DONAHUE, TIM - "Madmen & sinners"
Frontiers/NSM
Dieser Tim Donahue ist ein ganz und gar nicht untalentiertes Bürschlein aus den Vereinigten Staaten, das Zeit seines Lebens einzig und allein dem Gitarren-Gott huldigt und auch schon mit einer eigenen Klampfenkreation, einer sogenannten "Fretless Guitar", für einen ordentlichen Aufstand unter dem musikalisch aktiven Teil der Bevölkerung sorgen konnte. Zudem vermag er als Referenz auch noch ein abgeschlossenes Jazz-Studium am weltberühmten Berklee College of Music in Boston vorweisen. So konnte er sich mit diversen Projekten, Alben und sogar einem Soundtrack in den USA, vor allem aber in Japan schon einen ausgezeichneten Ruf erarbeiten und gilt in Fernost nicht zu Unrecht als Legende. Nun hat sich der gute Tim einen Lebenstraum erfüllt und holt sich seinen Lieblings-Sänger, nämlich James LaBrie von DREAM THEATER an Bord, um mit diesem und dem virtuosen Schlagwerker Mike Mangini (ex-STEVE VAI, EXTREME)(nicht zu vergessen ex-ANNIHILATOR - J. S.) vorliegendes Album einzutüten, welches vor allem die Proggies und Gitarrenfetischisten unter Euch erfreuen wird. Beinahe zwei Jahre nahmen die Aufnahmen in Anspruch, das Resultat kann sich nun hören lassen: Man fühlt zu jeder Sekunde, daß es sich hier um drei ausgebuffte Profis handelt, die das Musikbusiness in und auswendig kennen. Das Songmaterial ist eine Art düstere Version des Traumtheaters, aber auch James´ Sidekick MULLMUZZLER läßt zeitweise mal grüßen, wie etwa im noch vergleichsweise eingängigen Opener "Million miles". Danach wirds aber zunehmend frickeliger, die Experimente nehmen zu, vor allem auf den sechs Saiten, aber auch am Keyboard. Dieses hat Donahue neben dem Bass nämlich auch noch selbst eingespielt, sowie für die Produktion gesorgt. Natürlich lassen die Herrschaften in musikalische Hinsicht gar nichts anbrennen und wissen mit hochwertigen technischen Einlagen und Soli zu überzeugen. Die mystische Atmosphäre kommt auch durch einige (mittelalterliche) Choralpassagen und gregorianische Gesänge zustande, die in dem über zweiminütigen "Morte et Dabo" auch schon mal einen ganzen, wenn auch kurzen Song beanspruchen. "Children of the flame" wäre ein guter Anspieltip und vereint gleichermaßen songschreiberische Kompetenz und technische Fähigkeiten dieses Albums. LaBrie läßt es gesanglich etwas ruhiger angehen und brilliert vor allem in den mittleren Lagen, während Mangini auch schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Typisch verschachtelte, komplexe Prog-Nummern wie "Master of the mind" gereichen gar DREAM THEATER zur Ehre, es gibt ruhige Akustik-Balladen wie "Wildest dreams" und der über 15-minütige Titeltrack zum Abschluß beschert allen Liebhabern progressiver Klänge zum Abschluß noch mal Weihnachten und Ostern zusammen.
Abwechlungsreiches Prog-Album mit hoher Langzeitwirkung, kleiner Punkteabzug für den nicht optimalen, weil zu rohen Sound, der nicht unbedingt zu einer Scheibe wie dieser paßt. - M. W.