W.A.S.P., DRAGONFORCE & DYECREST
Wien, Planet Music
03.06.2004

Auf dieser W.A.S.P.-Europatour gab es ja schon vor dem Wien-Gig einige "Geschehnisse". Blackie Lawless hatte zuerst aufgrund stimmlicher Probleme ein paar Deutschland-Gigs ausfallen lassen, dann kam es zum Eklat in Innsbruck, wo W.A.S.P. angeblich erst einmal schlappe 6(!) Stunden Soundcheck machten, DRAGONFORCE deshalb keinen bekamen und nicht auftraten. Dann wurde der Gig aufgrund eines mysteriösen Stromschlages nach 45 Minuten abgebrochen. Der Veranstalter behauptete, daß es sich dabei um eine abgekartete Aktion gehandelt habe, der Soundmann habe "den Stecker gezogen" und Lawless einen Stromschlag simuliert, um das Konzert abbrechen zu können... Und so nebenbei gab es im Hafen ein von Mr. Blackie "I´m a mean motherfuckin´ man" verhängtes Rauchverbot(!), um seine Stimme zu schonen...
DYECREST aus Finnland, die soeben erst ihr Debut "The way of pain" veröffentlicht hatten, eröffneten den Abend. Ihr auf Platte gutklassiger, leicht angeproggter Power Metal litt allerdings sehr unter dem wirklich miesen Sound. Ich liebe Lautstärke; aber hier hats einfach nur mehr übersteuert! Es ist zu vermuten, daß die Vorbands (auch bei DRAGONFORCE) dies dem Hauptact zu verdanken hatten, denn bei allen drei Bands stand der W.A.S.P.-Mischer hinter den Reglern. Und natürlich ist es zwingend notwendig, das Podest für Blackies monströsen Mikroständer schon vor der ersten Vorband aufzubauen, damit diese ja nicht zuviel Platz auf der durch das ohnehin schon vor dem W.A.S.P.-Drumkit aufgebaute DRAGONFORCE-Schlagzeug räumlich sehr eingeengten Planet-Bühne haben. Aber DYECREST machten das beste draus und nutzten das Podest für ausgiebige Posereien.
DRAGONFORCE aus good old England litten allerdings sehr unter dem Lawless-Podest; man konnte jederzeit erkennen, daß diese Band gern eine zur Musik passende furiose Show abgeliefert hätte, was aber aufgrund des sperrigen Hindernisses in der Bühnenmitte einfach nicht möglich war. Der Sound war bei den Engländern noch beschissener als bei DYECREST - alles hat übersteuert, das war einfach nur mehr eine schrill-diskante Lärmorgie. Musikalisch hingegen überzeugten DRAGONFORCE auf ganzer Linie, allen voran der Mann des Abends: Herman "Shred" Li, asiatischstämmiger Ausnahmegitarrist mit nicht arsch-, sondern knie(!)langer Matte. In der knappen halben Stunde brachten DRAGONFORCE einen kurzen Querschnitt aus ihren beiden bislang veröffentlichten Alben "Valley of the damned" und "Sonic firestorm" (welches ich allen Power Metal-Freaks nur wärmstens empfehlen kann). Herausragend waren dabei der Fetzer "Fury of the storm" (2. Album) und vom Debut die Ballade(!) "Starfire" (da kam fast "BON JOVI-Feeling" auf ;-), die einen wohltuenden Kontrast zum ansonsten vorherrschenden Highspeed-Gebretter bildete. Etwas irritierend übrigens die E-Drums von Dave "Compact Dynamo" Mackintosh...
Der Auftritt von W.A.S.P. war schlichtweg eine herbe Enttäuschung. Es hat schon damit angefangen, daß das Publikum auf seine Eminenz eine Stunde warten mußte. Eine Stunde Umbaupause. Hallo, was soll das? Da ist auf der Bühne nix passiert, der technische Umbau war eigentlich sehr schnell bewerkstelligt. Die Warterei war alleine auf die Arroganz der Band und ich vermute mal v.a. von Blackie Lawless zurückzuführen. Einige Musiker glauben anscheinend, daß das lange Warten die Stimmung anheizt - Falsch! Meine Stimmung hats nicht angeheizt, eher im Gegenteil. Andere Musiker glauben wohl, ihr Starstatus könne so zur Schau gestellt und gesteigert werden - Fehlanzeige! Solch kindische Auswüchse von Möchtegern-Starallüren und falsch verstandenem Größenwahn (gibts auch einen "richtig verstandenen"? - J. S.) zeugen eher von Unprofessionalität und Präpotenz. Fans, die auf Konzerte pilgern, ihre Idole wertschätzen und dafür bezahlen (und nicht einmal so wenig - v.a. sind ja die Konzertpreise in letzter Zeit ziemlich in die Höhe geschnellt - das sei aber eine andere Diskussion), sollten auch von den Stars, die ohne ihre Anhänger keine solchen wären, Wertschätzung erfahren. Und es gibt viele Künstler, die das auch wirklich tun und solchen Möchtegern-Firlefanz nicht nötig haben. Ich habe bezahlt und erwarte mir etwas dafür, zumindest eine professionelle Show. Mir hat es jedenfalls den Abend verdorben. W.A.S.P. ist zwar nicht die einzige Band, die das Publikum sinnlos warten läßt, aber mir hat es an diesem Abend irgendwie gereicht und ich muß es mal loswerden! Außerdem mußte ich mir noch ein Taxi leisten (Öffis fuhren dann natürlich keine mehr) und konnte auf dieses in strömendem Regen warten. So zum Rest vom Gig. Meine schlechte Stimmung hat sich auch während des Auftritts von W.A.S.P. nicht gebessert. Zwar war der Auftritt länger als in Innsbruck (wo sie, wie ich mir sagen ließ, wegen "Soundproblemen" nach 45 Minuten abbrachen), aber mit nur etwas mehr als einer Stunde knapp bemessen. Aber auch in Wien war es soundtechnisch nicht zum Besten bestellt - der Abend stand unter dem Motto: Lieber zu laut als gar nicht - bis die P.A. übersteuert. Das Beste am Abend war der Mikroständer in Form eines Skeletts, auf dem auch eifrig herumgeturnt wurde. Positiv fiel auch die Tatsache auf, daß nicht versucht wurde, zuviel Neues aufs Publikum loszulassen, sondern viele alte Hits zu hören waren. Blackie hätte sich seine Gitarre sparen können, da sie, wenn er sie umgeschnallt hatte und reinschremmte, nicht zu hören war (wahrscheinlich gewollt). Die zuvor angesprochene Arroganz war aber auch während des Gigs direkt von der Bühne aus zu spüren und Blackie Lawless versprühte diese ausreichend. Alles in allem erlebte ich da ein Konzert einer vor etlichen Jahren bekannten Band, die noch/wieder versucht, in altem Glanz zu strahlen. Daß der Verputz aber schon abgebröckelt ist und das Feuer nur noch auf Sparflamme brennt, war nicht zu übersehen und zu überhören. Zuguterletzt sei noch das Rauchverbot erwähnt. Ich als Nichtraucher hab zwar überhaupt nix dagegen, wenn nicht alles vollgequalmt wird, aber es ist schon bezeichnend, wenn der "Mean mother fucking man" aus "gesundheitlichen Gründen" ein Rauchverbot aussprechen läßt... (J. S.)

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