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THERION, EVERGREY & MY INSANITY
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Wien, Planet Music
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02.12.2001
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Ich muß zugeben, an diesem Abend nicht ohne Bedenken ins Planet Music gegangen zu sein. THERION, die neben RHAPSODY wohl beste Klassik Metal-Band, hat mich nämlich sowohl auf den letzten Alben als auch bei den letzten Live-Auftritten einigermaßen fadisiert. Den Ausschlag dürften wohl EVERGREY gebracht haben, die ich für eine sehr interessante Power/Prog Metal-Band halte. Komplettiert wurde das Package durch die Newcomer MY INSANITY.
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Letztere kommen aus Deutschland und sind meiner Meinung nach eher entbehrlich. Im Gothic Metal(?)-Bereich sind ja H.I.M. schon seit längerem der letzte Schrei und mittlerweile gibt es aufgrunddessen auch schon einige Nachahmer, in deren Liste auch der Name MY INSANITY geführt gehört. Recht identitäts- und höhepunktlos plätscherte die Musik aus den Boxen und hat somit keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Band trat ohne Drummer auf; das Schlagzeug kam somit aus der Konserve - und da MY INSANITY für einen Opener einen ungewöhnlich klaren Sound hatten, entstand bei mir irgendwie der Eindruck, als wäre das nicht das einzige gewesen, was vom Band kam...
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Die Schweden EVERGREY konnten mich mit ihrer 2. Scheibe "Solitude*Dominance*Tragedy" sehr überzeugen, mit ihrem schwachen Auftritt am "Bang Your Head!!!" 2000 verloren sie aber wieder einiges an Boden bei mir. An diesem Abend sah das allerdings ein wenig anders aus, die Band zeigte sich gegenüber dem BYH-Gig merklich besser in Form. Zu meinem Nachteil kannte ich das Material des neuen Albums "In search of truth" damals nicht (äh, um ehrlich zu sein: bis heute noch nicht...), denn dies machte ca. 2/3 der Setlist aus. EVERGREY sind offensichtlich spürbar melodischer bzw. keyboardlastiger geworden - soweit man das anhand der Livesituation beurteilen kann. Sänger Tom Englund wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben, denn nicht nur ich fragte mich, wieso er eine Gitarre umgeschnallt hat, um diese während des Großteils der Gesangspassagen erst gar nicht zu benutzen und dann andererseits wieder durch komplizierte Läufe zu überraschen... Richtig gut wurde es aber dann noch bei den letzten beiden Songs, "Solitude within" und "Nosferatu", die von "Solitude*Dominance*Tragedy" stammen und durch ihren größeren Härtefaktor gleich einen Stimmungsanstieg im Publikum verursachten. Alles in allem gewiß eine Steigerung, aber an der Songauswahl sollte man noch feilen und Herr Englund sollte sich überlegen, ob das mit der Klampfe wirklich Sinn macht.
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Dann wurde es spannend - würden THERION wieder enttäuschen? Antwort: Ein großes NEIN. Ganz im Gegenteil, so gut hat mir die Band höchstens damals am Mind Over Matter 1998 gefallen. Sehr guter Sound, agile Musiker, eine neue Chorbesetzung - früher gabs bei THERION ja die Aufteilung links Metal (die 3 Saitenquäler) und rechts Klassik (die Chorsänger/innen) - heute ist die ganze vordere Bühne Christopher Johansson & Co. reserviert; links vom Drumkit nahmen 3 Sängerinnen Aufstellung und rechts genausoviele männliche Gegenparts. Dabei fielen mir 2 Akteure besonders auf: Die voluminöse, rothaarige Vokalistin, weil sie sich als diejenige herausstellte, die sich vor dem Gig jedem vom anderen Geschlecht an den Hals schmiß, der mit einem Backstagepaß durch die Gegend lief und der mittlere Sänger, dieser aber durch musikalische Fähigkeiten, sprich mit einer tollen Stimme (sollte er dann bei der letzten Zugabe entgültig unter Beweis stellen, aber dazu später mehr). Bei der Songauswahl hat sich Meister Johansson selber übertroffen: Ein paar neue Songs, kaum was von "Vovin" bzw. "Deggial", ein Medley von den ersten drei Scheiben, 2 Songs von "Lepacca kliffoth" und zur Krönung machte den Löwenanteil des Sets Material des wohl besten THERION-Albums, nämlich "Theli", aus. Mit "Invocation of Naamah" als Opener hatte ganz sicher niemand gerechnet und schon dieser erste Song sollte deutlich machen, daß es heute wieder anders, genauer gesagt HÄRTER bei THERION zur Sache gehen sollte. Nach fast zweistündiger(!) Spielzeit kamen dann "Preludium/To mega therion" und "Cults of the shadow" quasi als Doppelschlag meiner THERION-Lieblingssongs zu Zugabenehren. Eigentlich konnte danach nichts mehr kommen - zumindest keine Eigenkomposition. Nein, nicht "Under jolly roger" von RUNNING WILD wurde zum Besten gegeben, sondern der ACCEPT-Klassiker "Balls to the wall", bei dem obenerwähnter Sänger die Leadvocals übernahm und die Chorleute durch ein Ensemble aus dem Großteil aller Musiker EVERGREYs und MY INSANITYs ersetzt wurden. Letztere sorgten dadurch für einen fast schon beängstigent fetten Background beim Refrain, sehr gänsehautverdächtig... Sound und spielerische Leistung waren auch top, somit konnten THERION endlich wieder auf ganzer Linie überzeugen und sich bei mir rehabilitieren - danke für dieses geile Konzert!
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