TUSKA FESTIVAL 2002
Helsinki (F), Festivalgelände
12. - 14.07.2002

Nach ziemlich genau einem halben Jahr Finnland-Abstinenz war es wieder soweit. Das Flugzeug befand sich im Landeanflug auf Helsinki Vantaa.
Freitag

Nachdem wir unseren Freund aus Deutschland begrüßt hatten, der bereits eine Stunde vor uns gelandet war und wir uns ein Taxi zum Appartment besorgt hatten, gings auch schon Richtung Helsinki Innenstadt. Dann hieß es erst mal Appartment beziehen (was aus mehreren Gründen nicht so einfach war, wie es klingt :-), einkaufen gehen, um den Kühlschrank zu füllen (in einen Kühlschrank gehört nun mal jede Menge Bier) und die Koffer auszupacken. Als wir endlich alles hinter uns hatten und mehr oder weniger fit für den Abend waren, tranken wir noch gemütlich zusammen ein Bier, wobei wir beschlossen hatten, an diesen Tag auf das Tuska Festival zu verzichten, da wir es wahrscheinlich nicht mal rechtzeitig zur letzten Band MACHINE HEAD geschafft hätten. Stattdessen brachen wir auf, um in eine unserer finnische Stammkneipen zu kommen, wo ein paar Freunde von uns sein sollten.

Samstag

Tja, eigentlich hätten wir es uns ja denken können, daß wir an diesen Morgen alles andere als frisch und munter sein würden, nachdem es doch etwas sehr spät wurde am Vortag. Bei herrlichstem Wetter (so um die 30 Grad) marschierten wir zum ungefähr 15 Minuten entfernten Hauptbahnhof, weil das Tuska dort unmittelbar in der Nähe sein sollte, was aber letztendlich nicht schwer zu finden war, da man einfach nur all den dunklen Gestalten folgen mußte. :-) Dort angekommen, trafen wir uns erst mal mit Markus (ebenfalls ein Resurrection-Member) der mit seinen finnischen Freunden auf der Wiese gegenüber des Festivals saß, um dort noch ein paar Bier zu trinken, wovon wir natürlich nicht abgeneigt waren.

Am Nachmittag betraten wir dann das Gelände, wobei wir einen kurzen Abstecher zur kleinen Stage tätigten, um uns dort einige Nummern der finnischen Band SARA anzuhören. Klang ganz nett, muß man sagen.
Später kam aber dann einer der Augenblicke, auf den wir wohl am sehnsüchtigsten gewartet hatten. SENTENCED wurden angesagt und die Menge begann zu toben, da es einer der ersten Auftritte in Finland der Suicider seit 2 Jahren war. Der Gig begann mit dem Intro des aktuellen Albums "The cold white light" worauf auch schon die Nummer 2 des Albums, nämlich "Cross my heart and hope to die" folgte. Aber neben den gebrachten Songs der neuen Platte wurde nicht auf die alten Songs wie "Trooper", "Suicider" oder "Warrior of life" vergessen, was die Setlist pikant gestaltete. Ganz in SENTENCED-Manier gab jedes Bandmember das Beste, um die Leute zum Bangen zu bewegen, was auch gelang und die Menge zum Kochen brachte. Auch wenn einige Leute vorerst vom neuen Album etwas enttäuscht waren, nachdem sie es zum ersten Mal gehört haben, da sie dachten, SENTENCED hätten ihre Härte verloren, sind wir davon überzeugt, daß die Leute eines besseren belehrt wurden, nachdem sie die Finnen live gesehen haben, da die Nummer live einfach absolut hämmern. Die Gitarren und teilweise hervorgehobenen Drum-Parts der neuen Songs rocken live einfach total!
NIGHTWISH, zum Augenblick unseres Urlaubs wohl die angesagteste Band Finnlands, (Platz 1 in den Charts schon seit mehreren Wochen) sollte der Headliner dieses Abends sein. Im Lackoutfit betrat die Frontfrau mit ihrer Band die Stage und legten auch gleich mit ihrer Show los. Die hübsche Tarja und ihre Mannen begeisterten das Publikum mit Songs ihres Platin-Albums "Century child" und vielen Highlights der Vorgänger-Alben wie "Wishmaster", "Come cover me", "Over the hills and far away". Kein Wunder, daß NIGHTWISH derzeit auf einem Erfolgskurs unterwegs sind, denn die Mischung aus Metal-Melodien und operngesangsähnlichen Vocals ist mindestens genau so hörenswert, wie sie eigenartig erscheinen mag. Ob damals, als NIGHTWISH mit ihrer Musik begannen, sich wohl jemand träumen ließ, daß diese Band es schaffen wird, in ihrer Heimat auf Platz 1 und im anderen europäischen Ländern wie z.b. Deutschland in die Top 10 der Media Control Charts zu kommen, obwohl diese ja leider von Retorten- und Pop-Bands dominiert werden? Wohl kaum und deswegen ist es den sympathischen Finnen umso mehr zu vergönnen.
Da nachdem NIGHTWISH ihren Gig beendet hatten, die Nacht noch jung war, machten wir uns auf den Weg in Helsinkis Nachtleben. Tja eigentlich wollten wir ja ins Tavastia, wo weitere Bands spielen sollten, was leider unmöglich war, da es bereits überfüllt war und die Securities niemand mehr reinließen und auch bei einigen anderen Bars schaute es schlecht aus. So machten wir uns auf den Weg zu einer Bar, dessen Namen uns leider entfallen ist, wo es ziemlich lustig wurde und uns auch keiner mehr rausbekam, bis Sperrstunde war. Wir verabschiedeten uns von unseren Freunden und verabredeten noch einen Treffpunkt für den nächsten Tuska-Tag, was aber nicht heißen soll, daß für uns der Tag oder besser gesagt die Nacht schon beendet war, da wir ja noch jede Menge Bier im Appartment im Kühlschrank hatten, worüber wir uns noch hermachten.
Sonntag

