Zakk Wylde (Ozzy Osbourne, BLACK LABEL SOCIETY)
Die Freude war groß, als ich doch noch kurzfristig ein Interview mit dem langjährigen OZZY-Gitarristen und BLACK LABEL SOCIETY-Chef Zakk Wylde ergattern konnte. Leider war die leise Telefonverbindung und Zakks silbenverschluckenden Ami-Slang nicht gerade förderlich für ein optimales Gespräch. ...und so habe ich manche von Zakks Antworten erst dann so richtig (oder immer noch nicht ;-) verstanden, als ich das aufgezeichnete Gespräch mit einem Kompressor nachbearbeitet habe. Schade, weil ich hätte bei einigen Dingen - im Nachhinein gesehen - vielleicht doch noch etwas nachbohren sollen. Aber es ist dennoch ein stellenweise recht interessanter Phoner geworden. Here we go. 27.05.2004 - es ist kurz vor acht Uhr Abends. Das Telephon läutet und Gitarrengott Zakk persönlich leitet mit einem "Hey bro, here’s ssssaaaaaaaak" das Gespräch ein. Nervosität steigt dementsprechend. ;-)
R. S.: Hey Zakk. Wie gehts? Von woher rufst du an?
Z. W.: Hi, alles klar bei mir. Ich bin im Moment in Kalifornien.
R. S.: Laß und zuerst ein bißchen über dein neues Album "Hangover music Vol.VI" reden. Warum gleich ein ganzes Album nur mit ruhigeren Nummern?
Z. W.: Die Idee entstand eigentlich im Tourbus während der Ozzfest-Tour. Diese riesige Marshall-Wand und meine Les Paul... Es war so verdammt laut da oben! Wenn du von der Bühne runterkommst, ist dein Hirn zuerst einmal komplett aufgeweicht und deine Ohren bluten. Für die anschließenden 22-26 Stunden langen Tourbusfahrten in die nächste Stadt brauchst du dann einfach einen Ausgleich. Du nimmst ein paar Bier und legst ein paar sanftere Scheiben auf. Normalerweise knall ich mir ja schon Heavy-Stuff rein, bevor ich auf die Bühne gehe - um mich innerlich richtig aufzudrehen -, aber nach so einem Konzert brauchst du eher Chill Out-Musik oder was zum Relaxen. Wir hörten also alle diese Nummern im Bus und wollten zuerst ein Cover-Album machen. Aber ich dachte mir dann: "Scheiß drauf, jeder kann Cover-Alben machen, machen wir doch was eigenes!".
R. S.: Aber ein Cover hat es dann doch mit auf CD geschafft - wie bist du ausgerechnet auf "Whiter shade of pale" gekommen?
Z. W.: Ich habe diesen Song immer schon gemocht und als wir ins Studio fuhren, kam er gerade wieder mal im Radio und ich dachte mir: "Man, this song kicks ass". Ich lernte es also am Klavier, holte den Text aus dem Internet und sang es in einem Take. Das war so zirka um 02.30 in der Früh, haha.
R. S.: Ihr habt wahrscheinlich analog aufgenommen oder?
Z. W.: Ja. Alles Analog auf 2 Inch-Tape.
R. S.: Für mich persönlich klingen Teile des Albums ein bißchen unterproduziert - jetzt im Direktvergleich mit beispielsweise "Book of shadows". War das Absicht oder hattet ihr zuwenig Zeit im Studio?
Z. W.: Grundsätzlich will ich mit BLACK LABEL SOCIETY einen eher organischen Sound. Tonnen von Effekten haben hier nichts zu suchen. Das einzige, was ich mache, sind ein paar Gitarrenspuren zu doppeln. Wir hatten überhaupt keine Songs geschrieben, bevor wir ins Studio gingen und 8 Tage später hatten wir 23 Songs. Wir haben einfach alles aufgenommen. Schau, es ist einfach ein Autofahr-Album. Das ist alles. Es sollte einfach eine kleine Pause sein, anstatt wir jetzt "The blessed hellride Vol. II" gemacht hätten.
R. S.: Das heißt, ihr werdet mit dem nächsten BLS-Album wieder in die härtere Richtung gehen...
Z. W.: Ja, ich habe schon eine ganze Menge neuer Heavy Riffs. Also, die nächste Scheibe wird definitiv wieder hart. Für die Zukunft ist aber geplant, daß ich immer wieder zwischendurch "Hangover music"-Alben veröffentlichen werde.
