WIND WRAITH - "The fortune teller´s gaze"
Iron Glory/NSM
So wirklich lange geistern die Amis WIND WRAITH ja noch nicht in der Szene herum: Im Jahre 2000 gegründet, ist dies nun die Neuauflage ihres Debüts, bei welchem sich jedoch noch kein Label gefunden hatte. Dieser Zustand ist dank Iron Glory Records gottlob Geschichte, sodaß auch wir Europäer in den Genuß dieses exzellenten Stücks US-Stahls kommen. Die New Yorker glorifizieren den traditionellen Metal der Sorte HELSTAR, FLOTSAM AND JETSAM oder VICIOUS RUMOURS derart gekonnt, daß ich auf eine wesentlich dienstältere Truppe getippt hätte. Doch Respekt, so überzeugend hat die Flagge des klassischen Metals schon lange keiner mehr hochgehalten (vielleicht CAGE mal ausgenommen), denn dieses Album sprüht förmlich über vor messerscharfen Triple Axe-Attacken á la LEATHERWOLF, genialen zweistimmigen Leads und Soli, einer unglaublich faszinierenden Spielfreude und nicht zuletzt einem anbetungswürdigen Sänger namens Scott Oliva. Dieser hat meines Wissens nach keine verwandtschaftlichen Beziehungen zum SAVATAGE-Mastermind, dafür jedoch eine enorme stimmliche Ähnlichkeit zu einem gewissen Bruce Dickinson von IRON MAIDEN - dies und auch gewisse Songstrukturen ebendieser Herrschaften (speziell zu "Piece of mind"-Zeiten) sind nicht von der Hand zu weisen. Dieser Einfluß ist ein weiterer großer Sympathiepunkt, denn gerade die bärenstarke, melodiöse Gitarrenarbeit von Brian Fingerhut, Pat Blair und Diana Dellasala(!) dominiert diese Scheibe. Reichlich powervolle Songs wie "Dragon riders" oder der Titelsong lassen keine Faust ungeballt und keine Matte ungeschüttelt, während einen die pure Energie von "Millennium horror" beinahe an die Wand drückt, wenn da nicht der etwas dünne Sound wäre, bei dem vor allem die Drums zu flach tönen und nicht den nötigen Punch erzeugen können. So klingt der ein wenig verschachtelte Opener "War in the sun" zwar leicht nach alten FATES WARNING, kommt jedoch eine ganze Ecke räudiger und nicht so "hochtechnisiert" daher. Nach soviel Riffpower lädt die an ICED EARTH erinnernde Halbballade "Watching over me" etwas zum Verschnaufen ein, während sich das Songmaterial zum Ende hin sogar noch steigert und mit dem packenden "High hopes: The Amityville murderers" oder dem epischen Highlight "Ancient tales" (mit weiblicher Gesangsunterstützung von Colleen Cannon) dafür sorgt, daß sich der traditionell veranlagte Fan auch noch zu Monatsende seine letzten Kröten für dieses überaus gelungene Langeisen zusammenkratzen wird. Zu guter Letzt wartet die New Yorker Stahlschmiede zur Überraschung aller noch mit dem coolen ELVIS-Cover "Burning love" auf!
Ein Muß für die "Früher war alles besser!"-Fraktion. - M. W.