TIAMAT - "Wildhoney"
Century Media/NSM
Kaum zu glauben, aber dieses Werk, das den endgültigen Durchbruch von TIAMAT markierte, bringt es dieses Jahr auf eine Dekade. Waren schon die Vorgängerwerke zu "Wildhoney", in diesem Fall insbesondere "The astral sleep" und "Clouds" durchwegs beeindruckende Werke, so war der ’94er-Output dann doch so etwas wie der Wendepunkt in der Karriere der Mannen um Mastermind Johan Edlund. Von der Ausrichtung der Anfangstage, wie es die TREBLINKA-Demos und das Debütwerk "Sumerian cry" präsentierten, hatte man sich zu jenem Zeitpunkt schon Lichtjahre entfernt und war in musikalisch gänzlich anderen Sphären angelangt. Vom Line Up der Vorgängerwerke verblieb neben Edlund lediglich Bassist Johnny Hagel, der allerdings bis dato auch nur auf dem Vorgängerwerk "Clouds" tätig war und so Meister Edlund weitestgehend kreative Freiheit zusicherte, die man am neu entfalteten Klangkosmos von "Wildhoney" merkte, zu. Die Songs dieses Werks, wie etwa der grandiose, relativ doomige Opener "Whatever that hurts", welches fließend in "The Ar" übergeht, "Gaia", eine Hymne an die Erde, "Visionaire", "Do you dream of me?" oder die Instrumentals "Planets" oder "Kaleidoscope", versprühen auch nach einem Jahrzehnt noch denselben Charme wie damals und haben nichts von ihrer Klasse eingebüßt, nein, sie sind vielmehr im Laufe der Jahre zu erhabener, zeitloser Musik herangereift. Auch die anderen Musiker, Session-Leadgitarrist Magnus Sahlgren, welcher später bei DISMEMBER aktiv war, der durch seine extrem effektiv und eingängig gestalteten Soli und Schlagzeuger Lars Sköld, der mit seinem aufs wesentliche reduzierten Spiel ebenfalls maßgeblichen Beitrag an dem, was im Endeffekt als "Wildhoney" unsere Ohren erreichte hatten, vollbrachten mit diesem Werk einen Klassiker, und den meiner Ansicht nach Höhepunkt in der Karriere der Schweden, die diese Klasse mit den darauf folgenden Werken leider nicht mehr erreichen konnten.
E. M. P.