 |
|
Man erlebt es auch nicht alle Tage, daß sich Band X so dreist der Trademarks von Band Y bedient, daß man schwören könnte, eine CD von Band Y im Player zu haben. Doch genau dies ist hier der Fall: TIME REQUIEM aus Schweden, die sich früher mal MAJESTIC genannt haben, stoßen nach dem selbstbetitelten Debüt und dem Live-Kracher "Unleashed in Japan" nun auf ihrem zweiten Studio-Werk "The inner circle of reality" ins exakt selbe Horn wie die eigentlich unumstrittenen Kings des Genres, SYMPHONY X. Hier wird vor allem speediger, mit reichlich Neo-Klassik-Zitaten angereicherter Progressive Metal geboten, der aufgrund der ausufernden solistischen Einlagen von Gitarre und Keyboard vielleicht noch eine kleine KENZINER-Schlagseite aufweist bzw. an die alte Malmsteen-Schule erinnert. "Gut geklaut ist halb gewonnen", mag sich das Quintett gedacht haben, und macht hier wenigstens verlorenen Boden gut, denn rein musikalisch stehen sie den Amerikanern um kaum was nach. Mit dem Keyboard-Zauberer Richard Andersson haben die Schweden einen enorm virtuos agierenden Musiker an Bord, der zusammen mit seinen talentierten Mitstreitern durch gut durchkomponierte Nummern zu gefallen weiß. Besonders die Keyboarder unter Euch wirds freuen, denn mit dem Gitarristen Magnus Nord liefert sich Andersson desöfteren irrwitzige Keyboard/Gitarren-Soli. Auch Sänger Apollo Papathanasio ist nicht so weit von einem Russell Allen entfernt, schwächelt allerdings leicht in den Höhen. Kommen wir zu den besten Songs dieses Albums: Das rasante, von flinken Keyboards und donnernder Doublebass dominierte "Attar of roses" erinnert stark an "Smoke and mirrors" (vom X-Meisterwerk "The divine wings of tragedy"), das extrem verschachtelte "Definition of insanity" beginnt düster und anfangs auch total unrhythmisch, überrascht dann aber umso mehr mit seinem fröhlichen Refrain. "Reflections" und der fast 12-minütige Titeltrack tendieren hingegen wieder zur schon erwähnten Hauptinspirationsquelle Nr. 1, während "Hidden memories" sehr verspielt und mit atemberaubenden Keys-Soli daherkommt. Nach "Dreams of tomorrow", wo sich vor allem aufgrund Apollo´s stimmlicher Brillianz Vergleiche mit Jorn Lande aufdrängen, verabschiedet man sich mit den "Prelude Variationen" von Bach, worin sich zum wiederholten Male die starke klassische Affinität Anderssons bemerkbar macht.
|
 |
Gute Kost, doch aufgrund mangelnder Originalität nur 7 Punkte. Interessierte sollten sich nach der Japan-Version umschauen, auf dieser gibts noch das ABBA-Cover "Voulez vouz". - M. W.
|
|