Nach einer weiteren durchzechten Nacht und einem fetten Hangover am nächsten Morgen machten wir uns am frühen Nachmittag wiederum auf Richtung Tuska-Gelände. Am Nachmittag trat eine Band namens DIABLO auf, welche in Finland schon eine recht große Fangemeinde hat. Diese konnten wir uns nicht entgehen lassen. Wir sahen uns ungefähr den dreiviertelten Gig an. Diese Jungs verstehen ihr Handwerk wirklich. Der Sänger sieht zwar aus, als sei er einer Boyband entsprungen, aber sowas Stimmgewaltiges hatten wir schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen. Diese Jungs kickten verdammt und brachten die Masse zum Bangen.

Kurz vor dem Ende von DIABLO stampften wir - mit einem Bier ausgestattet, wie sollte es auch anders sein :-) - zur Main Stage, wo einige Minuten später eine unserer Favs auf die Bühne kamen. TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS. Frontmann Timo und seine Jungs betraten unter lauten Jubel der Menge die Bühne. Minutenlange standen sie regungslos mit verschränkten Armen auf der Bühne... Einen versteinerten Gesichtsausdruck, daß man Angst kriegen könnte. Nach dieser Begrüßung legte das Trio Genickschuß ("Niskalaukaus" heißt zu deutsch "Genickschuß") richtig los. Die finnische Crowd zuckte völlig aus und auch unsereins, der der finnischen Sprache (NOCH) nicht so mächtig ist, rockte mit. Bei diesen Nummern kann man einfach nicht anders, als sich unters Volk zu schmeißen und mitzumischen. Der Gig wurde ohne jegliche Probleme über die Bühne gebracht... Sound-, sowie Stimm- und musiktechnisch haben Trio einfach den Dreh raus. Und sie verpassen einem in wahrsten Sinne des Wortes einen "Niskalaukaus". :-)
Headliner dieses Abends war BRUCE DICKINSON. Der Gründer der vielgeliebten und weltweit erfolgreichen IRON MAIDEN kam auf die Bühne und fing an, sich wie ein Wirbelwind von einer Seite der Stage auf die andere zu bewegen. Was der Mann mit seinem Alter noch Power im Arsch besitzt, da kann sich manch 20-Jähriger ein Stück davon abschneiden. Er gab viele Stücke von IRON MAIDEN zum Besten, was die zahlreich erschienenen MAIDEN-Fans sichtlich freute. Zwischendurch sind wir mal auf ein Bier in den Backstage-Bereich, auch, um mal für ein paar Minuten der Hitze zu entfliehen, die schon unerträglich wurde (tja, Leute, man glaubt es kaum... in Finnland ist es heiß!!! *g*). Als wir 10 Minuten später wieder zurück kamen, um uns den Gig weiter anzusehn, wurde uns gleich ganz aufgeregt erzählt, daß Bruce die Traversen raufgeklettert sei und von dort aus einen Part des Songs gesungen hätte. Mann, da kann man nicht mal für ein paar Minuten verschwinden, um sich ein bißchen zu erholen, da verpaßt man schon das Beste!!! *arghhh* Gegen Ende des Sets stimmte Bruce eine Nummer an, bei der er meinte, daß sie wohl jeder kennen würde und es solle auch jeder mitsingen: "Delaila" (die Älteren unter euch werden diesen Klassiker von OLDIE wohl noch kennen :-). Die Crowd stimmte brav mit ein und Bruce hatte seine Freude damit.
Nachdem Mr. Dickinson die Stage verließ, machten wir uns wiederum auf Richtung Bars, um das Festival entsprechend ausklingen zu lassen.
Das Tuska ist eines der geilsten Festivals, auf dem wir jemals waren. Und das ohne Übertreibung. Das Festival ist mitten in der Stadt... Die Leute sind dermaßen verrückt... Und die Organisation ist wahrlich perfekt. Soviele geile Bands unter freiem Himmel zu erleben, ist eine Erfahrung, die wir ab nun wohl jedes Jahr haben wollen. Leute, wenn ihr wirklich mal Spaß haben wollt, in einer geilen Location, mit coolen Bands und noch cooleren Leuten, dann checkt euch einen Flug nach Finnland und geht aufs Tuska.

B. S. & T. K.