R. S.: Mir fällt auf, daß du immer mehr wie OZZY singst, je mehr Alben du herausbringst.
Z. W.: Ja, das ist schon vielen aufgefallen. Vor allem dann, wenn ich höher und lauter singe, kommt meine Stimme in dieses Register. Es ist mir schon öfters bei diversen Soundchecks passiert, daß die Leute reinkamen und fragten: "Ist Ozzy da?". Um es auf den Punkt zu bringen: Ich könnte vielleicht mal in einer BLACK SABBATH-Coverband enden. Ozzy sagt selbst, "You fuck sound more and more like me!". Es ist aber nicht so, daß ich rausgehe und unbedingt wie Ozzy klingen will. Er war immer schon einer meiner Lieblingssänger und das hatte sicher auch Einfluß auf meine Art zu singen. Es hat sich einfach so entwickelt.
R. S.: Werdet ihr mit BLS auf Tour nach Europa kommen?
Z. W.: Auf alle Fälle werden wir diesen Sommer beim Ozzfest spielen und dann kommt es darauf an, was Ozzy machen will. BLACK SABBATH spielen ja auch beim Ozzfest. Es ist dann die Frage, ob er mit BLACK SABBATH weitermacht oder ein neues OZZY-Album macht oder wieder eine Pause braucht.
R. S.: Das heißt, ein neues Ozzy-Album ist so bald nicht geplant?
Z. W.: Ich denke, er wird zuerst was mit BLACK SABBATH machen.
R. S.: Ist Ozzy wieder einigermaßen rehabilitiert nach seinem Unfall?
Z. W.: Ihm geht es großartig. Du würdest es nicht glauben. Nach dem Unfall sah ich ihn im Krankenhaus, er war "pretty banged up" und ich dachte mir: "Oh Mann, ich hoffe, er kommt da durch!". Er hat aber viel trainiert und ist bereits wieder auf den Beinen. Ich konnte es nicht glauben. Er ist wirklich der "Iron man".
R. S.: Gibt es eigentlich auch Pläne für weitere PRIDE & GLORY-Aktivitäten?
Z. W.: James Lorenzo (Anm. d. V.: Von der damaligen Band) wird auf den kommenden Sommerkonzerten den Bass bedienen.
R. S.: Du hast schon mit einer Reihe anderer großer Musiker zusammengearbeitet. Gibt es da irgendjemanden, mit dem du unbedingt mal noch zusammenarbeiten willst und mit dem du bisher noch nicht das Vergnügen hattest?
Z. W.: Ja stimmt, ich habe wirklich schon mit vielen Leuten gearbeitet. Ich weiß nicht, vielleicht bekomme ich einmal Frank Marino von MAHAGONY RUSH dazu, ein Solo bei mir zu spielen.
R. S.: Und mit wem würdest du niemals zusammenarbeiten?
Z. W.: Du meinst Musiker? Ich weiß nicht. Ich nehme alle Musiker (lacht), weil ich weiß, wie hart es ist, ein Instrument zu lernen.
R. S.: Du hast ja auch schon mal mit GUNS`N´ROSES gejammt. Weißt du zufällig, was Axl Rose treibt und wann das verdammte neue Album endlich rauskommt?
Z. W.: Ich habe wirklich keine Ahnung (lacht). Sie arbeiten wirklich schon so verdammt lange dran. Ich weiß es wirklich nicht.
R. S.: Gab es ein Highlight in deiner Karriere, wo du dir gedacht hast: "Das ist so fantastisch - es kann kaum mehr besser werden!"?
Z. W.: Ja. Eigentlich, als ich Ozzy zum ersten mal traf.
R. S.: Was hast du beruflich gemacht, bis du Ozzy getroffen hast?
Z. W.: Ich habe einige Rasen gemäht und auf der Tankstelle gearbeitet, um mir meine ersten Marshalls leisten zu können.
R. S.: Was machst du, wenn du zuhause bist und nicht gerade deine Gitarre umgeschnallt hast?
Z. W.: Ich stemme Gewichte und verbringe Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern.
R. S.: Wie viele Kinder hast du?
Z. W.: Ich habe drei. Zwei Jungs und eine Tochter.
R. S.: Spielen sie auch schon ein Instrument?
Z. W.: Ja, meine Tochter lernt im Moment Gitarre bei Randy Rhodes Mama.
R. S.: Haha! ...und welche Karre fährt Zakk Wylde?
Z. W.: Einen großen alten Ford Truck.
R. S.: So etwas dachte ich mir, haha. Komplett anderes Thema: Man kann in deinen Booklets öfters beobachten, daß du bei deiner Dankesliste Gott ziemlich weit oben anführst? Bist ist du generell eine religiöse Person?
Z. W.: (ernst und besinnlich) Ja, sicher. Ich danke ihm jeden Tag für all die coolen Sachen, die er mir gegeben hat. (wieder "normal") Wenn mich jemand verwundert fragt "Du bist religiös?" antworte ich immer "Yeah, was glaubst du, wer das ganze Bier erschaffen hat? (kekst sich selber ab - ich selbst versteh den "Witz" nicht ;-)
R. S.: Auf deiner Homepage unterstützt du die amerikanischen Truppen im Irak. Bist du wirklich so politisch interessiert oder paßt das einfach nur gut zum "Kick some ass"-Image von BLACK LABEL SOCIETY?
