verspieler hören konnte und Liv und Raymond über wahnsinnig gute Stimmen verfügen, nur diese halt nicht mehr in der alten Form einsetzten. Eigentlich hätte ich mir nach dem um einiges besseren Gig im Welser Schlachthof letztes Jahr mehr von den Skandinaviern erwartet.

B. S.