MOB RULES - "Among the gods"
SPV/edel
Hoch im deutschen Norden ist dieses Sextett beheimatet, und sei es nun die gute ostfriesische Luft oder was auch immer, das MOB RULES so gut bekommt: Irgendwie schaffen sie es doch tatsächlich, sich im stilistisch schon recht limitierten Power Metal-Genre in einer ganz eigenen, kleinen Nische zu behaupten. Zunächst einmal, die Jungs aus Wilhelmshaven geben klischeetriefenden "Warrior- und Dragon"-Phantasien erst gar keine Chance, sondern bleiben diesen Aspekt betreffend recht weltlich (beispielsweise setzt man sich bei "Arabia" mit dem Irak-Krieg auseinander), was für mich schon mal ein großer Pluspunkt ist. Die Norddeutschen suchen ihr Heil nicht nicht im Kitsch, sondern viel eher in Bombast und Pathos, was ihnen auch besser zu Gesicht steht. Weiters haben sie mit Klaus Dirks, der sogar mal als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für den Posten bei STRATOVARIUS gehandelt worden war, einen überaus fähigen Mann am Mikro. Im stark besetzten Instrumentalbereich haben neben Bassist Thorsten Plorin die beiden Gitarristen Oliver Fuhlhage und Matthias Mineur das Sagen, während Keyboarder Sascha Onnen für den Bombast und atmosphärische Soundfarben im Hintergrund verantwortlich ist. Relativ eigenständig, jedoch auch irgendwie raffiniert sind auch die Nummern gestrickt, man besitzt das nötige Quentchen Abwechslungsreichtum, um die ganze Kiste spannend zu gestalten und den Hörer über die Distanz bei der Stange halten zu können. Allerdings auch in ausreichendem Maße das Talent, wirklich songorientiert zu Werke zu gehen: Midtempo-Stampfer wie der Opener "Black rain" oder "Miracle dancer" offerieren tolle, mitsingtaugliche Refrains, die treibenden "Hydrophenia" und "Invitation time" dagegen wissen mit einer gut dosierten Portion an symphonischen Keyboardklängen zu gefallen. Wobei dazu gesagt werden muß, daß sich die Keys nicht in den Vordergrund drängen und somit den Gitarren genug Gelegenheit zum Sägen lassen. Klar, Ballade darf auch keine fehlen, was wäre denn das, und diese gibts mit "New world symphony", einer gottlob völlig unkitschigen Vertreterin der Gefühlsduselei. Der Titeltrack hat zwar ergreifende Melodien und besitzt auch einen ganz passablen, SAVATAGE-ähnlichen Songaufbau, wirkt aber mit seinen über sieben Minuten krampfhaft in die Länge gezogen. Mächtige Klampfen und coole Riffs dominieren "Ship of fools", sicher einer der härtesten Songs des Albums, während "Seven seas" recht hymnisch und getragen daherkommt und sich im flotten "Meet you in heaven" das eine oder andere GAMMA RAY-Zitat wiederfindet. Zum Abschluß wird in "Arabia" noch eine orientalische Note in den Gesamtsound miteingeflochten.
Und so haben uns MOB RULES mit "Among the gods" ein Album vor die Nase gesetzt, welches zwar keinen Innovationspreis gewinnen wird, dafür aber im Großen und Ganzen mit gelungenem Songwriting überzeugen kann und sich verdammt gut für jede längere Autofahrt eignet. - M. W.