Z. W.: Nein, die Sache ist so: Da drüben sind einfach paar Jungs, um die man sich kümmern muß. Mein Vater war auch im zweiten Weltkrieg und ich habe dadurch sehr viel von dem ganzen Militärzeugs mitbekommen und deshalb ist es mir wichtig, die Soldaten zu unterstützen.
R. S.: Du bist schon ziemlich lange im Musikgeschäft. Was hat sich verändert, wenn du die heutige Zeit mit jener Zeit vergleichst, als du zum ersten Mal mit Ozzy spieltest?
Z. W.: Die Leute versuchen immer zu sagen, daß damals dies und jenes besser war... Das Brot war billiger oder was weiß ich. Aber in zwanzig Jahren wird man auch über die heutige Zeit sagen, wie gut es doch damals war. Was mir aber im Musik-Business Bereich auffällt, ist, daß es einfach viel kurzlebiger geworden ist, was Bands betrifft. Publicity ist nur zu Beginn der Karriere da und läßt dann stark nach. Zum Beispiel eine Band wie LED ZEPPELIN war zehn Jahre da. ...und wer weiß, wenn John Bonham nicht gestorben wäre, würden sie wahrscheinlich immer noch großartige Alben rausbringen. Oder schau dir die ROLLING STONES an. Ich weiß nicht, ob das jemals wieder passieren wird, daß es eine Band gibt, die wirklich 35 Jahren existiert und dann immer noch spielt. Viele der einst großen Bands haben es nicht durchgehalten - schau dir z.B. GUNS`N´ROSES an. Ich meine jetzt Bands, die wirklich richtig Karriere gemacht haben und sich keine Sorgen machen müssen um Support von MTV oder sonstigen Sachen. Die einzige Metal-Band, die immer noch groß da ist - von denen, die Anfang der 80iger starteten-, sind METALLICA.
R. S.: Naja, und was ist zum Beispiel mit AC/DC?
Z. W.: Als AC/DC "Back in black" herausbrachten, bekamen sie noch viel Publicity. Jeder mochte diese Scheibe. Aber dann war es so, daß sie weder richtig lebten noch richtig tot waren... Weißt du, was ich meine? Bands heutzutage stehen einfach viel mehr unter Druck. Wenn zum Beispiel Britney Spears nicht auf MTV gespielt wird, ist ihre Karriere aus!
R. S.: Sie sei ja eh schon eine Alkoholikerin, sagt man.
Z. W.: (lacht) Ich weiß dazu nichts genaues. Aber wenn es stimmt, ist es gut für sie. Join the club, haha!
R. S.: Bist du eigentlich "up to date", was Bands im Hard & Heavy-Sektor betrifft? Was gefällt dir so privat?
Z. W.: Zum Beispiel das neue DAMAGEPLAN-Album, SOILWORK, MESHUGGAH, SHADOWS FALL oder CHILDREN OF BODOM - bei denen merkst du, dass sie es wirklich lieben, ihre Instrumente zu spielen. Die neue Scheibe von FEAR FACTORY ist auch sehr gut. Und das neue Material von VELVET REVOLVER tritt ordentlich in den Hintern. Generell ist ziemlich viel cooler Stoff draußen im Moment.
R. S.: Wäre doch cool, wenn BLS und VELVET REVOLVER zusammen auf Tour gehen würden.
Z. W.: Klar, das wäre was. Mal schauen, hehe.
R. S.: Viele der alten "Helden" sind wieder da. Was sagst du zu den BRIDES OF DESTRUCTION?
Z. W.: Ja. Nikki, Tracii und die Jungs. Thrash meets Punk... Dirty Rock`n´Roll. Gefällt mir.
R. S.: Dirty Rock`n´Roll scheint wieder schwer im Kommen zu sein, zum Glück. Hast du den skandinavischen Retro-Rock`n´Roll-Trend mit Bands wie beispielsweise den BACKYARD BABIES auch mitgekriegt?
Z. W.: Yeah, BACKYARD BABIES. Ich kenne sie. Cooler Booze & Blues Rock`n´Roll. Definitiv guter Stoff.
R. S.: Gut Zakk - mir gehen langsam die Fragen aus und bevor ich dich jetzt weiter ausfrage, ob du diese oder jene Bands kennst, würde ich sagen, daß wir das Interview an dieser Stelle beenden. Deine letzten Worte bitte:
Z. W.: I wanna just tell everybody at the AUSTRALIAN (Anm. d. V.: NO COMMENT, haha!) chapter of BLACK LABEL SOCIETY: Keep kickin’ some fuckin’ ass & keep drinking that beer!
Übliche Abschiedszeremonie und aus! - R. S.