SCHUBERT - "The 5th"
CBS
"Give me one smile, silent angel..." Dieser zarte Flüsterer steht am Anfang des mächtigsten Donnerschlages, der die österreichische Rock-Szene je erschüttert hat. Klaus Schubert, in den frühen Achtzigern mit den NO BROS schwerstens erfolgreich (und das nicht nur mit der Chartbreaker-Ballade "Be my friend"), wagte anno 1990 unter eigenem Namen einen musikalischen Neuanfang. Als Mitstreiter holte sich der Tiroler seine Landsleute Nik P. Opperer (k., ebenfalls schon bei den NO BROS tätig), Rob Mühlegger (b.) und Mike Rinner (d.) sowie Ex-U8-Röhre Erich "Lem" Enzinger aus dem Salzburgischen ins Boot. Das Resultat nennt sich "The fifth" und ist schlichtweg eine der besten melodischen Hardrock-Scheiben, die jemals das Licht dieser Welt erblickt haben! Hier stimmt einfach alles: Die für damalige Verhältnisse wirklich exzellente Produktion (vor allem der wuchtige Drumsound ist immer wieder eindrucksvoll), das instrumentale Können aller fünf Musiker (allen voran natürlich Nik und Klaus) - und vor allem DIESE SONGS! Bei "Silent angel" und "Catch the light" demonstrieren SCHUBERT eindrucksvoll, wie man harten Midtempo-Rock optimal mit klassisch beeinflußten Keyboard-Teppichen verwebt; "Somebody calls your name" und das genial betitelte "Rock`n´roll cheese cake" schlagen in die gleiche Kerbe, allerdings mit mehr Augenmerk auf Klaus’ Gitarre; "Ride on the wind" und "You turned away" gehören zu den wunderschönsten Balladen der gesamten Rock-Geschichte; "Miracle men", "Lost children" und "Ways and means to rock" (letztere Nummer besitzt - man glaubt es kaum - ganz dezente MANOWAR-Anleihen!) sind epische Gänsehaut-Aufzieher vom Feinsten; der "Gunman" feuert unvermittelt und speedig dazwischen... Und dann ist da noch das unsterbliche "Universe of fantasy": Ein Meisterwerk, das den viel strapazierten Begriff "Ohrwurm" mehr als rechtfertigt, mit niemand Geringerem als OPUS (ja, die mit "Life is live"!) im Refrain aufwartet und überhaupt so etwas wie der österreichische "Final countdown" ist. Und wenn ihr jetzt fragt: "Und wenn die Scheibe so super ist, warum kenne ich sie als Österreicher dann nicht?", dann kann ich euch nur mit der altbekannten Leier kommen, daß der Prophet im eigenen Land nichts gilt. Traurig, aber wahr: Obwohl "The fifth" seinerzeit auf dem Major-Label CBS erschienen ist, ist die Scheibe so gut wie nirgendwo mehr erhältlich. Ich jedenfalls habe für die CD-Version nach jahrelangem Suchen satte 30 Euro hingeblättert...
P.S.: Vor ihrer Auflösung Mitte der Neunziger Jahre haben SCHUBERT neben der Compilation "Rarities n’ gauggs" (1993) noch zwei weitere Scheiben veröffentlicht: "Devil in fairyland" (1992) und "Toilet songs" (1995). Auf "Devil..." ist das Songmaterial großteils noch in Ordnung, kann allerdings mit "The fifth" nicht mithalten (außerdem ist die Produktion viel schwächer ausgefallen). "Toilet songs" hingegen war - nomen es omen - ein klassischer Griff ins Klo, bei dem SCHUBERT vor lauter schrägen Blödeleien völlig vergessen haben, wie man gute Songs schreibt.
Ganz passend zum Bandnamen: Ein Klassiker! - P. Z.