AERYN, TAMRAH - "Typical gurl"
Massacre/NSM
Ambient-Pop und Avantgarde auf einem Metal-Label? Klingt etwas komisch, selbst wenn dieser Release über das Massacre-Sublabel Swan Lake Records läuft. Aber egal, ich möchte hier keine Mutmaßungen über Labelpolitik anstellen und lieber auf das vorliegende Material eingehen. Mit "Typical gurl" legt Tamrah Aeryn ihr Debut vor und muß sich damit wohl vor allem einen Vergleich gefallen lassen: Tori Amos. Denn bereits der Opener "Soundboat" klingt sowohl instrumental als auch gesanglich verdammt nach der "Queen of Ambient Music". Und dies soll sich auch im Verlauf der CD nicht großartig verändern. Leider. Denn Tamrah Aeryn hat Potential, dies läßt sich kaum leugnen. Die 23-jährige Amerikanerin zeigt vor allem, daß sie sich stimmlich nicht hinter der Konkurrenz verstecken muß. Das hilft ihr jedoch nicht dabei, daß ihre Songs deshalb automatisch gut wären. "Typical gurl" klingt, als würde eine B-Sides-Platte von Tori Amos in meinem CD-Player rotieren. Keine Hooks, keine herausragenden Refrains. Nur gute Arrangements und das richtige Feeling lassen sich finden. Hängenbleiben tut dabei freilich nichts, selbst wenn sich dieser Release wohl gut als Chill Out-Musik oder Hintergrundgeplänkel verwenden läßt. Ausnahme stellt der Track "Over now" dar, welcher durch fette Gitarren, guten Refrain und coolen Background-Gesängen durchaus Hit-Potential hat, durch seine völlige Andersartigkeit vom Rest des Materials aber irgendwie gar nicht auf diese CD paßt. Ein weiterer starker Moment ist dann auch noch "Walk away", eine tolle Ballade, in der Tamrah endlich auch Songwriting-Fähigkeiten an den Tag legt.
Mit deutlich besseren Songs im Gepäck könnte Tamrah Aeryn sicherlich Erfolg erlangen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß "Typical gurl" ein seichtes Debut geworden ist. In dieser Richtung bleibt Tori Amos' "Litte earthquakes" einfach ungeschlagen... - C. M.